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TENNIS: Die stoische Ruhe des Maestros

Roger Federer bestreitet am Dienstag bei den Australian Open seine Auftaktpartie. Die Favoritenrolle bereitet dem Titelverteidiger nicht die geringsten Probleme. Über den Formstand von Stan Wawrinka herrscht dagegen Ungewissheit.
Jörg Allmeroth
Strahlt Zuversicht aus: Roger Federer bei seiner Trainingseinheit. (Bild: Julian Smith/EPA (Melbourne, 14. Januar 2018))

Strahlt Zuversicht aus: Roger Federer bei seiner Trainingseinheit. (Bild: Julian Smith/EPA (Melbourne, 14. Januar 2018))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Der gedankliche Ausflug zurück zu den Australian Open ist ganz leichtes Spiel für den Maestro. «2017, hier in Melbourne, das war das Verrückteste, was mir jemals im Tennis passiert ist», sagt Roger Federer (36), «es wird schwer, das jemals zu übertreffen.» Wie auch? Federer kam aus einer knapp sechsmonatigen Verletzungspause, erwartete «gar nichts» von sich und von seiner Grand-Slam-Aufgabe – und als die beiden Wochen in Melbourne vorüber waren, da war er immer noch und auch wieder da. Als Champion, als Sensationsgewinner, als ultimativer Comeback-Mann. «Die Emotionen waren einfach überwältigend. Und selbst nach ein paar Wochen bin ich morgens immer noch aufgewacht und habe gedacht: Sorry, ist das wirklich wahr? Oder nur ein Traum», sagt Federer.

Aber doch, es stimmte alles. Überaus vortrefflich sogar. Jahrelang war er einem der vier Grand-Slam-Titel vergeblich hinterhergelaufen, ab und zu waren sogar Stimmen zu hören gewesen, seine grösste Zeit sei vorbei, er habe womöglich sogar den Moment des einigermassen idealen Absprungs verpasst. Und dann war Federer im denkbar unwahrscheinlichsten Moment wieder der König bei einem Major, ein Sieg, noch veredelt durch den Umstand, dass er sich über fünf harte, intensive, spannungs­geladene Sätze mit seinem ewigen Rivalen Rafael Nadal (31) um die Krone streiten musste. «Melbourne 2017, es wird immer einen besonderen Platz in meinem ­Herzen haben», sagt Federer.

Neue Perspektiven für seine Karriere

Nicht zuletzt auch deshalb, weil ihm dieser Sieg in vielerlei Hinsicht neue Perspektiven für seine späten Jahre der Karriere bot. Dazu zählte auch die Gewissheit, selbst nach langen, sehr langen Pausen wieder mit zupackender Schlagkraft ans Werk gehen zu können, mit Solidität, Sicherheit, Selbstbewusstsein und dem üblichen Esprit. «Das Turnier, das ganze Grand-Slam-Erlebnis damals, das waren Schlüsselmomente für mich», sagt Federer vor seinem jetzigen Turnierstart gegen den 28-jährigen Slowenen Aljaz Bedene, «es war eine der grossen Wegmarken als Profi.»

Federer kann seit jenem Grand-Slam-Auftakttriumph des vergangenen Jahres noch einmal entspannter und gelassener auf den Centre Court schreiten. Was er unbedingt wollte, was er mit aller Macht und Energie anstrebte, einen weiteren Grand-Slam-Sieg weit in seinen Dreissigern, hat er mit einem geradezu magischen Coup erreicht. Später kam dann auch noch Major-Titel Nummer 19 hinzu, als Roger Nimmersatt siegte er in seinem grünen Tennisparadies in Wimbledon – was soll ihm da noch der Druck anhaben können, über den sich traditionell jeder Spitzenspieler vor jedem Turnier äussert und ihn beklagt. «Ich bin ziemlich ruhig vor diesem Turnier jetzt», sagt Federer, «ich hatte sowieso noch nie ein Problem mit der Favoritenrolle. Vor allem, weil ich wusste, dass ich dann vorher gut gespielt hatte.» Gleichwohl wunderte sich Federer leicht ironisch darüber, dass «ein 36-Jähriger der absolute ­Titelkandidat sein soll. Ich fühle, dass das irgendwie nicht ganz richtig ist.»

Federer ist froh und zufrieden, dass er von weiteren Verletzungen verschont geblieben ist nach der fulminanten Rückkehr zum Saisonstart 2017. Gelegentlich plagte ihn das eine oder andere Zipperlein, aber es war nichts Ernsthaftes oder gar Bedrohliches. Für den vierfachen Familienvater zahlte sich aus, dass er seine Tennisengagements radikal ausdünnte und sich quasi auf Diät setzte, um im richtigen Moment, bei den Topturnieren, mit unverbrüchlicher Klasse und Energie auftrumpfen zu können. «Der beste Beweis war die lange Pause in der Sandplatzsaison und der anschliessende Sieg in London. Das hätte ich früher selbst für unmöglich gehalten», sagt Federer. Auch in diesem Jahr wird er auf einen schlanken Terminkalender setzen und nur das nötigste und dann auch effizienteste Programm bestreiten.

In Federers Auslosungshälfte befindet sich auch Landsmann Stan Wawrinka (32), der in letzter Minute seine Teilnahme im Grand-Slam-Theater von Melbourne bestätigte. Allerdings ist zweifelhaft, ob der Romand auch nur ein halbwegs erfolgreiches Comeback nach Federers Drehbuch wird schreiben können – zu ungewiss ist, wie der dreimalige Grand-Slam-Champion herausfordernde Matches über drei Gewinnsätze überstehen wird. Zunächst trifft der Turniersieger des Jahres 2014 auf den Litauer Ricardas Berankis (ATP 138). «Ich bin überzeugt, dass ich ein paar Partien gewinnen kann», sagt Wawrinka, «sonst würde ich hier gar nicht starten.» Vor Melbourne hatte Wawrinka allerdings alle Engagements bei Turnieren und Schaukämpfen absagen müssen.

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