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TENNIS: Der Garant für Federers Fitness

Roger Federer trifft heute (9.30 Uhr, SRF zwei) im Final der Australian Open auf den Kroaten Marin Cilic. Dass der Schweizer Superstar im Tenniszirkus noch so dominant dabei ist, verdankt er vor allem Pierre Paganini.
Jörg Allmeroth
Arbeiten seit beinahe 20 Jahren zusammen: Pierre Paganini (links) und Roger Federer. (Bild: Markus Stücklin/Keystone (Allschwil, 18. April 2003))

Arbeiten seit beinahe 20 Jahren zusammen: Pierre Paganini (links) und Roger Federer. (Bild: Markus Stücklin/Keystone (Allschwil, 18. April 2003))

Jörg Allmeroth

Roger Federer muss nicht lange nachdenken, wer auch für seine späten, herausragenden Karriereerfolge mitverantwortlich ist. «Ohne ihn wäre ich nicht hier», sagt Federer. Und meint damit seinen längsten Weggefährten, seinen treuen Begleiter und speziellen Experten für die körperliche Verfassung – Pierre Paganini. Wobei Federers Satz auch noch eine Hintergründigkeit hat, eine Doppeldeutigkeit: Ohne Paganini wäre er möglicherweise gar nicht mehr da, nicht mehr auf dem Tennisplatz, nicht mehr im schon vorgerückten Profialter von 36 Jahren. Und er wäre schon gar nicht so weit oben in der Hierarchie, trotz aller Genialität, trotz seines ganzen Centre-Court-Zaubers, trotz seiner Ideenkraft und Improvisationskunst. Unglaublich, aber wahr: An diesem Sonntag steht Federer, der Alterspräsident der Branche, in seinem bereits 30. Grand-Slam-Final, in Melbourne kämpft er gegen den Kroaten Marin Cilic um den 20. Titel. Und Pierre Paganini ist der Schattenmann, der hinter Federers Marathonmission im Welttennis steht. Der an erster Stelle dafür sorgte, dass er in fast zwei Jahrzehnten in der Tretmühle der Tour fast nie an ernsthaften Verletzungen litt – abgesehen von einem Bänderriss und einem Meniskusriss, der 2016 eine längere Pause notwenig machte. Doch sonst hatte Federer eben nicht nur Glück, wie oft behauptet wurde, sondern er hatte Paga­nini. Und damit einen Berater und Fitmacher, der auch zu den Allerbesten seines Fachs zählt.

«Ich kann selbst kaum glauben, was Roger wieder und wieder leistet», sagt Paganini, der asketisch wirkende Mann mit Glatze, ein Mann, der selbst nie Tennis spielte. Und der auch selten bei Federers Auftritten zum Team vor Ort gehört. Nur zwei ganz grosse Tennismomente erlebte der frühere Leichtathlet live mit, zwei wegweisende Triumphe im Nachhinein: 2009 sah er, wie Federer das jahrelange Trauma seiner vergeblichen French-Open-Anläufe überwand und sich zum ersten und bisher einzigen Mal den Roland-Garros-Titel sicherte. Und auch im vorigen Sommer war er Augen- und Zeitzeuge bei Federers historischer Wimbledon-Gala, bei der erfolgreich abgeschlossenen Rekordjagd zum achten Titel im grünen Tennisparadies.

Der erfolgreiche Masterplan

Ansonsten aber gilt: Wenn Federer zu einem Turnier fährt, ob es sich nun um einen kleineren Wettbewerb handelt oder um ein Masters oder einen Grand Slam, dann ist Paganinis Arbeit getan. Er muss sich nicht öffentlich darstellen, er muss sich nicht irgendwie im Rampenlicht zeigen oder um Schlagzeilen buhlen. Gemeinsam mit dem Fitness-Strategen hat Federer auch den Masterplan für die letzten Kapitel seiner unvergleichlichen Erfolgsgeschichte entwickelt – mit der Essenz, dass Federer nur noch das spielt, was körperlich vertretbar ist und was realistische Chancen auf Erfolg verspricht. 2017, in der Comeback-Saison, waren Federer und der mitlenkende Kopf Paganini dabei gnadenlos effizient. Federer war so weit entfernt von der sonstigen Pausenlos-Kultur im Wanderzirkus wie kaum ein Spieler zuvor, aber wenn er dann zu seinen Engagements fuhr, war er hellwach, fast immer auf den Punkt am Leistungslimit. Grand-Slam-Titel Nummer 18 und 19 gewann er, noch dazu fünf weitere Trophäen. Bis zum Abschlussturnier in London, der ATP-WM, hatte Federer gerade mal vier Spiele verloren.

Paganini gilt als Meister in der Disziplin, seine Schleiferprogramme nicht so knüppelhart erscheinen zu lassen, wie sie wirklich sind. Der 60-Jährige variiert die Übungen kunstvoll, in all der Routine kommt nie gefährliche, demotivierende Langeweile auf. «Er macht die Trainings so angenehm, wie sie eben nur sein können», sagte Federer jüngst der «New York Times», «was immer er mir sagt, mache ich. Ich vertraue ihm bedingungslos.» Paganini sagt, in den letzten Jahren habe sich das Programm weiterentwickelt, sei mehr denn je auf Federers Alter zugeschnitten: «Es geht darum, die Komplexität des modernen Tennis im Training zu simulieren. Wir arbeiten intensiv an der Koordinationsfähigkeit, an Geschwindigkeit, an Ausdauer, an der Athletik», so Paganini, «es geht oft auch nicht darum, superschnell zu sein, sondern die richtigen Bewegungen zu machen. Wir reden hier nicht über 100-­Meter-Läufer.»

Paganini hatte Federer immer eine lange Laufbahn vorhergesagt, bis weit in seine Dreissiger hinein. Nun, zu Saisonbeginn 2018, korrigiert sich der Fitmacher gern, er glaubt, dass Federer sogar noch mit 40 Jahren in der Spitze sein könnte. «Athletisch hätte ich da keine Bedenken», sagt er, «aber es ist die Frage, was der Mensch Federer will. Ob er das für richtig und gut hält? Das kann nur er entscheiden.»

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