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TENNIS: Djokovics unerfüllter Traum in Paris

Novak Djokovic ist unangefochten die Nummer 1 der Weltrangliste. Elf Grand-Slam-Titel stehen auf dem Konto des Serben. Nur der Sieg beim heute beginnenden French Open fehlt ihm noch.
Jörg Allmeroth, Paris
7. Juni 2015 in Paris: Novak Djokovic (links) war nach der Finalniederlage gegen den Schweizer Stan Wawrinka «am Boden zerstört», wie sein Trainer Boris Becker erzählt. (Bild: Getty/Dan Istitene)

7. Juni 2015 in Paris: Novak Djokovic (links) war nach der Finalniederlage gegen den Schweizer Stan Wawrinka «am Boden zerstört», wie sein Trainer Boris Becker erzählt. (Bild: Getty/Dan Istitene)

Jörg Allmeroth, Paris

Boris Becker kann sich noch ziemlich genau an die Tage nach dem French-Open-Endspiel des letzten Jahres erinnern. Es waren die Tage, an denen er als Trainer von Novak Djokovic vor seiner grössten Herausforderung stand. «Er war total niedergeschlagen nach der Niederlage gegen Stan Wawrinka, am Boden zerstört», sagt der Deutsche, «in seiner ersten Enttäuschung wollte er sogar nicht in Wimbledon antreten.» Es habe eines «gemeinsamen Kraftakts» aller Trainer und Vertrauten Djokovics bedurft, so Becker, «um ihn wieder aufs Gleis zu stellen und diesen Frust wegzuschieben».

Noch sind die Grand-Slam-Festspiele im roten Sand ein Schauplatz der Tränen für Djokovic, ein Ort, der für einen unerfüllten Traum steht. Und auch für das letzte ungelöste Rätsel in dieser grandiosen Karriere. Wenn Djokovic und Becker in die Roland-Garros-Mission der Saison 2016 gehen, dann verbindet sie immer noch eine unschöne Gemeinsamkeit – nämlich alle Majors ausser dem von Paris gewonnen zu haben. «Es ist natürlich eines der grössten Saisonziele. Ich will endlich diesen Pokal gewinnen», sagt Novak Djokovic, der heute in Paris seinen 29. Geburtstag feiert, «aber ich jage dieses Ziel nicht mit Verbissenheit.»

Tränenreiche Ansprache

Djokovics Verbitterung vor zwölf Monaten war verständlich. Nach sechs Pariser Niederlagen gegen Matador Rafael Nadal, zweimal im Final, viermal im Halbfinal, schlug der Capitano der Branche den Mallorquiner erstmals unterm Eiffelturm, nur um dann im Final am schlagmächtigen und nervenstarken Wawrinka zu scheitern. Der Branchenbeste gewann zwar richtig Sympathien des eigenwilligen Pariser Publikums, als er in einer tränenreichen denkwürdigen Centre-Court-Ansprache seine Liebe zu Roland Garros beteuerte – und seinen glühenden Wunsch, «an diesem legendären Ort auch einmal als Sieger stehen zu können». Doch dann stürzte der «Djoker» kurz ins tiefe schwarze Loch, ein entgeisterter Verlierer, der nicht verstehen konnte, was und wie ihm geschehen war. «Es waren die schlimmsten Momente meiner Karriere», sagt Djokovic.

Es war im Nachhinein auch der einzige Sieg, der ihm zur perfekten Saison fehlte. Djokovic gewann alle drei anderen Grand-Slam-Turniere (Australian Open, Wimbledon, US Open), er gewann die wichtigsten Masters-Turniere, und schliesslich holte er sich mit selbstverständlicher Leichtigkeit auch noch die ATP-WM-Krone in London zum Jahresabschluss. In der Weltrangliste führte er mit dem grössten Vorsprung, den ein Profi jemals auf die Nummer 2 angehäuft hatte, in diesem Fall war die Nummer 2 Roger Federer – der Einzige, der über Wochen und Monate noch halbwegs Schritt halten konnte mit dem Boss aus Belgrad.

Die Niederlage gegen Murray

Auch 2016 hat Djokovic wieder die Rolle des unbarmherzigen Dominators eingenommen mit Siegen bei den Australian Open, in Miami, Indian Wells, Madrid und Doha. Die einzig gravierende Niederlage erlitt er beim letzten wichtigen Vorbereitungsturnier in Rom gegen Andy Murray, die allerdings auch den Tücken des Terminplans geschuldet war. Ausgezehrt von der Halbfinal- Strapaze am späten Samstagabend gegen den Japaner Nishikori, hatte selbst Fitnessweltmeister Djokovic nicht mehr viel im letzten Duell zuzusetzen. Ein Rückfall für Paris war diese Niederlage nicht.

Druck, das Gefühl des Verfolgtseins durch die hetzende Meute – das ist nichts Neues, sondern etwas sehr Alltägliches für Djokovic. Schliesslich führt er nun schon rund drei Jahre die Weltrangliste an. Aber Paris ist eben stets ein aussergewöhnlicher Moment der Wahrheit, der Bewährung für ihn, dieses verfluchte, verflixte Turnier, das er noch nicht als Gewinner verlassen konnte. Djokovic würde gewiss nicht so weit gehen wie Agassi, der Roland Garros einmal als «Monster» bezeichnete, dem er den Kopf abschlagen müsste. Aber zu viele Albträume hat Djokovic in den letzten zehn Jahren nun schon erlebt, als dass er mit der üblichen Souveränität, Gelassenheit und Selbstgewissheit an den Start gehen würde. «Man muss sich nichts vormachen: Es ist natürlich auch ein Spiel der Nerven», sagt Djokovic, «es geht um sieben Siege – ganz egal wie.»

Wen er dabei schlagen müsse bei seinem zwölften Pariser Anlauf, sei ihm «egal», sagt Djokovic, «ich bin aber auf alles gefasst.» Auch wieder auf Murray, seinen Altersgenossen, den plötzlichen Sand-Liebhaber. Auf Wawrinka, den Titelverteidiger. Und auch auf Nadal, den König von Paris, seinen langjährigen Spielverderber, der mit neun Titeln der French-Open-Rekordsieger ist. Djokovic ist trotzdem der Favorit. Aber welche Spuren alle vergeblichen Anläufe zum Ruhm in Roland Garros hinterlassen haben, ist eine ganz andere Sache. Eine Unbekannte in Djokovics eigener Rechnung.

Wichtigste Startpartien

Djokovic (SRB/1) - Yen-Hsun (TPE)

Murray (GBR/2) - Stepanek (CZE/Q)

Wawrinka (SUI/3) - Rosol (CZE)

Nadal (ESP/4) - Groth (AUS)

Nishikori (JPN/5) - Bolelli (ITA)

Tsonga (FRA/6) - Struff (GER/Q)

Berdych (CZE/7) - Pospisil (CAN)

Raonic (CAN/8) - Tipsarevic (SRB)

Federer (SUI) fehlt (Rückenverletzung)

Teil des Establishments: Timea Bacsinszky. (Bild: AP/Vincent Thian)

Teil des Establishments: Timea Bacsinszky. (Bild: AP/Vincent Thian)

Zweite Schweizerin in Paris: Viktorija Golubic. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

Zweite Schweizerin in Paris: Viktorija Golubic. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)

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