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TENNIS: «Bei Federer lag ich falsch»

John McEnroe gehört zu den prägendsten Figuren – sowohl als Spieler wie als fachkundiger Beobachter. Der Amerikaner über sich, Federer, Wawrinka und seinen Geheimtipp für Wimbledon.
Interview Jörg Allmeroth, Wimbledon
Nimmt in seinen Analysen kein Blatt vor den Mund: John McEnroe. (Bild: Getty/Jacopo Raule)

Nimmt in seinen Analysen kein Blatt vor den Mund: John McEnroe. (Bild: Getty/Jacopo Raule)

John McEnroe, die «Times» hat einmal gespöttelt, Sie hätten mehr Auftraggeber als Liz Taylor Ehemänner hatte. Auch in Wimbledon sind Sie gut beschäftigt.

John McEnroe: Ich habe Spass an meinem Job, ich sehe gerne Tennisspiele, ich bewerte gerne Tennisspiele. Und ich habe immer eine klare Meinung, bei mir gibt es kein Wischiwaschi, keinen seichten Small Talk. Die Leute, die mich bezahlen, erwarten das auch von mir.

Man hat den Eindruck, dass Sie eine rastlose Natur sind.

McEnroe: Ich kann den lieben Gott nicht einen guten Mann sein lassen. Wenn ich nichts zu tun habe, werde ich unruhig und nervös. Untätigkeit macht mich verrückt.

Wenn Sie kommentieren, schimmert ein hoher Anspruch an die Spieler heraus. Sogar eine gewisse Unbarmherzigkeit.

McEnroe: Ich meine, dass für alle in der Profiszene das Motto gilt: «Wenn du die Hitze nicht ertragen kannst, dann geh raus der Küche.» Die Spieler haben einen privilegierten Beruf, sind gut bezahlt, da müssen sie schon mit Kritik leben können. Kritik sollte aber auch ein gutes Fundament haben, nicht dahergesagt sein. Ich stelle mich selbst der Kritik, wenn ich Fehler gemacht habe – da habe ich kein Problem.

Kommen wir zu Wimbledon. Wenn Sie alljährlich nach London reisen, an die Church Road, was bedeutet das für John McEnroe?

McEnroe: Die schönste Tenniszeit des Jahres – zusammen mit dem US Open, in New York, meiner Heimatstadt. In Wimbledon geht mir immer das Herz auf, es ist wirklich noch ein Ort, an dem schöne Traditionen gepflegt werden. Man hat sich hier nicht total allen modernen Trends angepasst.

Sie haben Roger Federer einmal dafür kritisiert, dass er ein distanziertes Verhältnis zum Davis Cup hatte. Nun gewann er zusammen mit dem Schweizer Team im letzten Jahr den Pokal.

McEnroe: Und ich bin sicher, dass Roger damit eine gewisse Last von sich genommen hat, einen Druck, den es ja auch gab. Den Druck der Öffentlichkeit, eben doch mehr für die Tennisnationalmannschaft zu spielen, mal den Pott zu gewinnen. In einer Mannschaft erfolgreich zu sein. Ich hielt es immer für meine Pflicht, für mein Land zu spielen, für eine Ehre, da musste mich niemand auf den Platz tragen. Es war auch einer der grössten Finals der letzten Jahrzehnte, Frankreich gegen die Schweiz.

Federer wirkt mit seinen bald 34 Jahren noch immer wie ein Spieler, der jederzeit alle Titel im Tennis gewinnen kann.

McEnroe: (schmunzelt) Vielleicht nicht mehr unbedingt die French Open, aber wer weiss. Nein, ich habe einen Heidenrespekt vor Federer, er hat so eine unglaubliche Arbeitsmoral, so eine gesunde Motivation auch jetzt noch. Das ist einfach fantastisch. Bei ihm kann man wirklich nichts ausschliessen. Ich habe auch schon mal den Fehler gemacht, ihn aus der Konkurrenz für die grossen Titel zu nehmen. Aber das sollte man nie tun. In diesem Fall lag ich falsch.

Federer bestreitet hier sein 63. Grand-Slam-Turnier in Serie.

McEnroe: Da schüttelt man sich und fragt sich: Ist das wahr? Kann das wahr sein? Es ist ein unglaublicher Wert. Da setzt er sich ein Denkmal der Ausdauerkraft. Zeigt auch, dass er so vieles richtig gemacht hat in seiner Karriere, eben auch in der Vorbereitung auf die Turniere. Und in der Auswahl der richtigen Leute in seinem Team. Ein bisschen Glück gehört allerdings auch dazu.

Stan Wawrinka hat zu Federer in die absolute Weltspitze aufgeschlossen. Wie sehen Sie seine Perspektiven?

McEnroe: Mit dem Sieg in Paris hat Wawrinka noch mal einen Sprung nach vorne gemacht, auch das Gerede beseitigt, er sei nur eine Eintagesfliege. Denn das ist er nicht. Er ist eine Gefahr für jeden Spieler an jedem Tag, auch für die Allerbesten. Denn er hat diese besondere Qualität, mit seinem Potenzial auch sein Spiel durchzusetzen. Wir nennen das The Big Game, diese mächtigen Schläge, diese wahnsinnige Power. Der Finalsieg in Paris, das war eine der besten individuellen Leistungen, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

Wird Wawrinka, werden andere Top-Ten-Spieler die Hackordnung im Welttennis verändern können?

McEnroe: Ich bin nicht sicher. Wawrinka sagt ja selber von sich, dass er nicht tagein, tagaus dieses Spielen am Limit, auf allerhöchstem Niveau von sich erwartet. Das unterscheidet ihn, auch die anderen Herausforderer, von Djokovic, Murray und Federer. Die haben sich das schon über so viele Jahre bewiesen, und sie haben dadurch auch diese Selbstsicherheit und das starke Ego gewonnen. Das ist Kraft und Stärke durch eigene Überzeugung.

Wo führt Nadals Weg nach dem Wimbledon-Out in der 2. Runde hin, nach einer insgesamt durchwachsenen Saison?

McEnroe: Was für Federer gilt, das gilt auch für Nadal: Einen solchen Klassemann schreibst du nie ab. Aber bei seinem Ausscheiden hat mich seine Taktik etwas verwundert, er spielte eher wie auf Sand. Vielleicht braucht er neuen Input in seinem Betreuerteam.

Wer gewinnt Wimbledon?

McEnroe: Eine verdammt schwere Pro­gnose dieses Jahr. Du kannst nicht an Djokovic, an Murray und Federer vorbeischauen. Die haben die grössten Chancen, sie wissen, ganz banal, wie man dieses Turnier gewinnt, mögen Rasentennis. Und haben eine gute Form bewiesen. Ein Tipp ausserhalb der Drei: Nick Kyrgios. Er wird einer der bestimmenden Spieler der Zukunft sein. Und wirkt, als wäre er schon 2015 hier für etwas Grosses bereit.

Interview Jörg Allmeroth, Wimbledon

Hinweis

* John McEnroe (56) gewann sieben Grand-Slam-Titel, darunter auch drei Wimbledon-Trophäen (1981, 1983, 1984) und stand 170 Wochen auf Platz 1 der Weltrangliste. Der US-Ameri­kaner war bekannt für sein geniales Spiel, aber auch seine Wutausbrüche auf den Centre Courts. McEnroe arbeitet heute als TV-Experte auch bei allen Grand-Slam-Turnieren.

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