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TENNIS: «Es kommen noch harte Prüfungen»

Roger Federer erreicht bei den Australian Open zum 16. Mal die Achtelfinals. Am Montag wird dem Schweizer Superstar ein ungewöhnlicher Kollege gegenüberstehen.
Jörg Allmeroth
Ohne Satzverlust im Achtelfinal: Roger Federer. (Bild: Tracey Nearmy/EPA (Melbourne, 20. Januar 2018))

Ohne Satzverlust im Achtelfinal: Roger Federer. (Bild: Tracey Nearmy/EPA (Melbourne, 20. Januar 2018))

Jörg Allmeroth

Roger Federer ist in den letzten Tagen immer mal wieder gefragt worden, was bei diesen Australian Open anders sei als im Jahr 2017 – dem Jahr seines Traumcoups, dem Jahr seines atemraubenden Comebacks nach langer Verletzungspause. Federer machte dann jeweils aus seinem Herzen keine Mördergrube, sprach klar aus, was Sache ist: «Die Anspannung ist viel grösser. Die Erwartung auch.» Federer ist, nach der einmaligen Ausnahmesituation des Vorjahres, sozusagen wieder im Normalmodus. Er ist eindeutiger Mitfavorit auf den Grand-Slam-Höchstpreis. Er lebt mit hohen Ansprüchen der Tennisbranche. Und er hat auch selbst wieder hohe Ziele.

Aber die Wahrheit ist auch: Der 19-fache Grand-Slam-Rekordsieger kommt – wie so oft in den späten Jahren seiner Ausnahmekarriere – bestens mit dieser Lage zurecht. Als er am Samstagabend den Centre Court in Melbourne verliess, hatte er im 19. Vergleich mit dem Franzosen Richard Gasquet zum 17. Mal gewonnen, nun mit 6:2, 7:5 und 6:4. Und er hatte bereits zum 16. Mal in all seinen Australian-Open-Jahren den Achtelfinal erreicht, also jene Turnierphase, in der ein Grand Slam noch einmal an Spannung, Intensität und Dynamik zulegt. Und in der es wirklich ernst wird. «Es ist fantastisch, wenn man das Jahr so beginnt», sagte Federer später, «aber es kommen natürlich noch harte Prüfungen jetzt.»

Ehemaliger Juniorensieger in Wimbledon

Ein ungewöhnlicher Kollege steht ihm freilich am Montag gegenüber, der Ungar Marton Fucsovics (25), der sein täglich Brot bisher eher auf der Challenger-Tour verdiente – der zweiten Liga des Welttennis. Der Weltranglisten-Achtzigste gelangte auf der ATP-Tour bisher erst einmal in die fortgeschrittene Turnierphase, das war im vergangenen Jahr bei den Swiss Indoors in Basel mit dem Viertelfinal-Einzug. Dort lernte auch Federer den Nobody kennen: «Er ist ein netter Bursche, ein solider Spieler von der Grundlinie. Für ihn ist das sicher ein grosser Moment.»

Der letzte Ungar, der Vergleichbares schaffte, den Vormarsch unter die letzten 16 bei einem Major, war im Übrigen Balasz Taroczy, 1984 bei den French Open in Paris. Überraschungsmann Fucsovics hatte vor acht Jahren kurz die Aufmerksamkeit der Szeneexperten auf sich gezogen, als er in Wimbledon den Juniorenwettbewerb gewann. Den Durchbruch im Erwachsenentennis schaffte er anschliessend aber nicht. Im vergangenen Jahr scheiterte er noch in der ersten Qualifikationsrunde des Australian Open in Melbourne. Federer wird seinen vergleichsweise unbekannten Kontrahenten genauso wenig unterschätzen wie gestern einen seiner Lieblingsgegner, den Franzosen Gasquet. Der ­Maestro spielte die Partie flüssig und konzentriert durch, zeigte typische Qualitäten bei den wichtigen Punkten, wehrte lange Zeit alle Versuche Gasquets ab, sich mehr Punkte und Einfluss in dem Duell zu verschaffen. «Es war eine enge Partie. Aber ich zeigte Biss, wenn es darauf ankam», sagte Federer später, «ich bin hochzufrieden mit dem ganzen Turnierverlauf bisher.»

