TENNIS: Bencic wird zum Sorgenfall im Welttennis

Belinda Bencic ist letzte Woche am linken Handgelenk operiert worden und muss mehrere Monate pausieren. Wann die Ostschweizerin wieder auf die Tour zurückkehrt, ist offen.

Jörg Allmeroth
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Belinda Bencic macht das linke Handgelenk zu schaffen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Belinda Bencic macht das linke Handgelenk zu schaffen. (Bild: Peter Klaunzer/Keystone)

Es ist noch gar nicht lange her, da war Belinda Bencic das grösste Versprechen für die Zukunft im Damentennis. Nicht mal 19 Jahre war Bencic, als sie früh in der Saison 2016 unter die Top Ten stürmte, auf den Spuren von Spielerinnen wie Martina Hingis oder Patty Schnyder. Alle Türen schienen ihr offenzustehen, sie hatte die Weggefährtinnen aus ihrer Generation schon überholt, und es war, jedenfalls damals, für viele Experten nicht die Frage, ob sie einen Grand-Slam-Titel oder andere grosse Pokale gewinnen würde. Sondern nur noch, wann.

Aber das Profitennis ist eine launische Welt. Es gibt keine Sicherheiten. Niemals. Und für keinen. Ausgerechnet Belinda Bencic entpuppt sich gerade als letztes Beispiel dafür, wie schnell sich die Zeiten und das Schicksal ändern können in dieser Branche. Erstens kommt es anders. Zweitens, als man denkt. Gestern jedenfalls war Bencic nicht auf einem Centre Court zu sehen, in strahlender Siegerinnenpose, zufrieden und glücklich mit ihrem Sport, ihrem Beruf, ihrer Passion. Sie blickte stattdessen mit einem gequälten Lächeln in eine Kamera, den linken Arm dick verbunden – es war ein Bild der Patientin Bencic, aufgenommen in einem Krankenhaus.

Die Gegenwart will es, dass auch solche Bilder und Nachrichten über soziale Netzwerke verbreitet werden. Bencic, ein Kind dieser Generation, teilte auf Twitter mit, was passiert war und welche Konsequenzen es hat: «Hallo Leute, ich bin am linken Handgelenk operiert worden. Es war eine schwierige Entscheidung, aber sie hilft mir, meine Karriere um viele Jahre zu verlängern», schrieb sie im Kurznachrichtendienst. Man darf davon ausgehen, dass die Saison 2017 nun beendet ist für Bencic, eine Saison, in der die junge Frau immer mehr zum Sorgenfall im Welttennis wird.

Zuletzt stand sie in der Weltrangliste jenseits der Top 100, notierte auf Platz 123, da war sie gerade in der Startrunde des Heimturniers in Biel ausgeschieden.

Kompliziertes Comeback

Vieles war zusammengekommen für Bencic in der monatelangen Krisenzeit: eine gewisse Leistungsstagnation, der nicht einfache Umgang mit den ersten Negativ-Schlagzeilen, öffentlicher Erwartungsdruck, komplexe Loslösungsprozesse von der Familie, die bis dahin wesentlich den Fortgang der Laufbahn dirigiert hatte. Und dann eben auch noch die dauernden Probleme mit dem Handgelenk, also mit einem Körperteil, in das Tennisspieler hundertprozentiges Vertrauen haben müssen. Doch dieses Vertrauen hatte Bencic schon länger nicht mehr, sodass es nicht wunderte, dass sich Zweifel und Ängste in ihr Spiel einschlichen.

Keiner weiss, wie ein Comeback von Bencic aussehen wird, es wird gewiss komplizierter ausfallen als etwa bei Roger Federer. Heinz Günthardt, der Schweizer Fed-Cup-Captain, hatte schon vorige Woche in Stuttgart über Bencic und ihre körperliche Malaise gesagt: «So kann es nicht weitergehen für sie.» Nun gibt es eine neue Lage und wenigstens neue Hoffnung.

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch