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TENNIS: Federer: «Das ist ein ganz anderes Leben»

Roger Federer spielt heute (zirka 16.00/Euro) gegen Florian Mayer in Halle um den Halbfinaleinzug. Im Interview spricht der 33-Jährige über seine Kinder und seine Zukunft abseits des Courts.
Roger Federer freut sich, dass 2015 eine Woche länger auf Rasen gespielt wird: «Diese Rasenwochen sind das absolute Highlight.» (Bild: EQ/Schreyer)

Roger Federer freut sich, dass 2015 eine Woche länger auf Rasen gespielt wird: «Diese Rasenwochen sind das absolute Highlight.» (Bild: EQ/Schreyer)

Roger Federer, Sie haben siebenmal die Gerry Weber Open gewonnen, so oft wie sonst nur Wimbledon und Dubai, Sie sind der Rekordchampion in Halle. An diesem Freitag stehen Sie schon wieder im Viertelfinal, gegen Florian Mayer. Warum sind Sie dort so erfolgreich?

Roger Federer: Ich bin wirklich ein alter Bekannter in Halle, ich habe dort schon gespielt, bevor ich meinen grossen Durchbruch erlebte. Ich fühle mich sehr wohl, liebe die Abgeschiedenheit, die ruhige, normale Atmosphäre. Es ist halt ganz anders als bei den Metropolenturnieren mit ihrer Hektik, dem dauernden Trubel. Hier falle ich vom Hotelzimmer praktisch auf den Centre Court, es ist ein Turnier der ganz kurzen, einfachen Wege. Ganz am Anfang fuhr ich noch mit dem Auto von Basel nach Halle rüber, das war irgendwie entspannend. Aber das geht heute nicht mehr mit der grossen Familie.

2015 erlebt das Rasentennis einen Höhepunkt seiner Renaissance mit einer jetzt dreiwöchigen Vorbereitungszeit auf Wimbledon. Wie bewerten Sie das?

Federer: Es ist nur gerecht so. Man muss sich einfach daran erinnern, dass früher drei Grand-Slam-Turniere auf Rasen entschieden wurden, auch bei den US Open und den Australian Open. Heute gilt das nur noch für Wimbledon. Stattdessen wird vom späten Sommer bis in den Frühling der nächsten Saison auf Hartplätzen gespielt. Es war richtig, dass Wimbledon irgendwann ein Zeichen gesetzt und gesagt hat: Wir spielen bei uns eine Woche später, machen so den Weg frei für eine verlängerte Rasensaison. Ich bin glücklich über diese Entwicklung.

Erwarten Sie insgesamt eine grössere Qualität, jetzt, wo einfach länger auf Rasen gespielt wird?

Federer: Ich bin sicher, dass das Niveau der Matches besser wird. Ja, ganz klar. Die Spieler werden an den verschiedenen Standorten eine bessere Vorbereitung haben. Sie werden in vielen Fällen auch eine grössere Pause zwischen Sand- und Rasensaison haben. Und sie werden mehr auf Rasen spielen. Für mich sind diese Rasenwochen das absolute Highlight, die schönste Zeit.

Sie haben schon Ihre Familie angesprochen. Wie leicht oder schwer ist es, mit nun vier Kindern den Tenniscircuit zu bereisen?

Federer: Es ist viel leichter, als ich gedacht habe. Natürlich gibt es hier und da Problemchen, aber andererseits weiss ich: Ohne meine Familie würde ich gar nicht mehr Tennis spielen, da wäre ich jetzt nicht mehr unterwegs. Wir sind ein eingespieltes Team, in dem meine Frau natürlich die Hauptlast mit den Kindern trägt. Dafür bin ich ihr jeden Tag dankbar, dass sie mir so den Rücken frei hält. Früher hatte ich immer nur die Vision, als Tennisspieler mit einem Coach unterwegs zu sein. Erst viel später kam der Wunsch, mit einer Familie durch die Welt reisen zu können. Deshalb ist das jetzt auch ein ganz anderes Leben, ein ganz anderer Abschnitt für mich. Die ersten zehn Jahre auf der Tour waren total anders als die letzten sechs.

Wie erleben Ihre schon bald fünf Jahre alten Töchter diese Reisen?

Federer: Es ist für sie eine grosse Freude, herumzureisen. Sie haben mittlerweile überall auf der Welt ihre Freundinnen und Freunde, wissen auch meistens, was sie an den Schauplätzen zu erwarten haben. Es ist schön, was sie alles in einem Jahr erleben können: die Kulturen, die Sprachen, die vielen Eindrücke. Zunächst mal werden sie auch weiter mit uns reisen, bald wird uns dann ein Lehrer für sie begleiten.

Gibt es Orte, wo die Kinder sagen: Nein, da will ich nicht hin?