Erst im dritten Satz gab es etwas Nervenkitzel, als Federer einen 4:2-Vorsprung verspielte und Gasquet zum 4:4 ausgleichen konnte. Ein spektakulärer Rückhand-Winner des 36-jährigen Schweizers beendete dann nach knapp zwei Stunden die Partie. «Ich fühle mich fit, ich fühle mich gesund. Ich habe noch etwas vor hier», gab Federer noch zu Protokoll. Als wenn das nicht alle Welt und all seine Konkurrenten sowieso wüssten.

Wenn Roger Federer am Montag gewinnt, würden danach entweder der skandalumwitterte Italiener Fabio Fognini oder Tschechiens Tomas Berdych im Viertelfinal auf den Titelverteidiger warten.

Australian Open

Melbourne. Grand-Slam-Turnier (38,3 Mio. Franken/Hart). Männer, 3. Runde: Federer
(SUI/2) s. Gasquet (FRA/29) 6:2, 7:5, 6:4. Chung (KOR) s. Alexander Zverev (GER/4) 5:7, 7:6 (7:3), 2:6, 6:3, 6:0. Thiem (AUT/5) s. Mannarino (FRA/26) 6:4, 6:2, 7:5. Berdych (CZE/19) s. Del Potro (ARG/12) 6:3, 6:3, 6:2. Djokovic (SRB/14) s. Ramos-Viñolas (ESP/21) 6:2, 6:3, 6:3. Fognini (ITA/25) s. Benneteau (FRA) 3:6, 6:2, 6:1, 4:6, 6:3. Fucsovics (HUN) s. Kicker (ARG) 6:3, 6:3, 6:2. Sandgren (USA) s. Marterer (GER) 5:7, 6:3, 7:5, 7:6 (7:5).

Achtelfinal-Tableau: Nadal (1) – Schwartzman (24), Carreño Busta (10) – Cilic (6), Dimitrov (3) – Kyrgios (17), Edmund – Seppi; Thiem (5) – Sandgren, Djokovic (14) – Chung, Fognini (25) – Berdych (19), Fucsovics – Federer (2).

Frauen, 3. Runde: Halep (ROU/1) s. Davis 4:6, 6:4, 15:13. Karolina Pliskova (CZE/6) s. Safarova (CZE/29) 7:6 (8:6), 7:5. Garcia (FRA/8) s. Sasnowitsch (BLR) 6:3, 5:7, 6:2. Keys (USA/17) s. Bogdan (ROU) 6:3, 6:4. Osaka (JPN) s. Barty (AUS/18) 6:4, 6:2. Strycova (CZE/20) s. Pera (USA) 6:2, 6:2. Kerber (GER/21) s. Scharapowa (RUS) 6:1, 6:3. Hsieh (TPE) s. Radwanska (POL/26) 6:2, 7:5.

Achtelfinal-Tableau: Halep (1) – Osaka, Strycova (20) – Karolina Pliskova (6), Hsieh – Kerber (21), Keys (17) – Garcia (8); Martic – Mertens, Allertova – Switolina (4), Kontaveit (32) – Suarez Navarro, Rybarikova (19) – Wozniacki (2).

Doppel, 2. Runde: Golubic/Stojanovic (SUI/SRB) s. Bondarenko/Krunic (URK/SRB) 7:6 (7:0), 6:2.

Juniorinnen, 1. Runde: Sakatsume (JPN) s. Waltert (SUI/3) 6:4, 6:2. Sun (SUI/10) s. Vukovic (SRB) 6:4, 6:3.

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