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TENNIS: Bencic ist endgültig zurück

Mit dem Sieg gegen Venus Williams setzte Belinda Bencic zum Auftakt der Australian Open in Melbourne ein Ausrufezeichen. Und rührte damit die Eltern von Roger Federer zu Tränen.
Jörg Allmeroth
«Ein Mega-Augenblick»: Belinda Bencic suchte nach dem Spiel passende Worte. (Bild: Jürgen Hasenkopf/Freshfocus (Melbourne, 15. Januar 2018))

«Ein Mega-Augenblick»: Belinda Bencic suchte nach dem Spiel passende Worte. (Bild: Jürgen Hasenkopf/Freshfocus (Melbourne, 15. Januar 2018))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Schon bevor überhaupt der erste Ball gespielt worden war in der Rod-Laver-Arena zu Melbourne, hatte Belinda Bencic einen kleinen moralischen Sieg errungen. Denn kaum hatte die Auslosungszeremonie ihr die vermeintlich übermächtige Erstrundengegnerin Venus Williams eingebracht, gab Bencic frohgemut zu Protokoll, sie freue sich sehr über diese Herausforderung: «Ich gehe mit einem guten Schuss Optimismus in das Spiel. Ich will zeigen, was ich kann.»

Genau mit dieser Mischung aus Unbeschwertheit, Lockerheit und Angriffslust ging sie dann auch am Montag auf dem Centre Court ans Werk – und war schliesslich die erste grosse, strahlende Sensationsgewinnerin bei den Australian Open des Jahres 2018. 6:3 und 7:5 lauteten die nackten Zahlen bei einer souveränen Demonstration der Stärke der 20-Jährigen, die das Duell mit der amerikanischen Vorjahresfinalistin von vornherein nicht als unglücklichen Wink des Schicksals, sondern als Chance begriff. Als Chance, ihre neugewonnene Lust am Tennis und ihren Aufwärtstrend auf ganz grosser Bühne zu bestätigen: «Das ist ein Mega-Augenblick für mich», sagte Bencic, aktuell die Nummer 78 der WTA-Weltrangliste, hinterher, «dieser Sieg bedeutet mir sehr viel.»

Vor zwölf Monaten begann das Unglück

Und es flossen sogar ein paar Tränen der Rührung im Moment des Grand-Slam-Coups, wenn auch nicht bei Bencic selbst, sondern bei Roger Federers Eltern Lynette und Robert, die am arbeitsfreien Tag ihres Sohnes in der Bencic-Loge sassen. Bencic und Federer hatten vor gut einer Woche zusammen die inoffizielle Weltmeisterschaft der gemischten Doppel in Perth gewonnen; dabei waren sich auch die Familien und Teams der beiden Schweizer Asse nähergekommen. «Es war so cool, dass die beiden mir zugeschaut haben», sagte Bencic noch bei einem Blitzinterview in der Arena, «es war aber kein besonderer Druck deswegen da.»

Nein, Druck liess Bencic in keiner Sekunde, in keiner Phase dieses glänzenden Auftaktgastspiels erkennen. Ganz im Gegenteil: Sie spielte durchgehend mutig, couragiert und mit jener inneren Überzeugung, die nach dem starken Schlussspurt der letzten Saison und dem perfekten Einstieg ins Jahr 2018 zurückgekehrt war. Bencic hatte zwar «nur» bei kleineren Turnieren triumphiert, in St. Petersburg, Taipeh, Dubai und Hua Hin, doch die Siege hatten ihr Matchhärte und Selbstbewusstsein verliehen. «Ich habe heute wirklich nicht schlecht gespielt, aber Belinda war einfach besser, liess nicht viel zu», lobte die geschlagene Venus Williams. Statt Favoritin Williams rückte also Bencic in die zweite Runde vor, zur Verabredung mit der Thailänderin Luksika Kumkhum.

In gewissem Sinne schloss sich, mit zwei Spielen, die mit dem Namen Williams verbunden waren, auch ein Kreis für Bencic: Vor zwölf Monaten begann ihre Pech- und Unglückssträhne der Saison 2017 mit einem 4:6-, 3:6-Aus in Melbourne gegen die spätere Gewinnerin Serena Williams. Es folgten weitere bittere Niederlagen, viele Selbstzweifel, der Sturz aus den Top 100 und dann auch noch die Operation am Handgelenk.

Die Familie blieb zu Hause

Nun aber, nach dem beeindruckenden Auftritt gegen Big Sister Venus, konnte Bencic wieder grosse und grössere Ziele ins Auge fassen, vielleicht auch infolge einer nebenbei eingeleiteten und notwendigen Emanzipation im persönlichen Umfeld. Immerhin war Bencic ja nur mit Trainer Iain Hughes und einem Trainingspartner ans andere Ende der Welt gereist, die Familie blieb daheim in der Schweiz.

Was Bencic gegen die 37-jährige Amerikanerin besonders auszeichnete, war eine komplette Furchtlosigkeit und Kompromisslosigkeit. Anders als bei den zuvor vier verlorenen Matches gegen Venus spielte die 20-Jährige ohne Respekt, zeigte Schneid und Schärfe. «Ich wollte die Sache in die eigene Hand nehmen, aktiver sein, mehr riskieren», sagte Bencic. Mit dieser Mentalität, aber auch einfach mit dem «tollen Gefühl, wieder auf diesem Platz stehen zu können», holte sie ein ums andere Mal die entscheidenden Punkte. Ihre Australian-Open-Reise kann noch ein gutes Stück weiter gehen, erst recht in einer Welt im Damentennis, in der nichts unmöglich ist.

www.

Verfolgen Sie die Erstrunden­partie von Federer ab 9 Uhr: luzernerzeitung.ch/liveticker

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