TENNIS: Ein Spiel fürs Selbstvertrauen

Nach seinem ungefährdeten Sieg in der 3. Runde trifft Roger Federer in der Nacht auf Dienstag (1 Uhr/SRF zwei) im Achtelfinal auf Philipp Kohlschreiber. Die körperlichen Beschwerden aus den ersten Partien seien verflogen, sagt der Baselbieter.

Jörg Allmeroth, New York
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Roger Federer hat am US Open Fahrt aufgenommen. (Bild: Jason Szene/EPA (New York, 2. September 2017))

Roger Federer hat am US Open Fahrt aufgenommen. (Bild: Jason Szene/EPA (New York, 2. September 2017))

Jörg Allmeroth, New York

sport@luzernerzeitung.ch

Es war eine jener elektrisierenden New Yorker Nächte, ein Match mit Samstagabendfieber im grössten Tennisstadion der Welt. Und auch wenn die grosse Show mit fast drei Stunden Verzug begann, herrschte ausgelassene und euphorische Stimmung rund um die Zentralfigur der Nacht – um Roger Federer. Zwei US-Open-Spiele lang sah er nur wie eine leicht blasse Kopie seiner selbst aus, der 36-jährige Tennisgenius, doch in seinem Drittrundenduell mit dem Spanier Feliciano Lopez war er in gewohnter Stärke auf dem Center Court unterwegs. 6:3, 6:3 und 7:5 siegte Federer vor 24 000 begeisterten Fans, und er siegte auch gegen manche eigene und viele öffentliche Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit und Durchschlagskraft.

«Es war genau das Spiel, das ich brauchte. Ich fühle mich jetzt viel besser, gehe gestärkt in den Rest des Turniers.» Für Federer setzt sich nun die Serie von Matches gegen Kollegen fort, gegen die er noch nie in seiner Karriere verloren hat – nach Juschni (17:0) und Lopez (13:0) folgt nun der Vergleich mit dem Deutschen Philipp Kohlschreiber, in dem er bisher mit 11:0 Siegen führt. «Ich weiss, was mich gegen ihn erwartet. Wir kennen uns bestens. Aber er ist in guter Form, ich muss genau aufpassen», sagte Federer.

Erst um kurz vor zehn Uhr abends am Samstag hatte der Match gegen Linkshänder Lopez begonnen, da sich die Tagessession im Arthur-Ashe-Stadion wegen zweier überlanger Frauenmatches bis in den frühen Abend hinzog. Dann mussten alle Fans mit einem Tagesticket aus der Arena heraus und alle mit Abendkarten hinein. Doch Federer liess sich von alledem nicht stören, im Gegenteil: Kaum war die Partie im Gang, war auch schon zu sehen, dass ein ganz anderer Federer auf dem Platz stand. Mit zupackender Attitüde, schneller auf den Beinen, selbstsicherer in seinem ganzen Auftritt. Kurzum: Jener Federer, der in diesem erstaunlichen Tennisjahr 2017 für so viel Angst und Schrecken unter seinen Rivalen gesorgt hatte. Jener Federer, der schon zwei Grand-Slam-Titel gewonnen und drei weitere Pokale eingestrichen hatte. «Meine Sorgen sind mehr oder weniger verflogen», sagte Federer hinterher, «das ganze Paket stimmte wieder. Der Körper ist okay, und ich kann mich ganz auf mein Spiel konzentrieren. Ich vertraue meinen Bewegungen wieder.»

Del Potro und Nadal warten

Federer beherrschte die beiden Auftaktsätze beinahe nach Belieben, und auch wenn er im dritten Satz vorübergehend einen Breakvorsprung bei 3:1-Führung verspielte, geriet er nie in ernsthafte Gefahr. Später erinnerte er an den Grand-Slam-Verlauf zu Beginn des Jahres, bei der wunderlichen Australian Open-Mission, bei seinem Comeback nach knapp sechsmonatiger Verletzungspause. «Da waren die ersten Matches auch kompliziert, ich musste enorm kämpfen, um im Turnier drinzubleiben», so Federer, «und dann lief es wunderbar. Aber niemand redet da heute noch drüber.» Dass er sich ein ähnliches Szenario nun auch in New York nur zu gerne vorstellen würde – keine Frage. Doch der Weg dahin ist noch lang. Im schwersten Fall könnten nach einem Sieg über Kohlschreiber der Argentinier Juan Martin del Potro und Rafael Nadal warten, es wäre dann der tatsächlich erste Schlagabtausch mit dem Spanier überhaupt im Big Apple, nach all den Jahren der grossen Rivalität.