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TENNIS: Ein Leben voller Skandale

Dschungelcamp statt Weltkarriere: Der beispiellose Abstieg des grossen Talents Bernard Tomic. Der Australier fällt auf durch krasse Wortmeldungen und schwache Tennisvorstellungen.
Jörg Allmeroth
Bernard Tomic hat derzeit wenig Grund, zu feiern. (Bild: EPA/Julian Smith ()

Bernard Tomic hat derzeit wenig Grund, zu feiern. (Bild: EPA/Julian Smith ()

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

In der Grand-Slam-Pampa, weit draussen auf einem der Nebenplätze der Australian Open, wollte Bernard Tomic unbedingt noch das letzte Wort haben. Gerade war der 25-jährige Australier in der letzten Qualifikationsrunde für sein Heim-Major ausgeschieden, in drei Sätzen gegen den Italiener Lorenzo Sonego, da konnte er einem kurzen TV-Interview bei Channel Seven partout nicht widerstehen. Was er nun mache, nach diesem niederschmetternden Ergebnis in Melbourne, wollte die Reporterin von Tomic wissen. Der überlegte nicht lange, bis er die notorische Replik zum Besten gab: «Ich werde jetzt meine Millionen zählen.» Rumms, das sass mal wieder.

Aber es war auch nichts Neues aus dem Munde eines jungen Mannes, der sich einst selbst als eine Art neuer Messias der Tenniswelt ankündigte, als Mischung aus Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal. Der, ohne mit der Wimper zu zucken, in die Mikrofone sprach, er werde «sicher einmal alle vier Grand Slams gewinnen und die Nummer eins sein». Was allerdings aus ihm geworden ist, das ist, Stand Anfang Februar 2018, dies: ein von Affären und Skandalen umgebener Mittzwanziger, der in der Weltrangliste weit aus den Top 100 her­ausgerutscht ist und unaufhaltsam immer weiter in die Tiefe rauscht. Gerade erst erlebte die Saga um die Tennis-Skandalfigur einen neuen Tiefpunkt, als Tomic für einige Tage an der australischen Version des «Dschungelcamps» teilnahm, nach wenigen Tagen aber als erster Mitwirkender überhaupt je die unrühmlichen Worte sprach «Ich bin ein Star, holt mich hier raus.» Viel schlimmer, so schien es ehemaligen Freunden und Weggefährten Tomics, konnte es gar nicht mehr werden für den einstigen Weltranglisten-Siebzehnten: «Ich hoffe, er nimmt sich professionelle Hilfe. Er braucht Unterstützung, um aus dieser Lage herauszukommen», sagte Profi John Millmann, der dieser Tage in Brisbane mit dem australischen Davis-Cup-Team in der ersten Runde gegen Deutschland antritt.

In Wimbledon hat er sich gelangweilt

Eigentlich müsste Tomic auch dort sein, bei den besten australischen Tennisspielern, beim Länderspiel gegen Zverev und Co. Tomic hätte das Zeug zum Supermann der Branche gehabt, darin sind sich die Orakel der Branche lange Zeit einig gewesen. Allerdings gab es später auch keine zwei Meinungen darüber, dass Tomic schnell und zielsicher seine verheissungsvolle Karriere im Selbstzerstörungsmodus aus den Angeln hob. Seine berufliche Vita ist nicht mit Titeln und Trophäen gepflastert, sondern mit Affären und Skandalen ohne Ende. Eins der schlimmsten und peinlichsten Kapitel in seiner düsteren Tennis-Chronik spielte sich dabei ausgerechnet in Wimbledon ab, letztes Jahr war das, im Erstrunden-Match gegen Mischa Zverev. Tomic verlor die Partie, wie so oft in seiner Karriere, komplett demotiviert, nicht umsonst nennt man ihn daheim in Australien ja «Tomic the Tank», also Tomic, den Abschenker und Lustlosen. Aber erst die Pressekonferenz danach machte sein Gastspiel in Londons Südwesten zur Staatsaffäre. Er sei «gelangweilt da draussen» gewesen, gab der 25-Jährige zu Protokoll, «ich spüre keine Motivation. Es ist einfach nichts da. Ich spiele sicher noch ein paar Jahre. Danach muss ich nie wieder arbeiten.» Auf Rückfragen versicherte er dann noch: «Es ist mir im Moment egal, ob ich in der ersten oder vierten Runde ausscheide. Es gibt mir keine Befriedigung.»

Es war allerdings, schon damals in Wimbledon, nur eine besonders bizarre Episode in Tomics verkrachter Existenz – an einem berühmten Tennis-Schauplatz. Abseits der Courts war der Berufsspieler sogar auch wiederholt mit der Polizei in Konfrontation geraten, daheim an der australischen Goldküste wurde ihm wegen mehrerer Geschwindigkeitsverstösse bereits einmal der Führerschein entzogen. Selbstbewusst, scheinbar jedenfalls, trat er gleichwohl auf: «Wissen Sie eigentlich, wer ich bin?», fragte er einen Ordnungshüter, der ihm wegen eines Ruhestörungsdelikts nahegekommen war. Auch in Miami mochte es Tomic laut, sehr laut sogar. Dort setzte ihn die Ordnungsmacht fest, weil er in einer 9400 Dollar teuren Suite einer Fünf-Sterne-Herberge die Lautsprecher viel zu weit aufgedreht hatte. Ein australischer Twitter-Nutzer beschrieb Tomics Verhalten mit ätzender Schärfe damals so: «Wenn ihm jemand den Status als Australiens Vollidiot Nummer eins streitig machen will, schaltet Tomic einen Gang höher.»

Vater wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt

Tomic wurde 1992 in Stuttgart geboren, nachdem seine Eltern vor den Kriegswirren auf dem Balkan in Richtung Deutschland geflohen waren. Bald zog die Familie aber weiter nach Australien, fand dort eine Heimat. Früh in seiner Zeit als Tennisspieler schimmerten vertraute familiäre Probleme auf, Tomics Papa John entpuppte sich als einer der berüchtigten Tennisväter – sogar als Mann mit gewalttätigen Neigungen, es blieb keinesfalls nur bei den üblichen Streithänseleien. 2013 verurteilte ihn ein Madrider Gericht sogar zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe, weil er den französischen Trainingspartner des Sohnes, Thomas Drouet, tätlich angegriffen und ihm das Nasenbein gebrochen hatte. Drouet berichtete damals vor Gericht, Tomic senior habe ihn jahrelang «wie einen Hund behandelt». Beim Deutschen Tennis-Bund waren Funktionäre da jedenfalls mehr als froh, dass sich frühere Verhandlungen mit Tomics Clan über einen Wechsel ins deutsche Davis-Cup-Team zerschlagen hatten.

Tomic junior liess gerade nach seinem Abschied aus dem Dschungel noch den Blätterwald Down Under rauschen, als er den australischen Verband der Korruption bezichtigte – jenen Verband, der ihn zuletzt nicht mit einer Wild Card für die Australian Open beschenkt hatte. Lleyton Hewitt, einige Zeit der vergebliche Mentor des Radau­bruders, sprach daraufhin das Offensichtliche aus: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Bernard Tomic noch einmal in der Davis-Cup-Auswahl sehen. Ich glaube, er hat auch grosse mentale Probleme.» Worauf Tomic, der Mann für das letzte starke Wort, zurückgab: «Ich war nie in einem zerbrechlichen Zustand. Ich war einer der weltbesten Tennisspieler. Schaff das mal, wenn du nicht mental stark bist.»

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