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TENNIS: Das viel kritisierte Comeback von Scharapowa

Heute kehrt Maria Scharapowa nach 15-monatiger Sperre auf die Tour zurück. Möglich macht das der Stuttgarter Turnierdirektor Markus Günthardt, der sich im Interview verteidigt und seine Gründe für die Wild Card erklärt.
Jörg Allmeroth
In Stuttgart kehrt sie auf die grosse Bühne zurück: die ehemalige Weltnummer 1 Maria Scharapowa. (Bild: Pavel Golovkin/AP (London, 3. Juli 2015))

In Stuttgart kehrt sie auf die grosse Bühne zurück: die ehemalige Weltnummer 1 Maria Scharapowa. (Bild: Pavel Golovkin/AP (London, 3. Juli 2015))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Markus Günthardt, wer hat eigentlich entschieden, dass Maria Scharapowa eine Wild Card beim Porsche Grand Prix 2017 in Stuttgart erhält?

Markus Günthardt: Das ist eine Entscheidung, die in die Verantwortung des Turnierdirektors fällt. Und die auch vom Veranstalter, also der Porsche AG, gestützt ist und für richtig gehalten wird. Wir haben gute Argumente dafür und können die Erregung in der Tennisszene teilweise nicht nachvollziehen.

Was meinen Sie damit?

Es gab unter anderem ja Kritik, dass Maria ihr Erstrundenmatch am Mittwoch spielt. Aber wir haben 2016 nicht weniger als fünf Erstrundenspiele am Mittwoch im Terminplan gehabt. Es gibt also keine Extrawürste, keine Sonderbehandlung. Alles, was diesen Start von Maria Scharapowa betrifft, ist durch den Weltverband ITF und die Spielerorganisation WTA auch regeltechnisch abgesichert.

Viele Kolleginnen von Scharapowa beklagten die Wild-Card-Vergabe. Waren Sie darüber erstaunt?

Teilweise schon. Weil ich der Meinung bin, dass die Fakten nicht viel zählten bei dieser Kritik. Man muss klar festhalten, dass der Internationale Sportgerichtshof in seinem Urteil Maria Scharapowa nicht als Betrügerin bezeichnet. Sondern festgestellt hat, dass sie einen schweren Fehler gemacht hat. Einen Fehler, der ihr und ihrem Team nicht hätte passieren dürfen. Ich rechne ihr auch an, dass sie sich sofort hingestellt und gesagt hat: Ich habe da einen Fehler gemacht, ich übernehme die ganze Verantwortung dafür, und ich werde die Konsequenzen tragen.

15 Monate Strafe enden nun genau während des Stuttgarter Turniers.

Das haben wir ja nicht entschieden, das ist ein Urteil der Sportgerichtsbarkeit. Das Timing ist sozusagen Schicksal, Zufall auch. Sonst nichts. Ich meine, dass es eine harte, empfindliche Strafe war für eine Topathletin. Diese Strafe ist nun verbüsst, der Fehler gesühnt. Und daher kann und darf Maria wieder Tennis spielen.

Aber auch mit einer Wild Card, einem Freibrief des Veranstalters?

Maria hat sich so grosse Verdienste für dieses Turnier erworben, dass wir ihr diese Wild Card aus gutem Grund geben. Sie hat das Turnier weltweit populär gemacht. Sie hat vier Mal bei uns gespielt und drei Mal gewonnen. Aber das Wichtigste: Sie hat hier jedes Mal in jedem Spiel ihre Seele auf dem Platz gelassen, hat die Fans begeistert und mitgerissen.

Haben Verkaufsargumente eine Rolle gespielt? Das haben manche Kritiker unterstellt.

Wir müssen nicht Scharapowa eine Wild Card geben, um kommerziell erfolgreich zu sein. Wir waren in diesem Jahr so früh ausverkauft wie nie zuvor und haben auch ohne Maria genügend Medienpräsenz. Ich sage es noch einmal: Sie hat so viel für dieses Turnier geleistet, dass ich ihr diese Wild Card mit sehr gutem Gewissen und mit sehr guten Gründen gebe – und nicht, weil ich Tickets verkaufen will.

Die deutsche Bundestrainerin Barbara Rittner sagte in einem Interview, jemand, der gedopt habe, solle wieder von ganz unten anfangen müssen und keine Wild Card erhalten.

Sie bezieht ihre Kritik ja auf Dopingfälle. Aber Scharapowa ist nicht als Betrügerin verurteilt worden. Für uns ist das der entscheidende Unterschied.

Befürchten Sie, dass die Turbulenzen rund um dieses Comeback die Atmosphäre beim Turnier nachhaltig belastet?

Nicht wirklich. Es gibt keineswegs nur Kritik an ihr. Es gibt auch Spielerinnen, die sich pro Scharapowa geäussert haben. Etwa die Schweizerin Timea ­Bacsinszky, die daran erinnert hat, wie viel Scharapowa für die Popularität des Frauentennis getan hat. Der Trubel und die Aufregung werden sich wieder legen.

Scharapowa war schon vor ihrer Sperre und dem jetzigen Comeback eine umstrittene, polarisierende Persönlichkeit im Tourbetrieb.

Sie ist halt nicht jemand, der Freundschaften sucht in seinem Beruf. Sie verbringt auch nicht den ganzen Tag auf der Turnieranlage. Sie fokussiert sich auf das Wesentliche, auf Siege. Sie handelt wie eine Unternehmerin. Das wirkt kühl, unnahbar, sogar arrogant auf andere Spielerinnen. Ich finde diese Mentalität aber sympathisch, weil da eben nicht alles zwischen Arbeits- und Privatleben vermischt wird. Da gibt es ja auch viel Heuchelei, was diese Freundschaften zwischen den Spielerinnen angeht. Ein ganz grosses Problem ist eben: Viele kennen Maria Scharapowa einfach nicht. Ich habe sie jedenfalls als professionellste Person überhaupt im Tennis erlebt, immer und immer wieder.

Was trauen Sie Scharapowa sportlich zu in Stuttgart?

Ich behaupte: Sie wird topfit, hochehrgeizig zurückkehren. Ich würde nicht gerne gegen sie spielen wollen. Aber die Antwort wird letztlich erst auf dem Centre Court gegeben. Wenn sie die erste Runde übersteht, ist hier sehr viel möglich für sie.

Zur Person: Markus Günthardt (59) ist Turnierdirektor des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart. Der Schweizer war früher selbst Profi, spielte unter anderem auch im Davis-Cup für sein Heimatland. Als Boss hochrangiger Tenniswettbewerbe machte er sich weltweit einen Namen, unter anderem war er Chef der Hannoveraner ATP-WM und der Herren-Mastersturniere in Stuttgart und in Madrid.

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