TENNIS: Aufstieg – oder doch nicht?

Sursees NLB-Frauenteam sichert sich mit dem 5:1-Sieg gegen Weihermatt die nötigen Punkte, um aufzusteigen. Aber vor dem Aufstiegsentscheid gehen die Verantwortlichen nochmals über die Bücher.

Theres Bühlmann
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Gewannen zum Abschluss auch das Doppel: Kristina Milenkovic (links) und Karin Hechenberger. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 10. Juni 2017))

Gewannen zum Abschluss auch das Doppel: Kristina Milenkovic (links) und Karin Hechenberger. (Bild: Pius Amrein (Sursee, 10. Juni 2017))

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Es war angerichtet. Die Getränke für den Apéro kaltgestellt, die Grillwürste bereit. Die Zuschauer suchten einen Schattenplatz, und Sursee-Präsident André Bacher («doch, mein Puls schlägt etwas höher») zeigte sich omnipräsent. Dies geschah gestern alles auf der Schlottermilch, nicht etwa im Fussballstadion, sondern im benachbarten Tennisclub. Angesagt war das letzte und entscheidende NLB-Frauenspiel zwischen Sursee und Weihermatt im Rahmen des Interclubs.

Ein Punkt fehlte den Gastgeberinnen, die erst letzte Saison in die zweithöchste Liga aufgestiegen waren, um den Titel zu holen und so die Promotion in die NLA zu schaffen. Immer vorausgesetzt, dass Zofingen die Mannschaft von Luzern Lido nicht gleich mit 6:0 bezwingen würde. Sonst wäre die Direktbegegnung gegen die Aargauerinnen zum Tragen gekommen, diese ging 3:3 aus, somit hätte das Satzverhältnis den Ausschlag gegeben, und da war Sursee im Hintertreffen. «Wir haben alles durchgerechnet», sagte André Bacher. Die Devise für die Surseerinnen war somit gegeben, keine Rechenschiebereien mehr, sondern einfach zwei Zähler holen.

Das Heimteam, von Trainer Michael Birner bestens eingestellt, trat ohne Leonie Küng an, die in Tunesien ein Turnier bestritt und ohne Kiara Cvetkovic. Die 13-jährige Geuenseerin verstärkte die 1. Liga-Equipe, die gestern an gleicher Stätte die Partie gegen Giubiasco austrug, bei der es um den Aufstieg in die NLC ging.

Drei Einzel-Siege für Sursee

Die Ouvertüre zu diesem mit Spannung erwarteten NLB-Showdown bestritten Corina Christener gegen Samy Singh und Kristina Milenkovic gegen Isabella Bellotti. Sursees Captain Christener (27) setzte sich souverän mit 6:1, 6:1 durch. Der erste Zähler war somit unter Dach und Fach. Dann hiess es warten – was macht Kristina Milenkovic? Gut machte sie es – in einem Spiel, das insbesondere im ersten Set von langen Ballwechseln geprägt war. Die 15-Jährige verwertete ihren Matchball zum 6:0, 6:2-Sieg. Grosser Applaus und Jubel folgte – der Aufstieg war Tatsache. Strahlende Gesichter, Gratulationen hüben und drüben und der eine oder die andere stiess auf den grössten Triumph in der Geschichte des Tennisclubs Sursee an.

«Ich wusste, dass ich meine Gegnerin nicht unterschätzen durfte», gab Kristina Milenkovic, die mit der Hitze wenig Mühe bekundete, nach der Partie zu Protokoll. Sie sei das eher langsame Tempo ihrer Kontrahentin zu Beginn mitgegangen, «doch dann habe ich mehr Druck erzeugt und durchgezogen». Und flugs wurden die T-Shirts mit der Aufschrift «NLB Swiss Champion 2017» übergestreift. Auch Karin Hechenberger (29) gestaltete ihr Einzel siegreich, einzig Anna Vrbenska musste in der Single-Konkurrenz als Verliererin vom Platz. Hechenberger/Milenkovic entschieden ihr Doppel für sich und auch Christener und Vrbenska führten im ersten Satz 5:2, ehe eine der Gegnerinnen verletzt aufgeben musste.

