Der Sportchef des SC Buochs sagt: «Die Tendenz geht Richtung Saisonabbruch»

Die Saison der Fussballer ist vorerst nur unterbrochen. Buochs-Sportchef Nicolas Lambert spricht über die Aktualität und seinen Rücktritt.

Interview Stephan Santschi
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Die Buochser 1.-Liga-Spieler (Patrik Gjidoda im Bild) halten sich derzeit individuell fit.

Die Buochser 1.-Liga-Spieler (Patrik Gjidoda im Bild) halten sich derzeit individuell fit.

Bild: Roger Grütter (Buochs, 7. November 2019)

Der Corona-Virus legt den Sport lahm. Was läuft aktuell beim SC Buochs?

Nicolas Lambert: Im Vordergrund nicht viel, im Hintergrund jedoch einiges. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, aktuell befassen wir uns mit verschiedenen Szenarien für den Spielbetrieb, das Chalet, die Spieler. Alles ist ungewiss. Vorderhand ist einzig klar, dass wir bis Ende April keine Matches haben werden.

Welchen Aufwand bringt es mit sich, wenn die Türen geschlossen werden müssen? Auch Mannschaftstrainings sind ja nicht erlaubt.

Zunächst mussten wir die Schlüssel drehen. Wir garantieren aber weiterhin den Informationsfluss. Für die Eltern unserer Junioren ist der Tagesrhythmus gestört. Das ist eine Umstellung, zumal sie ihre Kinder ja auch nicht in die obligatorische Schule schicken können. Wenn sie Fragen haben, versuchen wir diese bestmöglich zu beantworten. Wir haben den Betrieb im Verein nicht auf Eis gelegt.

Wie halten sich die Fussballer des 1.-Liga-Teams fit?

Wisi Barmettler, unser Konditionstrainer, hat den Spielern ein Programm abgegeben. Sie machen Stabilitäts- und Ausdauerübungen zu Hause, gehen joggen. Dabei müssen sie sich an die Vorschriften des Bundesrats halten und alleine trainieren.

Noch hat der SCB in diesem Jahr keinen Ernstkampf bestritten. Wie wahrscheinlich ist eine Fortsetzung des Spielbetriebs im Mai?

Ich denke, die Tendenz geht Richtung Saisonabbruch. Wir sind keine Profis, unsere Spieler arbeiten alle. Wir können nicht jede Woche drei Partien absolvieren. Das Komitee der 1. Liga wird dies aber eigenständig entscheiden und sich dabei nach oben an der Super und Challenge League orientieren, welche sich wiederum nach dem Bundesamt für Gesundheit richten. Die 1.-Liga-Vereine können sich da nicht gross einbringen. Priorität hat ohne Ausnahme die Gesundheit der Bevölkerung.

Der SC Buochs steht nach der ersten Saisonhälfte auf dem 12. Platz unmittelbar über dem Relegationsstrich. Käme Ihnen ein Abbruch gelegen? Dann wäre der Ligaerhalt gesichert.

Nein, gar nicht. In sportlicher Hinsicht war ich sehr zuversichtlich, wir hatten eine sehr gute Vorbereitung. Zwar hat sich Augustin Tanushaj im Training wieder das Kreuzband gerissen, das war erneut ein herber Rückschlag. Ich bin aber überzeugt, dass wir den Ligaerhalt schaffen könnten. Goldau ist fünf Punkte hinter uns, das Mittelfeld nur drei Zähler entfernt – es gebe eine spannende Rückrunde.

Weshalb geriet der SC Buochs in diese Schieflage?

Solch eine Vorrunde habe ich noch nie erlebt, weder als aktiver Fussballer noch als Sportchef. Wir haben 21 Mann im Kader, mussten phasenweise aber froh sein, wenigstens 12 Akteure für ein Spiel aufbieten zu können. Wir hatten viele Verletzte, zudem Absenzen wegen Hochzeitsreisen und Ausbildungen. Die Aufstellung ergab sich jeweils fast von selber.

Der Trainerwechsel vom erfolgreichen Selver Hodzic zu Thomas Heitzmann im letzten Sommer war also kein Fehler?

Nein, überhaupt nicht. Die Mannschaft arbeitet professionell, Tom und sein Staff sind detailliert und bringen die Spieler weiter. Der Trainer-Staff hat vollste Rückendeckung. Was sie aus der Situation machen, ist hoch einzuschätzen.

Die Assistenztrainer Michael Diethelm und Christophe Lambert hören auf. Bleibt Thomas Heitzmann?

Michael und Christophe hören aus familiären und beruflichen Gründen auf. Tom ist gegenüber einem Weitermachen grundsätzlich positiv eingestellt. Er sieht, wie auch ich, das Potenzial der Spieler. Schade ist einfach, dass wir jene, die aufhören, nicht würdig verabschieden können. Auch ich würde mein Amt nach vier Jahren gerne unter normalen Umständen weitergeben.

Weshalb hören Sie auf?

Es war für mich kein leichter Entscheid. Ich besitze neben meinem 100-Prozent-Job als Mandatsleiter bei einem Versicherungsbroker fünf Kindertagesstätten in den Kantonen Nidwalden, Obwalden, Uri und Luzern. Im Jahr 2019 expandierten wir von zwei auf fünf Betriebe, das mache ich in meiner Freizeit. Ich gehe alles mit viel Herzblut an. Meine Erwartungen und Ansprüche an mich selber sind hoch und deshalb kann ich das zeitintensive Amt des Sportchefs nicht mehr so ausüben, wie ich es gerne möchte.

Weshalb engagieren Sie sich für Kindertagesstätten?

Ich wollte nebenher immer etwas Selbstständiges aufbauen. Mit der Kita Märlischloss bin ich in der sozialen Branche und sehe grosses Potenzial darin. In unserer Gesellschaft, in der die Teilzeitarbeit immer wichtiger wird und es viele alleinerziehende Mütter und Väter gibt, möchte ich mit unserem einzigartigen Konzept Unterstützung bieten.

Nicolas Lambert, Sportchef des SC Buochs.

Nicolas Lambert, Sportchef des SC Buochs. 

Bild: PD