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TENNIS: Caroline Wozniacki: Ausdauerwunder mit Geduld

Caroline Wozniacki gewinnt den Saisonfinal in Singapur. Die Dänin, die auch abseits der Tennisplätze Schlagzeilen macht, hatte keiner auf der Rechnung.
Caroline Wozniacki. (Bild: Wallace Woon/EPA (Singapore, 29. Oktober 2017))

Caroline Wozniacki. (Bild: Wallace Woon/EPA (Singapore, 29. Oktober 2017))

Es war eine Saison der Kapriolen und Merkwürdigkeiten im internationalen Frauentennis. Auch den letzten grossen Titel holte sich eine zwar altbekannte Grösse, aber keine der wirklichen Favoritinnen bei der inoffiziellen WM im tropisch warmen Singapur: Ausgerechnet als niemand aus dem Heer der Experten mit ihr rechnete, schlug sich Caroline Wozniacki zu ihrem ersten grossen Karrieretriumph durch. «Ich bin überglücklich. Endlich ist der Bann gebrochen», sagte die 27-jährige Dänin, die gestern im Final erstmals ein Spiel gegen Altmeisterin Venus Williams gewinnen konnte. Bereits am Samstag hatte Wozniacki mit einem souveränen Halbfinaltriumph gegen die hochgehandelte Tschechin Karolina Pliskova verblüfft.

Vor fast acht Jahren schien Wozniacki drauf und dran, eine fulminante Karriere im Tenniszirkus zu begründen. Insgesamt 67 Wochen stand sie zwischen Herbst 2010 und Ende 2011 auf Platz eins der Weltrangliste, doch der entscheidende Durchbruch blieb ihr verwehrt, vor allem, weil sie bei den kostbaren Grand-Slam-Turnieren keine Trophäen erringen konnte. Zufällig hatte sie die Spitzenposition allerdings nicht erobert, Wozniacki war in ihrer ersten Glanzzeit ein Muster an Konstanz auf hohem Niveau, ein Ausdauerwunder zudem, das ihre Gegnerinnen in Grund und Boden rennen konnte. Was der Dänin fehlte, war der eine überragende Schlag, der harte Punch, der Schuss Genialität, der Rivalinnen wie Serena Williams auszeichnete.

Wozniacki bewunderte in ihren Kinder- und Jugendjahren zwei Spielerinnen: Steffi Graf und Martina Hingis. An der Deutschen gefielen ihr die «Beweglichkeit, Geschmeidigkeit und Zähigkeit», bei Hingis imponierten ihr die Raffinesse und der Trickreichtum, mit denen sie sich gegen die Grossen durchsetzte. Wie Hingis sah sich auch Wozniacki gern bei der Arbeit: «Ich bin eher eine Schachspielerin, die mit Geduld, Ausdauer und Köpfchen die Punkte macht. Ich setze mein Gehirn ein.» Erst in späteren Jahren wandelte sich Wozniacki von der Zermürbungsstrategin zu einer Spielerin, die auch dezidiert die eigenen Chancen sucht – mit kontrollierter Offensive, mit Präzision und Power.

Schlagzeilen machte die 27-jährige, die seit 2007 als Tennisnomadin herumreist, auch abseits der grossen Bühnen. Vor drei Jahren startete Wozniacki beim New-York-Marathon und lief am Ende einer strapaziösen Tennissaison die Strecke in 3:30 Stunden. Dafür erntete die meist fröhlich-unkomplizierte Dänin Hochachtung quer durch die Läuferszene und von ihren Tenniskolleginnen. Mit dem Laufen hatte Wozniacki einst auch aus therapeutischen Motiven begonnen, um die trüben Gedanken nach der jähen Trennung von Stargolfer Rory McIlroy zu verscheuchen. Kurz vor der schon fest geplanten Hochzeit im Mai 2014 hatte der Schotte seine vermeintliche Herzensdame kurzerhand sitzen lassen.

Jörg Allmeroth

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