Der Küssnachter Felix Eberhard zählt zu den talentiertesten Curlern der Schweiz

Felix Eberhard holte mit der Schweiz die Silbermedaille an der Junioren-WM in Russland. Den Erfolg musste sich der 20-Jährige Küssnachter hart erarbeiten.

Simon Wespi
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Felix Eberhard bei der Steinabgabe an der Junioren-WM.

Felix Eberhard bei der Steinabgabe an der Junioren-WM.

Bild: Worldcurling, (Krasnojark, 22. Februar 2020)

Mit der Silbermedaille im Gepäck reiste Felix Eberhard zurück in die Schweiz. Ein Erfolg, der sich so nicht abgezeichnet hat. Im russischen Krasnojarsk fand im Februar die Curling-Junioren-WM statt. Bis dato das wichtigste Turnier seiner Karriere. Die Schweiz besiegte im Halbfinal Favorit Schottland und stiess in den Final vor. Gegen Kanada war dann nichts zu holen, zu stark war der Gegner aus Nordamerika.

Der Küssnachter Felix Eberhard ist ein Teil des erfolgreichen Junioren-Teams. In der Saison 2018/19 sicherte sich der 20-Jährige mit seiner Mannschaft aus Bern den Schweizer Meistertitel in der Junioren-Liga A. Dank diesem Erfolg wurde das Team für die Junioren-WM selektioniert.

Eberhard wurde das Curling nicht in die Wiege gelegt. Weder seine Eltern, noch seine Geschwister hatten etwas mit Curling am Hut. «Meine Mutter hat vor knapp elf Jahren das Curling-Bistro in Küssnacht übernommen. Ich bin dann mal schnuppern gegangen und bin so mit dem Sport in Kontakt gekommen», erklärt Eberhard. Beim Curling Club Küssnacht machte er seine ersten Schritte auf dem Eis, spielte Stein um Stein und merkte schon bald, dass ihm dieser Sport behagt.

«Wir ticken nicht alle gleich»

Inzwischen spielt er bereits über 10 Jahre Curling. Auf die vorletzte Saison hin, schloss er sich dem neu gegründeten Team Wagenseil aus Bern an. «Ich war bereits mit einem anderen Spieler im Team. Wir haben uns in der ganzen Schweiz nach zwei weiteren Spielern umgesehen» sagt Eberhard. Dass das Team unter bernischer Flagge antritt, hat einzig und alleine damit zu tun, «dass wir alle aus unterschiedlichen Regionen kommen. Einer ist Zürcher, einer kommt aus Basel und einer wohnt in Bern, ist aber ein Zuger», erklärt Eberhard.

Der Halbfinalsieg gegen Schottland an der Junioren-WM und der damit verbundene Erfolg, ist das Resultat harter Arbeit. «Wir ticken nicht alle gleich. Wir sind alles sehr unterschiedliche Charaktere. Das war am Anfang etwas schwierig. Dank Mentaltraining haben wir es geschafft, gut miteinander zu harmonieren.»

Coach und Mentaltrainer des Teams ist Rodger Schmidt. Der Kanadier hat langjährige Erfahrungen auf höchstem Niveau. Unter anderem nahm er an fünf Olympischen Spielen teil. Der 67-Jährige ist Eismeister in Küssnacht und betreibt eine eigene Curling-Academy. «Die Jungs haben alle ihre eigene Persönlichkeit und individuelle Talente. Das zusammenzubringen war meine Aufgabe», sagt Schmidt. Der Wille im Team war da, mental Fortschritte zu machen, so der Coach. Über Monate eine Identität zu entwickeln war das Ziel. Jeder habe individuell gearbeitet, um Konstanz zu schaffen. Weiter sagt er, könne man nicht alles in der Theorie sogleich aufs Eis bringen. Als Erfolgsfaktor nennt Schmidt folgende Punkte: «Talent und Gefühl müssen zusammen einhergehen. Es muss Vertrauen aufgebaut werden und ganz wichtig: Automatismen brauchen Zeit.»

Der Küssnachter zählt zu den talentiertesten Nachwuchs-Wischern der Schweiz.

Der Küssnachter zählt zu den talentiertesten Nachwuchs-Wischern der Schweiz.

Bild: Worldcurling, (Krasnojark, 22. Februar 2020)

Leger-Steine statt Take-outs

Felix Eberhard spielt auf der Position zwei im Team. Somit spielt er die Steine drei und vier und ist für das Wischen verantwortlich. Seine Hauptaufgabe beschreibt er so: «Nachdem die Spieler den Stein loslassen, bin ich jeweils verantwortlich, dass der Stein da hinkommt, wo wir ihn wollen.» Seine Stärken sind die sogenannten Leger-Steine und nicht unbedingt die Take-outs, «obwohl ich im Spiel mehr Take-Outs als Leger spiele», stellt er fest. Verbessern möchte sich Eberhard noch im mentalen Bereich.

«Ich möchte die Emotionen während des Spiels besser kontrollieren.»

Emotionale Momente gab es auch in Russland. Nach einer harzigen Woche konnte die Schweiz im letzten Round-Robin-Spiel den Halbfinaleinzug gegen Schottland klarmachen. «Wir waren sicher nicht Favorit und hatten somit keinen Druck. Das Spiel gegen Schottland, war unser bestes Spiel an der WM». Eigentlich war dieser Erfolg mehr, als sie je erträumt hätten. Doch Eberhard ergänzt: «Es war wichtig, dass wir nicht in Euphorie ausbrachen, denn wir hatten ja noch den Final vor der Brust, den wir unbedingt gewinnen wollten.» Er habe zwar realisiert, was das Team geleistet hat. «Für uns zählt jedoch nur Gold. Das war das Ziel, das wir nicht erreicht haben.»

Der Ehrgeiz ist zweifellos da beim Küssnachter. Dies bestätigt auch sein Trainer. «Felix arbeitet sehr hart. Er hat viel Biss und nimmt das Training sehr ernst. Er hat Feuer, manchmal fast ein bisschen viel», erklärt Schmidt.

Eberhard arbeitet als Sanitär-Installateur. In seiner Freizeit dreht sich fast alles um Curling. Findet man ihn nicht in der Curlinghalle, so ist er auf dem Rennvelo. «Und im Sommer reise ich sehr gerne.» Aufgrund der aktuellen Situation, sei ein gepflegtes Training schwierig. «Ich versuche so oft wie möglich aufs Velo zu gehen oder zu joggen.»

Suche nach einem neuen Team

Das erfolgreiche Team löst sich nun auf. Zwei der Spieler wollen sich auf die berufliche Karriere fokussieren. Eberhard beginnt im Sommer mit der Rekrutenschule. «Ich bin auf der Suche nach einem neuen Team. Weiter werde ich schauen müssen, wie ich während der RS trainieren kann.» Ihm ist bewusst, dass er vom Curling nie Leben kann. «Wir investieren viel Geld ins Curling und es kommt wenig bis nichts dabei raus», ordnet Eberhard die Dinge realistisch ein.

«Ich setzte künftig also nicht Vollgas
auf Curling.»

Sein Trainer hält viel vom Küssnachter. «Wenn Felix weiter so Curling spielt, kann er noch viel erreichen. Er verfügt über eine gute Taktik und Technik. Zudem ist er ein talentierter Wischer.» Von denen gäbe es nicht viel in der Schweiz. Solche Fähigkeiten seien in vielen Teams willkommen. Schmidt wünscht ihm, dass er bald ein Topteam findet. «Er hat noch einen Weg vor sich. Felix hat viel investiert. Es wäre sehr schade, wenn es für ihn nicht weitergeht.»