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EVZ-Trainer Dan Tangnes will wie Barcelona spielen

Der neue EVZ-Trainer Dan Tangnes (39) hat klare Vorstellungen von modernem Eishockey und schwärmt von der Entwicklung des Klubs. «Der EV Zug wird den Teamsport auf ein neues Level heben», sagt der Norweger.
Sven Aregger
Er hat den Meistertitel zum Ziel: EVZ-Coach Dan Tangnes am Zugersee. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. September 2018))

Er hat den Meistertitel zum Ziel: EVZ-Coach Dan Tangnes am Zugersee. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 10. September 2018))

Es ist ein Spätsommertag in Zug, die Leute geniessen noch einmal die Sonne und die Wärme. Am Hafen gleiten Ruderer übers Wasser, Angler werfen am Steg ihre Ruten in den See, ein Motorboot tuckert vorbei. Die Terrasse des nahen Restaurants ist gut besetzt, Geschäftsmänner treffen sich zum Mittagessen, eine Gruppe von jungen Leuten hat es sich auf Lounge-Sesseln gemütlich gemacht. Daneben sitzt Dan Tangnes an einem Tisch und trinkt einen Kaffee, er trägt helle Shorts und Flip-Flops. Er könnte glatt als Tourist durchgehen, aber in Tat und Wahrheit ist seine Freizeit gerade knapp bemessen.

Als neuer Trainer des EV Zug steht er kurz vor dem Meisterschaftsstart, morgens um 7 Uhr sitzt er meist schon in seinem Büro in den Katakomben der Bossard-Arena, er kümmert sich mit seinem Coaching-Staff um die Trainingsplanung, analysiert Spielsituationen, führt Gespräche. Hinzu kommen Medien- und Sponsoringtermine. Ja, Tangnes ist ein viel beschäftigter Mann. Er nippt an seinem Kaffee, zeigt auf die Rigi, die hoch über dem Zugersee aufragt, und sagt: «Es ist ein langer Weg bis auf den Gipfel. Aber wir wollen Meister werden, das ist unsere Inspiration.»

Der 39-jährige Norweger ist so etwas wie der Hoffnungsträger im EV Zug. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden im Playoff-Viertelfinal trennte sich die Organisation im Frühling von Headcoach Harold Kreis, auch weil der Deutsch-Kanadier die Nachwuchsstrategie nur halbherzig mitgetragen hatte. Mit Tangnes und seinen Assistenten Josh Holden und Stefan Hedlund hat sich der Klub im Coaching-Staff neu aufgestellt. Der EVZ versteht sich als ambitionierter Ausbildungsverein, in dem die Nachwuchsförderung oberste Priorität hat. Gleichzeitig verfolgt er hohe sportliche Ziele, er träumt vom zweiten Meistertitel der Klubgeschichte. «Das ist eine grosse Herausforderung», sagt Tangnes. «Aber würde ich nicht voll hinter dieser Philosophie stehen, wäre ich nicht hier.»

Früher in Zug als zunächst geplant

Dabei sollte Tangnes eigentlich erst 2019 nach Zug kommen. Beim schwedischen Klub Linköping stieg er aus dem laufenden Vertrag aus, er wollte nicht mehr ins südschwedische Ängelholm pendeln, wo seine Frau und die inzwischen 8-jährige Tochter lebten. Tangnes entschied sich für eine Auszeit und erhielt ein Angebot als Hockey-Experte im schwedischen Fernsehen. Doch dann war Kreis in Zug weg, und Tangnes sollte früher übernehmen als geplant. Nach Gesprächen mit der Klubführung und seiner Familie musste er nicht lange überlegen. «Die Organisation hat eine klare Identität, sie richtet den Fokus auf die Entwicklung von jungen Spielern. Das hat mich sofort angesprochen», sagt er und schwärmt von der Hockey Academy, dem Farmteam und dem Spitzenathletik- und Forschungszentrum OYM, das der vermögende Präsident Hans-Peter Strebel als Privatmann in Cham realisieren lässt. Tangnes ist überzeugt: «Der EVZ wird den Teamsport auf ein neues Level heben.»

Der Jungtrainer weiss, wovon er spricht. Er stammt aus Oslo, hat lange in Schweden gearbeitet, im wohl besten Hockey-Ausbildungsland der Welt. Im Verhältnis zur Zahl an lizenzierten Spielern stellen die Schweden die meisten Profis in der nordamerikanischen NHL. «Es wurde viel Geld und Ressourcen in die Ausbildung gesteckt. Schon die Junioren-Coaches sind sehr gut geschult», sagt Tangnes.

Wegen Rückenproblemen musste er seine Spielerkarriere früh beenden. Er arbeitete als Projektleiter bei einem Bauunternehmen und startete nebenbei seine Trainerlaufbahn im Juniorenbereich. Die Arbeit an der Bande gefiel ihm so gut, dass er ganz auf die Karte Trainer setzen wollte. Mit 31 wurde er Headcoach von Rögle – und führte das Team prompt in die erste Liga. Doch schon in der nächsten Saison stieg die Mannschaft wieder ab, Tangnes wurde im Verlauf des Jahres zum Assistenztrainer degradiert. In der folgenden Saison – mittlerweile wieder Cheftrainer in der zweiten Liga – wurde er entlassen. Nach einer Pause heuerte er als Assistent in Linköping an, später durfte er das junge Team als Headcoach führen, scheiterte aber dreimal in den Playoff-Viertelfinals.

Das Warm-up vor dem Marathon

Tangnes hat in seiner noch jungen Karriere schon Höhen und Tiefen erlebt. Die Erfahrungen halfen ihm, sein Profil als Trainer zu schärfen. Das Wichtige an seinem Job seien Leadership und eine gute Kommunikation, sagt er. Jeder gute Headcoach brauche Führungsqualitäten, er müsse den Spielern klare Anweisungen geben können, aber auch ein guter Zuhörer sein. «Ich habe nicht auf alles eine Antwort, aber ich engagiere mich mit voller Leidenschaft und bin immer offen für Inputs.» Tangnes hat zudem eine genaue Vorstellung, wie seine Mannschaft spielen soll: schnell, intensiv, druckvoll. Der EV Zug will das Tempo des Spiels diktieren – und das geht vor allem über Scheibenbesitz. Ist der Puck beim Gegner, wollen ihn die Zuger so rasch wie möglich zurückerobern. Tangnes zieht einen Vergleich zum Fussball, der FC Barcelona oder Manchester City würden ein ähnliches System praktizieren. Es sei ein moderner Stil, der viel Energie und Übung benötige. «Aber wenn wir das System beherrschen, wird es schwierig sein, uns zu bezwingen.»

Tangnes ist zufrieden mit den Fortschritten, die sein Team erzielt, aus den ersten vier Spielen in der Champions League resultierten drei Siege. Er weiss aber auch, dass die Saison lang ist, dass es Rückschläge geben kann. Er schaut auf die Rigi, das Bergpanorama rund um den Zugersee fasziniert ihn – vielleicht auch deshalb, weil es ein Sinnbild ist für den Schnauf, den es braucht, um an die Spitze zu gelangen. Dan Tangnes sagt: «Die Saison ist ein Marathon, und wir haben erst das Warm-up absolviert.»

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