Gestrahlt hat gestern auch Trainer Michael Birner, der Baumeister dieses Surseer Erfolges. «Das Team zeichnet sich durch einen sehr starken Zusammenhalt aus, die Chemie stimmt.» Ein weiterer Erfolgsfaktor sei auch die Mischung aus erfahrenen, routinierten Spielerinnen und den jungen, talentierten Akteurinnen.

Entscheid fällt in ein oder zwei Monaten

Obwohl der Aufstieg sportlich in trockenen Tüchern ist, gibt es um die NLA-Zukunft der Surseerinnen noch Fragezeichen. «Wir werden nun genau analysieren: Wollen wir auf höchster Ebene spielen oder weiterhin ein Ausbildungsverein bleiben und dem Nachwuchs eine Plattform bieten?», erklärt Präsident André Bacher. «Um in der NLA einigermassen mitzuhalten, müsste eine Ausländerin engagiert werden, die uns sichere Punkte bringt.» Er rechnet mit einem NLA-Budget von rund 20000 Franken, über Sponsoren finanziert. «Die Entscheidung wird in ein bis zwei Monaten fallen», so Bacher. Er zeigte sich gestern, wie auch die Zuschauer, von den Leistungen der Spielerinnen sehr angetan und beeindruckt. «Vor allem auch, weil diese besser klassierte Gegnerinnen geschlagen haben», und schob nach, «zudem macht Trainer Michael Birner einen tollen Job.»

Doch erst einmal wurde gestern der Meistertitel gebührend zelebriert. «Einfach feiern, und dann sehen wir, wie es weitergeht», sagte Corina Christener. Und eine Spielerin hat heute gleich wieder einen guten Grund, das Glas zu erheben: Kristina Milenkovic: Sie feiert Geburtstag.

Interclub, Frauen, NLB

5. und letzte Runde: Sursee – Weihermatt Urdorf 5:1. Luzern Lido – Zofingen 3:3. Grasshoppers – Stade Lausanne 5:1. – Schlussrangliste (alle 5 Spiele): 1. Sursee 24 Punkte. 2. Zofingen 17. 3. Grasshoppers 16. 4. Luzern Lido 16. 5. Weihermatt Urdorf 15. 6. Stade Lausanne 2. – Sursee steigt in die NLA auf. – Stade Lausanne steigt in die NLC ab.

Sursee – Weihermatt 5:1

Anna Vrbenskà (N3.35) u. Barbara Pinterova (N3.35) 6:4, 0:6, 4:6. Kristina Milenkovic (N3.40) s. Isabella Bellotti (N4.63) 6:0, 6:2. Karin Hechenberger (R1) s. Lea Gietz (R1) 6:0, 6:3. Corina Christener (R1) s. Samy Singh (R2) 6:1, 6:1. Milenkovic/Hechenberger s. Bellotti/Gietz 6:1, 6:2. Vrbenskà/Christener s. Pinterova/Jenny Dürst (N4.48) 5:2 w. o.

Männer. NLB

Gruppe 1. 5. und letzte Runde: Allmend Luzern – Lugano 1903 4:5. Horgen – Zug 2:7. Seeblick ZH – Mail Neuenburg 9:0. – Schlussrangliste (alle 5 Spiele): 1. Seeblick ZH 29 Punkte. 2. Zug 27. 3. Mail Neuenburg 21 (53:49-Sätze). 4. Allmend Luzern 21 (47:56). 5. Lugano 1903 19. 6. Horgen 15. – Seeblick für den NLB/NLA-Aufstiegsfinal gegen Drizia Genf qualifiziert. – Horgen steigt in die NLC ab.