TENNIS: Der Vorhang geht im April wieder auf

Roger Federer kuriert immer noch seine Meniskusverletzung aus. Wie geht es weiter mit dem Superstar aus Basel?

Jörg Allmeroth
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Auf dem Eis ist faires und rücksichtvolles Verhalten gefragt: Unser Bild zeigt Michael Hügli, Zuger Elite-A-Junior. (Bild: Maria Schmid)

Auf dem Eis ist faires und rücksichtvolles Verhalten gefragt: Unser Bild zeigt Michael Hügli, Zuger Elite-A-Junior. (Bild: Maria Schmid)

JÖRG ALLMEROTH

Es war im mondänen Luftfahrtklub von Dubai, als sich Colm McLaughlin, der allgewaltige Vizepräsident des Turniersponsors Dubai Duty Free, jüngst noch einmal wehmütig über einen Vermissten äusserte: «Wir haben eine Riesenveranstaltung bei den Herren gehabt, mit Novak Djokovic als Champion», sagte McLaughlin, der Gebieter über das zollfreie Universum, «aber natürlich ist so ein Endspiel zwischen Novak und Roger Federer, so wie 2015, noch ein bisschen schöner. Ganz egal, wer dann gewinnt.»

Das Bedauern teilte der Duty-Free-Manager offenbar mit noch einigen anderen Menschen in der Übermorgenstadt am Arabischen Golf, denn anders als in den normalen Federer-Jahren, also bei den Turnieren mit dem Maestro, blieben an einigen Spielabenden ein paar Sitze frei – obwohl fast alle Sessions vorher lange ausverkauft waren. Federer, das muss man wissen, geniesst am Golf noch einmal ganz besondere Zuneigung, mit ihm ist das Turnier so richtig gross geworden, ist zu einem der stärksten unterhalb der Grand Slams und Masters aufgestiegen. Und Federer ist sozusagen in Dubai ein Heimspieler in der Metropole, in der er seit vielen Jahren ein luxuriöses Apartment besitzt.

Federer ist der Marathon-Mann

Die Dubai-Macher, aber nicht nur sie, erlebten in dieser Saison etwas sehr Ungewöhnliches – gleichzeitig aber auch schon einen Vorgeschmack auf die Zukunft. Federer ist ja ein Phänomen auf der Tennistour, einer, der in anderthalb Jahrzehnten fast gänzlich von schweren Verletzungen verschont blieb. Und der immer und überall startete, wieder und wieder. Jahr um Jahr. Keinen einzigen Grand Slam hat er so verpasst seit der Jahrtausendwende, und er hat diverse Rekorde der hartnäckigen Teilnahme an Turnieren aufgestellt, ein Marathon-Mann der ganz besonderen Qualität ist er.

Und nun, nach der Meniskusverletzung, ein ungewohntes Bild. Wettbewerbe, zu denen der Basler Federer fast immer hinfuhr und bei denen er zum Inventar gehörte – ohne ihn. Dubai, Indian Wells, Miami. Auch Rotterdam, wo er immer mal wieder startete. «Furchtbar leid» tue es ihm für die Veranstalter, liess Federer wissen, «aber da kann man nun nichts machen». Fakt ist aber auch: Die Turnierherren sahen, wie es bald sein wird, wenn ihr Publikumsmagnet, ihre grosse Attraktion und Zugmaschine Federer nicht mehr am Start und nur noch wohlverdienter Pensionär ist.

Comeback erfolgt in Monte Carlo

Gebibbert und gezittert haben viele mit Federer, auf dass die Blessur nicht zu schlimm sein möge und keine Starts in der heissen Saisonphase im Frühling und im Sommer gefährdet. Doch davon kann keine Rede sein, Federer gab diesbezüglich Entwarnung, postete rasch auch Bilder aus dem wieder aufgenommenen Trainingsbetrieb.

Schon lange vor der Tenniskarawane wird sich der Superstar jetzt auf den Weg nach Monte Carlo machen, wo er wieder in den Spielbetrieb zurückkehrt – zum Masters-Wettbewerb im Fürstentum ab 9. April.

Eigentlich hatte Federers rigorose Saisonplanung in diesem Olympiajahr gar keine Sandturniere ausser den French Open vorgesehen, doch dann warf die Verletzung dieses Konzept über den Haufen. «Ich brauche jetzt natürlich einiges an Spielpraxis», sagt Federer und hofft, schon im Country Club einige harte Duelle ausfighten zu müssen. Sollte das nicht gelingen, ist keinesfalls auszuschliessen, dass er noch ein weiteres Turnier auf Sand bestreitet. Allerdings wird sich an der Kernphase dieser Saison für ihn nichts ändern – und die beginnt mit den beiden Grasturnieren in Stuttgart und Halle und mit dem folgenden Grand-Slam-Höhepunkt in Wimbledon. «Das wird die wichtigste Zeit überhaupt», sagt Federer.

Oscar-Verleihung und Fasnacht

Indes: Auch Olympia steht im Fokus des alten Meisters, noch immer ist der Traum von der olympischen Einzelmedaille in Gold nicht ausgeträumt. Und auch nicht der Traum, zusammen mit Martina Hingis ein Goldduett im Mixed zu bilden. An vielen Stellen war Federer zuletzt als entspannter Zwangspausierer zu sehen. Am Rande der Oscar-Verleihung oder an einem NBA-Basketballspiel in Los Angeles etwa. Oder auch als Zaungast bei der Basler Fasnacht.

Doch alle warten darauf, dass er nun wieder in seine angestammte und beste Rolle zurückkehrt. Als Mann, der um die schönsten Pokale und Trophäen in der Tenniswelt kämpft. In Monte Carlo, Anfang April, öffnet sich der Vorhang wieder für ihn.

Roger Federers Turnierplan

9. April: Monte Carlo (ATP 1000, Sand)

23. Mai: Paris (Grand Slam, Sand)

6. Juni: Stuttgart (ATP 250, Gras)

13. Juni: Halle (ATP 500, Gras)

27. Juni: Wimbledon (Grand Slam, Gras)

25. Juli: Toronto (ATP 1000, Hart)

8. August: Rio de Janeiro (Olympische Spiele, Hart)

15. August: Cincinnati (ATP 1000, Hart)

29. August: New York (Grand Slam, Hart)

10. Oktober: Schanghai (ATP 1000, Hart)

24. Oktober: Basel (ATP 500, Hart)

31. Oktober: Paris (ATP 1000, Hart)

13. November (eventuell): London (ATP World Tour) Final mit den acht bestklassierten Spielern)