Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

TENNIS: Dramatisches Generationenduell: Federer behält knapp die Oberhand

Roger Federer ringt in Miami Youngster Nick Kyrgios nach über drei Stunden im entscheidenden Tiebreak nieder. Die Final-Affiche gegen Rafael Nadal (heute 19.10 Uhr, SRF zwei) zeigt: Noch gehört die grosse Bühne den Arrivierten.
Nick Kyrgios (links) gegen Roger Federer (rechts): das Enfant terrible gegen den Gentleman. (Bild: Wilfredo Lee/AP (Key Biscayne, 31. März 2017))

Nick Kyrgios (links) gegen Roger Federer (rechts): das Enfant terrible gegen den Gentleman. (Bild: Wilfredo Lee/AP (Key Biscayne, 31. März 2017))

Zwei Wochen verzögert kam es also doch noch dazu. Roger Federer (35) gegen Nick Kyrgios (23). Der Altmeister gegen den Youngster. Der Gentleman gegen das Enfant terrible. Statt Mitte März im Viertelfinal von Indian Wells stieg das Duell der beiden Gegensätze nun im Halbfinal von Miami. Federer behielt mit 7:6 (11:9), 6:7 (9:11), 7:6 (7:5) hauchdünn die Oberhand.

Das Generationenduell versprach nicht zu viel. Es war an Dramatik kaum zu überbieten, bot Unterhaltung in allerlei Hinsicht. Kyrgios, der Ende April seinen 24. Geburtstag feiert, deutete an, dass er wohl ganz kurz vor dem Durchbruch in die absolute Elite steht. In den drei Stunden zeigte er alle Facetten seines Spiels und seiner Persönlichkeit. «Er hat enormes Talent und diese verrückte Seite an sich. Du weisst nie, was als Nächstes kommt», sagte Federer hinterher nicht zum ersten Mal.

Zwischen Genie und Wahnsinn

Stets wandelte der Australier zwischen Genie und Wahnsinn. Die Gratwanderung gelang ihm gut. Er fluchte, legte sich mit dem Publikum an, schmiss mehrmals das Racket – ohne darob den Faden zu verlieren. Er bewies Humor, als er wegen Zeitverzögerung ermahnt wurde, Fairness, indem er den Schiedsrichter zu seinen Ungunsten korrigierte.

Aber vor allem spielte er grosses Tennis, passierte den 35-jährigen Altmeister mit einem «Tweener» zwischen den Beinen hindurch, hämmerte bei den Big Points seine knallharten Aufschläge zentimetergenau ins Feld, überraschte einige Male mit zweiten Aufschlägen über 200 km/h, dann wieder mit einem nur knapp über 100 km/h. Kopierte einmal den von Federer erfundenen «Sabr», retournierte Federers Service frühestmöglich und stürmte ans Netz.

Kyrgios zeigte, dass er einer für die speziellen Momente sein kann, für grosse Spiele auf der grossen Bühne. Ihm könnte die Zukunft gehören. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er und sein Viertelfinalgegner, der Deutsche Alexander Zverev (19), einst in Federers und Nadals Fussstapfen treten werden.

Die Renaissance der Totgesagten

Die Gegenwart aber gehört in Miami noch einmal den beiden prägendsten Figuren der letzten 15 Tennisjahre, den Arrivierten. Zum 37. Mal duellieren sie sich heute (19.10 Uhr, SRF zwei). Rafael Nadal, der im Direktvergleich klar führt (23:13), kann in Florida eine späte Revanche nehmen für den verlorenen Final vor zwölf Jahren. Er könnte nach vier Finalnieder­lagen seit 2005, jeweils im Abstand von drei Jahren, doch noch reüssieren am 1000er-Turnier, das in seinem Palmarès noch fehlt. 2005, als im Final noch auf drei Gewinnsätze gespielt wurde, unterlag er Federer nach einer 2:0-Satzführung.

Nach dem Marathonmatch gegen Kyrgios erwähnte Federer wie schon nach den ebenfalls umkämpften Spielen gegen Roberto Bautista Agut und Tomas Berdych seine müden Beine. Er ist 35, bräuchte mehr Erholung, speziell nach der siebenmonatigen Wettkampfabsenz bis zum Jahreswechsel. Betrachtet man aber das Gesamtbild, lässt sich sagen: So fit, so beschwerdefrei waren Federer, mit 18 Titeln Grand-Slam-Rekordsieger, und der 30-jährige Nadal, 14-facher Grand-Slam-Sieger, seit Jahren nicht mehr.

Sie, die Alten, räumen das Feld nicht kampflos, machen den zweiten von drei grossen Titeln des Jahres unter sich aus. Wer die beiden schon totgesagt hat, erlebt deren eindrückliche Renaissance. Federer jagt seinen 91., Nadal seinen 70. Turniersieg auf der Tour. Beide stehen 2017 zum dritten Mal in einem Final.

«Das wird ein ganz anderes Spiel», prophezeite Federer nach dem Triumph gegen Kyrgios, «wir spielen am Tag, es windet mehr, er ist Linkshänder.» Nadal hatte in seinem Halbfinal gegen den Italiener Fabio Fognini (ATP 40) keine Schwierigkeiten bekundet und sich klar in zwei Sätzen durchgesetzt.

Die Tennisfans können sich freuen. Auf so hohem Niveau massen sich Federer und Nadal, die zwei erfolgreichsten Spieler der Neuzeit lange nicht mehr. Fast ist es, als ­hätte jemand die Zeit zurückgedreht. (sda)

Miami, Florida

ATP-Masters-1000- und WTA-Premier-Turnier (13,99 Mio. Dollar/Hart). Männer. Zweiter Halbfinal: Federer (SUI/4) s. Kyrgios (AUS/12) 7:6 (11:9), 6:7 (9:11), 7:6 (7:5). – ­Final, heute (19.10 Uhr, SRF 2): Federer (4) – Nadal (5).

Frauen. Final: Konta (GBR/10) s. Wozniacki (DEN/12) 6:4, 6:4.

Doppel. Zweiter Halbfinal: Mirza/Strycova (IND/CZE/3) s. Chan/Hingis (TPE/SUI/5) 6:7 (6:8), 6:1, 10:4.

epa05881919 Roger Federer of Switzerland reacts against Nick Kyrgios of Australia during a semifinal round match at the Miami Open tennis tournament on Key Biscayne, Miami, Florida, USA, 31 March 2017. EPA/ERIK S. LESSER (Bild: ERIK S. LESSER (EPA/EPA))

epa05881919 Roger Federer of Switzerland reacts against Nick Kyrgios of Australia during a semifinal round match at the Miami Open tennis tournament on Key Biscayne, Miami, Florida, USA, 31 March 2017. EPA/ERIK S. LESSER (Bild: ERIK S. LESSER (EPA/EPA))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.