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Tadesse Abraham geniesst am Marathon ungewohnte Perspektive

Der Schweizer Marathon-Rekordhalter Tadesse Abraham ehrt den Swiss City Marathon Lucerne erstmals mit seiner Anwesenheit.
Jörg Greb
Prominenter Starter: Tadesse Abraham (links). (Bild: Corinne Glanzmann)

Prominenter Starter: Tadesse Abraham (links). (Bild: Corinne Glanzmann)

Bei der ersten Passage beim KKL kündigte der Speaker ihn morgens kurz vor 9 Uhr an: Tadesse Abraham, den besten Schweizer Marathonläufer. Ungewiss liess er allerdings, wie und wo. Wenig später erhärtete sich die Vermutung: Weder an der ihm zustehenden Position noch irgendwo sonst im Feld liess sich Abraham ausmachen. Präsent war er hingegen in diversen Funktionen: beim Warm-up, als Starter, kompetenter Interviewpartner, Botschafter, Beobachter, Kommentator und Fachmann. Und als zugänglichen Menschen, der Autogramm-, Selfie- und auch aus­gefallenere Wünsche erfüllte. «Toll, dieser Anlass», sagte er und strich das Wetter, die Ambiance und den Charme des Swiss City Marathon heraus. Er sprach von einer «für mich ungewohnten Marathon-Perspektive». Auch die Argumentation, warum für ihn ein Start in Luzern nicht in Frage gekommen ist, lieferte er: «Ich bin in der Erholungs- und Wiederaufbau­phase nach dem WM-Marathon, da würde alles andere als Zuschauen keinen Sinn ergeben.»

Abgeschlossen ist der Marathon-Herbst für den 37-Jährigen seit Anfang Oktober. An den Weltmeisterschaften in Doha lief er die Prestigedistanz – und belegte Rang 9. Für die ganz grossen Glücksgefühle hat dieses Ergebnis beim Halbmarathon-Europameister von 2016 und EM-Zweiten des letzten ­Jahres in Berlin sowie Olympia-Siebten von 2016 und New-York-Marathon-Fünften 2015 nicht gesorgt. Das angesteuerte Erstklassergebnis glückte ihm nicht. Etwas zu viel Respekt brachte er den klimatischen Bedingungen entgegen. Etwas zu vorsichtig ging er das Rennen darum an. Nach 2.11.58 Stunden und mehr als sechs ­Minuten über seiner Bestmarke fehlten ihm 1.07 Minuten auf Bronze. «Ich glaubte bis ­Kilometer 41 an die Medaille», sagte er.

Unerwartete Reaktionen nach der WM

Hinterher gesellten sich Mitte Oktober zur Enttäuschung unerwartete Körperreaktionen. Oder vielmehr: fehlende Reaktionen. Auf richtig schmerzende Muskeln und Muskelkater wartete er vergeblich. Für den Körper ist offenbar die Belastung mit dem etwas tieferen Rhythmus geringer gewesen. Die Folge davon: Die Regeneration war kürzer. Mit dem Training konnte er früher und auf einem höheren Niveau wieder beginnen. Und eine spezielle Motivation kam hinzu. Der Olympia-Marathon im nächsten Hochsommer in Tokio bildet das Fernziel. Die Hitze-Erfahrung von Doha und die getroffenen Massnahmen weiss er zu nutzen. Abraham sagt: «Ich bin zu eindeutigen Erkenntnissen im Hinblick auf die Olympischen Spiele des nächsten Sommers gekommen.» So bewährten sich die Coolpads am Kopf, die er alle sieben Kilometer wechselte. Ebenso empfand er das Herunterkühlen des Körpers durch Liquid Ice als angenehm und leistungsfördernd. Er folgert: «Die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele ist so viel einfacher geworden.»

Nach dem gewohnten Muster wird der gebürtige Eritreer die Olympia-Vorbereitung allerdings nicht durchführen. Weil in Äthiopien, wo er sich jeweils in einer hochkarätigen Gruppe auf seine Höhepunkte in Form zu bringen weiss, in den Monaten Juni/Juli Regenzeit herrscht und damit die Verhältnisse nicht optimal sind, zieht es ihn im nächsten Sommer ins Engadin. Für die afrikanischen Trainingspartner auf seinem Level wird er aber auch dort sorgen. Ein erstes Höhentrainingslager in Äthiopien ist hingegen ab Anfang ­Januar terminiert – nach der Wettkampfserie an den vorweihnächtlichen Schweizer Stadtläufen und vor dem Frühlingsmarathon. Wo er diesen laufen wird, ist noch offen.

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