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TENNIS: Der Maestro feiert magisches Comeback

Nach seiner Verletzungspause gewinnt Roger Federer seine Grand-Slam-Titel Nummer 18 und 19. Das kann selbst der Schweizer Superstar kaum glauben.
Albert Krütli
Holt 2017 zwei der vier Grand-Slam-Pokale: Roger Federer in Wimbledon (links) und beim Australian Open in Melbourne (rechts). (Bilder: John Walton und Lukas Coch/EPA)

Holt 2017 zwei der vier Grand-Slam-Pokale: Roger Federer in Wimbledon (links) und beim Australian Open in Melbourne (rechts). (Bilder: John Walton und Lukas Coch/EPA)

Albert Krütli

albert.kruetli@luzernerzeitung.ch

Sonntag, 29. Januar 2017. Melbourne. Endspiel des Australian Open. Im Traumfinal zwischen Roger Federer und Rafael Nadal steht es 6:4, 3:6, 6:1, 3:6, 5:3 und Vorteil für den Schweizer bei eigenem Service. Matchball. Federer sucht gleich die Entscheidung, seine präzise Vorhand ist für Nadal unerreichbar. Nur: War der Ball auf oder neben der Linie? Der Spanier verlangt das Hawk-Eye. Die zwei Protagonisten starren auf den grossen Bildschirm in der Rod-Laver-Arena. Wie Millionen von Tennisfans auf der ganzen Welt warten sie gespannt auf die Auflösung der Challenge – und: Der Ball klatschte noch auf die Linie, der nicht für möglich gehaltene Triumph ist perfekt.

Danach ist es um die Beherrschung des Schweizer Superstars geschehen: Er hebt zum Luftsprung ab, ballt die Faust und sinkt schliesslich mit einem lang gezogenen, lauten «Yeees!» zu Boden. Federer hat seinen 18. Major-Titel im Trockenen, nachdem er im fünften Satz 1:3 zurückgelegen ist, bei 5:3 zwei Breakbälle hat abwehren müssen und seinen ersten Matchball mit einem Doppelfehler vergeben hat – unüberbietbare Dramatik. Federer konnte seinen Erfolg kaum fassen. Auch später sagte der 36-Jährige immer wieder: «Es war der Hammer, der Kracher schlechthin. Es war jenseits aller Erwartungen, aller Hoffnungen, selbst aller Träume. Ich wache morgens manchmal auf, und dann frage ich mich: Ist es wirklich so passiert?»

Das Zitat des Jahres

Rückblick: 2016 hatte Federer mit hartnäckigen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Das Knie und der Rücken bereiteten ihm immer wieder Sorgen. Und so zog er nach dem Wimbledon-Aus im Halbfinal gegen Milos Raonic die Konsequenzen und verordnete sich eine Zwangspause. Sechs Monate nahm er sich Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen, um Körper, aber auch Geist aufzuladen. Das Hauptziel für 2017 legte er auf Wimbledon. Dort wollte der Magier seinen 18. Grand-Slam-Titel holen, auf den er seit viereinhalb Jahren wartete. Das Australian Open sollte lediglich eine erste Standortbestimmung auf dem Weg dorthin sein. Doch es kam ganz anders. Nach dem Comeback des Jahres sorgte der Serbe Novak Djokovic für das Zitat des Jahres. «Das war bereits der Sporthöhepunkt des Jahres. Und das über das Tennis hinaus», prophezeite der 12-fache Grand-Slam-Titelhalter voller Respekt und Bewunderung. Und er sollte Recht behalten, zumal Roger Federer gleich noch einen draufsetzte.

Sonntag, 16. Juli 2017. Wim­bledon. Endspiel des bedeutendsten Tennisturniers der Welt. Nach dem souveränen 6:3, 6:1, 6:4-Sieg gegen den Kroaten Marin Cilic stemmt Federer zum achten Mal den Wimbledon-Pokal in die Höhe – sein 19. Grand-Slam-Titel am magischsten Tennisort der Welt. Der perfekte Plan zum Wimbledon-Rekord ging auf. Federer und sein Team hatten dem unerwarteten Triumph beim Australian Open zum Trotz das ursprüngliche Ziel nie aus den Augen verloren. Und so verzichtete er auf das French Open, um ausgeruht und topfit in Wimbledon antreten zu können. Das Resultat liess sich sehen: Federer gab in sieben Einsätzen auf dem heiligen Rasen keinen einzigen Satz ab – neben ihm hat das nur noch der Schwede Björn Borg 1976 ­geschafft. Aber: Der Schweizer Rasenflüsterer holte den Titel als ältester Spieler in den Profizeiten von Wimbledon. «Es ist einer der grössten Tage meiner Karriere. Unvergesslich, unbeschreiblich, magisch», sagte Federer. Und: «Grosse Siege machen Hunger auf weitere grosse Siege.»

Wie zu seinen besten Zeiten

Diesen Hunger wollte der Grand-Slam-Rekordsieger bei den US Open stillen, dem letzten der vier Major-Turniere 2017. Es wäre sein 20. Titel gewesen, eine magische Zahl selbst für einen Magier. Doch Federer scheiterte im Viertelfinal am Argentinier Juan Martin del Potro. Die Experten waren sich einig, dass der Schweizer Superstar wohl auch in New York triumphierte hätte, wenn er beschwerdefrei gewesen wäre. Der Rücken bereitete ihm aber wieder Sorgen, und so holte Nadal in Abwesenheit der verletzten Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka nach Paris seinen 16. Grand-Slam-Titel.

Es war eine verrückte Saison, in der sich Roger Federer und Rafael Nadal die vier Titel aufteilten. Zusammen kommen sie jetzt auf 35 Grand Slams – eine unglaubliche Anzahl.

2017 knüpfte Roger Federer an seine besten Zeiten an: Er realisierte zwei Grand-Slam-Titel und fünf weitere Turniersiege, er hatte eine Siegquote von 91 Prozent (52 Siege, 5 Niederlagen), und der Baselbieter entschied die letzten fünf Duelle gegen Nadal für sich. Als Zückerchen einer nicht für möglich gehaltenen Saison durfte sich der Maestro zum siebten Mal als «Schweizer Sportler des Jahres» feiern lassen – auch das ein Rekord.

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