Tennis
Dominic Stricker überflügelt Roger Federer und steht in Stuttgart in den Viertelfinals, er sagt: «Das ist mein grösster Sieg»

Dominic Stricker (18) bezwingt beim Rasenturnier in Stuttgart mit dem Polen Hubert Hurkacz (24) erstmals einen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste und steht bereits in den Viertelfinals.

Simon Häring
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Der Aufstieg von Dominic Stricker geht unvermindert weiter.

Der Aufstieg von Dominic Stricker geht unvermindert weiter.

Hansjürgen Britsch / www.imago-images.de

Im Herbst triumphierte er in der Junioren-Konkurrenz der French Open, im März gewann er in Lugano sein erstes Profi-Turnier, im Mai erreichte er bei seinem ATP-Debüt in Genf nach Siegen gegen den Grand-Slam-Sieger Marin Cilic und Marton Fucsovics die Viertelfinals und nun steht Dominic Stricker bei seinem Rasendebüt in Stuttgart erneut in den Viertelfinals. Mit dem Polen Hubert Hurkacz (24, ATP 20) besiegte er nicht nur die Nummer zwei der Setzliste, sondern auch erstmals einen Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste: 7:6 (7:5), 7:6 (7:5) lautete das Verdikt. Dabei machte der erst 18-jährige Berner im zweite Satz gegen den Sieger des Masters-Turniers in Miami einen Breakrückstand und im Tiebreak einen 0:3-Rückstand wett.

Besonders beeindruckend ist Strickers Abgeklärtheit. Er hat inzwischen fünf Tiebreaks auf der ATP-Tour bestritten - und allesamt gewonnen. Er sagt: «Schwierig zu sagen, weshalb das so ist. Aber ich habe sicher nichts zu verlieren und kann frei aufspielen, das hilft. Meine Gegner spüren den Druck hingegen.» Obwohl er in Genf mit Marin Cilic die frühere Nummer 3 der Welt besiegte, die 2014 die US Open gewann und auch in Wimbledon und bei den Australian Open schon im Final stand, bezeichnet Stricker den Erfolg gegen Hurkacz, den Miami-Sieger dieses Jahres als wichtigsten Sieg seiner Karriere. Er sagt: «Das werde ich nie vergessen. Er ist ein unglaublicher Spieler. So richtig realisiert habe ich noch nicht, was passiert ist.»

Nächste Hürde: Rasenspezialist Sam Querrey

Strickers Gegner in den Viertelfinals ist Sam Querrey (33, ATP 67). Der 1,98 Meter grosse Amerikaner war einst die Nummer 11 der Welt. 2016 schaltete Querrey in Wimbledon Titelverteidiger Novak Djokovic aus, im Jahr darauf erreichte er die Halbfinals. Stricker sagt: «Mal schauen, ob ich es schaffen werde, ihm den Aufschlag einmal abzunehmen.» Für ihn ist die ATP-Tour immer noch eine neue Erfahrung. «Ich geniesse es immer noch sehr und freue mich, dass es so gut läuft», sagt Stricker, der nun in Terminnot geraten könnte. Denn er hat für die Qualifikation beim ATP-Turnier in Halle von kommender Woche eine Wildcard erhalten. Die Qualifikation beginnt am Samstag. Dann werden in Stuttgart die Halbfinals gespielt.

Rasenspezialsist Sam Querrey ist Strickers nächster Gegner.

Rasenspezialsist Sam Querrey ist Strickers nächster Gegner.

Foto: Christophe Ena / AP

In Halle tritt auch Roger Federer an, mit dem Stricker schon öfter trainiert hat, aber noch nie auf Rasen. «Ich freue mich, wenn ich vielleicht in Halle mit ihm auf den Platz kann. Ich bin gespannt, wie er auf Rasen spielt.»

Stricker Exploit auf Rasen kommt auch deshalb überraschend, weil er zum ersten Mal seit zwei Jahren und dem Junioren-Turnier von Wimbledon wieder ein Turnier auf dieser Unterlage bestreitet. Im letzten Jahr war die Rasensaison der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Vorbereitet hatte sich Stricker in Biel mit seinem Doppel-Partner Marc-Andrea Hüsler. Dort betreibt der Tennisclub Champagne in den Sommermonaten auf der Gurzelenwiese, die früher Heimspielstätte des FC Biel war, die einzigen in der Schweiz frei zugänglichen Rasenplätze. Vielleicht geht die Rasensaison für Stricker aber auch nach Halle noch weiter und der junge Berner kommt bereits im Juni zu seinem Grand-Slam-Debüt. Er sagt: «Wimbledon ist noch im Gespräch. Es ist noch nicht sicher, ob ich dort spielen kann.»

Hoffnung auf Grand-Slam-Debüt in Wimbledon

Trainingspartner: Roger Federer und Dominic Stricker 2020 in Dubai.

Trainingspartner: Roger Federer und Dominic Stricker 2020 in Dubai.

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Strickers Aufstieg in die Weltspitze geht unaufhaltsam weiter. Mit seinem Sieg in der ersten Runde hatte er sogar Roger Federer überflügelt. Dieser war bei seinem ersten Sieg auf Rasen im Jahr 2000 in Halle 18 Jahre und 10 Monate alt - und damit einen Monat älter als der Berner, der in Genf auch zum jüngsten Schweizer Viertelfinalisten bei einem ATP-Turnier seit Federer 2000 in Kopenhagen avancierte. Anfang Jahr lag Stricker in der Weltrangliste noch im 1168. Rang, nun stösst er bereits in die Top 300 vor - in die Region um Position 289. Stösst er in Stuttgart in die Halbfinals vor, könnte der Linkshänder bei den US Open die Qualifikation bestreiten. Voraussetzung dafür ist eine Platzierung in den Top 250 der Weltrangliste.