TENNIS: Ein Auftakt, der Wawrinka Mut macht

Stanislas Wawrinka hat die erste Runde an den French Open praktisch ohne Probleme überstanden. In der zweiten Runde erwartet den Romand wohl eine knifflige Aufgabe.

Jörg Allmeroth
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Stan Wawrinka hat sein Erstrundenspiel in Roland Garros gewonnen. (Bild: Etianne Laurent/EPA (Paris, 30. Mai 2017))

Stan Wawrinka hat sein Erstrundenspiel in Roland Garros gewonnen. (Bild: Etianne Laurent/EPA (Paris, 30. Mai 2017))

Es ist inzwischen schon zum Gewohnheitsbild in der Tenniswelt geworden, dass die Topstars vor einem Grand-Slam-Spektakel keine direkten Vorbereitungsturniere mehr bestreiten. Es gibt stattdessen allerlei belanglose Showkämpfe, sogenannte Aufwärmevents ohne Wettkampfstress, aber auch ohne Gewicht. Stan Wawrinka allerdings ging für die French Open im letzten und in diesem Jahr seine eigenen Wege, er durchbrach die üblichen Rituale, er trat mit gewissem Stolz beim Turnier in Genf an, er sagte dazu nur kurz und bündig: «Ich spiele hier, weil es mein Zuhause ist.» Und, so könnte man ergänzen, weil Wawrinka eine Verpflichtung spürte, den Machern dieses Turniers vor der Haustür zu helfen, sie zu unterstützen.

Es störte Wawrinka schon im letzten Jahr nicht im geringsten, dass er als Sieger von Genf auch als letzter der Weltstars in Paris ankam, auf den allerletzten Drücker quasi – damals rückte der kantige, kraftvolle Romand immerhin bis in den Halbfinal vor, setzte bei der Mission Roland-Garros-Titelverteidigung seine Akzente. Und auch in der laufenden Konkurrenz, bei seinem Startmatch am Dienstag, zeigte sich Wawrinka in guter Verfassung, der zweite Titellauf in Genf hatte keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

Ukrainer Dolgopolow ist nächster Gegner

«Es war ein Auftakt, der Mut macht. Ich bin wirklich zufrieden. Aber klar ist auch: Ich muss mich weiter steigern, ich werde mich auch noch steigern», sagte Wawrinka nach dem 6:2, 7:6 (8:6), 6:3-Sieg über den slowakischen Qualifikanten Jozef Kovalik. Formvollendet, mit einer krachenden Longline-Rückhand – Marke «Schlag des Tages» – schloss der 32-Jährige seinen ersten Auftritt bei dieser 2017er-Auflage der Internationalen französischen Meisterschaften ab.

Nun wartet in Runde 2 eine vermutlich kniffligere Aufgabe – gegen den unberechenbaren Ukrainer Alexander Dolgopolow.

Rücklage im Tiebreak des zweiten Satzes

Wer nach einem wegweisenden Moment in dieser Partie zwischen Mitfavorit und Ex-Champion Wawrinka sowie dem namenlosen Aussenseiter Kovalik suchte, war schnell beim Tiebreak des zweiten Satzes. In dieser Glückslotterie führte der Slowake schon mit 6:3, doch er sollte dann keinen einzigen Punkt mehr erringen – erst glich Wawrinka Punkt für Punkt zum 6:6 aus, dann holte er sich zwei weitere Zähler zum 8:6 und zur schliesslich vorentscheidenden 2:0-Satzführung. Wawrinkas Spiel war, im Grossen und Ganzen, solide und konzentriert. Was ihn auszeichnete, einmal mehr, war die Durchschlagskraft bei den wichtigen Punkten, auch im besagten Tiebreak.

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch