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TENNIS: Die Leiden der Top-Spieler

Mit den Australian Open nimmt die Saison ab Montag Fahrt auf und wird vor allem den Stars bis November kaum Pausen gönnen. Die Folge des dichten Programms ist eine lange Verletztenliste.
Jörg Allmeroth
Fällt noch mindestens vier Monate aus: Andy Murray. (Bild: Glenn Hunt/EPA (Brisbane, 1. Januar 2018))

Fällt noch mindestens vier Monate aus: Andy Murray. (Bild: Glenn Hunt/EPA (Brisbane, 1. Januar 2018))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Als das letzte Tennisjahr anfing, legte Federer das verblüffendste Comeback überhaupt hin, eine Rückkehr mit einem Grand-Slam-Sieg, die er selbst in kühnsten Träumen nicht hätte erwarten können. Ungewollt hatten Verletzung und Regenerationsphase dem 36-jährigen Virtuosen einen Weg aufgezeigt, wie sich selbst in seinem fortgeschrittenen Laufbahnalter noch höchste Ziele erreichen und weitere körperliche Beschwerden vermeiden lassen. Federers letzte Erfolgs­kapitel sind dieser Tage wieder Diskussionsgegenstand im Tennis-Wanderzirkus, aber nicht, um noch einmal die alten, neuen Loblieder auf den Schweizer Strategen zu singen.

Sondern um vor den am ­Montag beginnenden Australian Open klar zu machen, was Federer von vielen angeschlagenen Branchenstars trennt. Und welche Konsequenzen die diversen Tennis-Institutionen aus Federers Beispiel und der allgemeinen Verletzungsmalaise ziehen können. «Es ist ganz einfach so, dass die Topspieler zu viele Ver­pflichtungen haben», sagt Federers ewiger Gegenspieler Rafael Nadal, «man fühlt sich wirklich wie in einer Tretmühle.»

«Wir können gar nicht so viel behandeln»

Nadal plädiert wie andere Asse für mehr individuelle Freiheiten bei der Jahresplanung – und für weniger Zwangsauftritte. Allerdings weiss der Spanier auch um das Dilemma in der Branche. Denn seitdem sich das Interesse der Fans in den letzten Jahren immer mehr auf eine kleine Gruppe herausragender Könner konzentrierte, brauchen auch so viele Wettbewerbe wie nur irgend möglich diese Stars auf ihrem Centre Court. «Für viele Veranstalter geht die Rechnung nur auf, wenn die Spitzennamen dabei sind», sagt der frühere Australian-Open-Boss Paul McNamee.

Es ist kein Zufall, dass besonders die Top-30-Spieler von der fast krisenhaften Verletzungs­situation betroffen sind: Schliesslich sind sie es, die das schwerste, intensivste Jahresprogramm zu bestreiten haben. Zwar können sich viele Stars inzwischen ein ­üppiges Betreuungsteam leisten, auch Fitnesstrainer und persönlichen Physiotherapeuten, doch die stark angewachsene Intensität jedes einzelnen Spiels sorgt auf lange Sicht gleichwohl doch für höhere Verletzungsanfälligkeit. «Gerade im zweiten Halbjahr schleppen sich viele Spieler nur noch von Turnier zu Turnier. Oft sehnen sie sich einfach bloss nach der Ziellinie», sagt einer der bei der ATP angestellten Masseure, «wir können gar nicht so viel behandeln, wie wir wollen. Dafür reicht die Kapazität kaum aus.»

Wie fit sind Djokovic und Wawrinka?

Die langwierigen Verletzungen von Topcracks sind – in ihrer Zusammenballung – ohne Beispiel. Genauso wie die Tatsache, dass viele von ihnen selbst zum Start einer neuen Saison und trotz ­monatelanger Pause nicht wieder fit sind. Andy Murray, vor Jahresfrist noch die Nummer 1, wird in Melbourne fehlen, er wird nun nach einer Hüftoperation sogar mindestens noch vier, fünf weitere Monate zu pausieren haben. Novak Djokovic und Stan Wawrinka sind am Start, aber was kann ihnen zugetraut werden? Beide sind sich selbst unsicher, was die Schlagkraft in Melbourne angeht. Auch Stars aus der «Next Generation» klagen bereits über das dichte Programm, einer wie der Deutsche Alexander Zverev spürte im vergangenen Herbst «richtige Verschleisserscheinungen»: «Jedes Spiel tat irgendwie weh. Es war zu viel Tennis für mich.»

Melbourne, die Australian Open, ab Montag geht das Spektakel wieder auf vollen Touren los. Und erst Ende November endet es für die Allerletzten, die dann noch das Davis-Cup-Endspiel bestreiten dürfen – oder müssen. Pausen, längere Pausen können sich nur die sehr Privilegierten leisten, auch Federer gehört dazu. Zeit, dass auch andere mehr Eigenmächtigkeit entwickeln können über ihr Tennisleben.

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