SWISSCOM-CUP: Thun plant den Exploit

Zum ersten Mal seit über 50 Jahren bestreitet der FC Thun heute Mittwoch (20.15 Uhr/SFzwei) einen Cup-Halbfinal. Die Berner Oberländer haben beim Titelverteidiger und Meisterschafts-Favoriten Basel nichts zu verlieren.

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Keine Punkte, keine Treffer und der Fall ans Tabellenende der Axpo Super League – die Rückrunde hat für den FC Thun denkbar schlecht begonnen. Kein Wunder kreisten die Gedanken der Mannschaft noch am Montag vor allem um das 0:3 in St. Gallen und die akute Abstiegsgefahr. Zumindest für einige Tage sollen die Thuner nun ihre Alltags-Probleme vergessen. «Dieses Spiel gegen Basel muss eine Freude sein. Wir müssen befreit aufspielen», fordert Trainer René van Eck.

Der Holländer traut seinem Team einen solchen Befreiungsschlag durchaus zu. Die Spieler trainieren gut, die kollektive Leistungen in den bisherigen drei Meisterschafts-Partien war ordentlich. Zum Verhängnis wurden dem FC Thun bisher im Jahr 2008 die individuellen Fehler, erkannte Van Eck. Im St. Jakob-Park dürfen sich die Thuner diese nicht mehr leisten.

Die kleinen Hoffungen
Der St.-Jakob-Park war für den FC Thun eine bislang uneinnehmbare Festung. Seit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse konnten sich die Berner dort nie durchsetzen. Nur gerade zwei Remis stehen auf der Haben-Seite, beide aus dem Jahr 2004. Grund zu (kleinem) Optimismus aus Oberländer Sicht findet man in der Statistik trotzdem. Vor dreieinhalb Jahren eliminierte der frühere Champions-League-Teilnehmer den FC Basel nach Penaltyschiessen im Achtelfinal des Swisscom Cups, allerdings im eigenen Stadion. In der diesjährigen Hinrunde verlor der FC Thun beim elffachen Meister erst durch einen Treffer in der Nachspielzeit.

Es sind kleine Hoffnungen, an denen sich der Aussenseiter aufbauen muss. Auch Van Eck weiss, dass wenig bis nichts für sein Team spricht. Seiner Vorfreude tut dies keinen Abbruch: «Es ist eine super Gelegenheit. Mit einem Sieg stehen wir im Cupfinal. Das wäre dann etwas für unseren Lebenslauf.» Bereits gestern Abend nach dem Trainings am Nachmittag reisten die Thuner nach Basel, damit sie heute genug Zeit haben, sich auf den nötigen Exploit vorzubereiten.

Viele Absenzen beim FC Basel
Auch der FC Basel wird nichts dem Zufall überlassen. Wie immer vor einem Cupspiel steht ein Training im Penaltyschiessen auf dem Programm. Vom miserablen Start der Thuner in die Rückrunde lässt sich Christian Gross nicht blenden. Am vergangenen Wochenende beobachtete der Basler Coach den Auftritt des Liga-Schlusslichts in St. Gallen und befand, dass der Gast die Partie im Espenmoos bis zum Gegentreffer kontrolliert hatte.

Viele in Basel scheinen den Halbfinal-Gegner aber nicht gleich ernstzunehmen wie der Zürcher Trainer. Für sie scheint nicht zu gelten, «der FC Thun hat nichts zu verlieren» (Gross), sondern der FC Thun kann im St.-Jakob-Park nichts gewinnen. Dies könnte zumindest eine Erklärung für den enttäuschenden Vorverkauf auf die Partie sein. Nur knapp 10 000 Tickets wurden bis gestern Abend abgesetzt.

Dabei hat auch der FC Basel so seine Probleme. Ronny Hodel und Carlitos sind gesperrt, während Scott Chipperfield, Marco Streller, Koji Nakata und Goalie Franco Costanzo weiterhin verletzt ausfallen. Trotz der namhaften Absenzen: Ein Ausscheiden des FC Basel im eigenen Stadion wäre eine Sensation, die 15. Finalteilnahme des FCB im Schweizer Cup der Normalfall. Der Verlierer heute Abend bekommt rasch die Möglichkeit sich zu revanchieren. Am Sonntag empfängt Thun den FC Basel, wobei dann die Teams wieder unterschiedliche Ziele vor Augen haben: Basel den Meistertitel, Thun das Überleben in der Axpo Super League.

Julien Oberholzer/si