Federer: Es ist eher so, dass sie sagen: Müssen wir hier schon wieder weg? Oder: Wann fahren wir wieder nach Australien? Dann sage ich: in neun Monaten. Dann sagen sie: Nein, wir wollen da jetzt hin. Eigentlich gefällt es ihnen aber überall gut.

Wie schauen Sie auf Paris zurück? Sie verloren im French-Open-Viertelfinal gegen Stan Wawrinka.

Federer: Stan war der bessere Mann, so wie er später auch der bessere Mann im Final gegen Novak Djokovic war. Den Titel hat er sich redlich verdient. Für mich gilt ja immer: Scheide ich bei einem Turnier aus, wünsche ich keinem den Titel mehr als Stan. Ich habe richtig gejubelt für ihn, als klar war, dass er es geschafft hatte. Es war lustig, wie ich mich von ihm verabschiedet habe in Paris nach unserem Match: Ich suchte ihn überall im Spielerzentrum, fand ihn dann irgendwann im Eisbad.

Wie zufrieden sind Sie eigentlich mit der Zusammenarbeit mit Stefan Edberg, Ihrem Berater?

Federer: Zufriedenheit ist das falsche Wort. Ich bin dankbar, dass er sich Zeit für diese Partnerschaft nimmt. Wichtig sind mir einfach die Gespräche, dieser Meinungsaustausch. Das ist eine wunderbare Erfahrung. Wir reden über vieles, über Gott und die Welt sozusagen. Tennis spielt gar nicht mal die Hauptrolle.

Das letzte Tennisjahr war ja stark von diesen ganzen Allianzen geprägt, Becker mit Djokovic, Chang mit Nishikori, Ivanisevic mit Cilic. Wie bewerten Sie den Trend?

Federer: Er hat dem Tennis gut getan, gar keine Frage. Die Rückkehr vieler bekannter Gesichter von früher hat den Sport auch für Menschen interessanter gemacht, die dem Tennis sonst nicht so intensiv folgen. Und man muss sagen: Viele Spieler haben in ihrer Entwicklung noch einmal einen Schub bekommen, einer wie Nishikori zum Beispiel.

Könnten Sie sich vorstellen, auch einmal einen Spieler zu betreuen?

Federer: Nein, das wäre nichts für mich. Ich sehe ja selbst, wie aufreibend die Arbeit für all jene ist, die um mich herum arbeiten. Es ist eigentlich ein 24-Stunden-Job, sieben Tage die Woche. Das brauche ich nach zwei Jahrzehnten als Berufsspieler sicher nicht. Dem Tennis selbst werde ich aber ganz sicher verbunden bleiben. Wie genau, das weiss ich selbst noch nicht. Ich habe schon Lust, weiter Schaukämpfe zu spielen, auch für meine Stiftung aktiv zu sein. Schauen wir mal, noch bin ich nicht im Ruhestand.

So langsam hat man den Eindruck, dass sich im Machtgefüge der Tour doch einiges ändert, jüngere Spieler rücken jedenfalls nach oben.

Federer: Aber sie haben auch noch eine harte Strecke vor sich, um ganz nach oben zu kommen. Es dauert heute einfach länger, um seine ganze Klasse zu erlangen. Aber wichtig ist, dass es eine Belebung und frisches Blut gibt. Ich freue mich für jeden jungen Burschen, der voranmarschiert. Ich bin auch immer offen für Tipps, trainiere mit ihnen.

Wie lange wollen Sie noch auf der Tour bleiben?

Federer: Ich kenne das Datum nicht. Im Moment arbeite und trainiere ich so, dass es einfach weitergeht. Ich bin fit, fühle mich gut, sehe mich in der Lage, jederzeit Titel zu holen. Das Gefühl und dieses Wissen brauche ich auch.

Was ist mit Rio 2016? In welchen Wettbewerben wollen Sie da starten?

Federer: Das ist noch offen. Martina Hingis hatte mich schon im Frühjahr gefragt, wie es im Mixed aussähe. Aber da ist die Frage: Will ich in drei Wettbewerben spielen? Einzel, klar. Doppel, da würde ich ja auch gerne mit Stan antreten. Und Mixed? Es wäre viel Tennis. Aber es ist natürlich immer ein Genuss, mit Martina Matches zu bestreiten.

Wundert es Sie, dass Sie diese Ziele überhaupt in Angriff nehmen können?

Federer (lacht): Ich bin ja schon einer der Veteranen auf der Tour, einer der Ältesten. Aber eben auch noch sehr rüstig. Mein grösstes Glück war immer, von üblen Verletzungen verschont geblieben zu sein. Aber ich habe auch viel für meinen Körper getan, trainiere heute härter und effektiver denn je.

Halle, Westfalen (De). ATP-Turnier (1 696 645 Euro/Rasen). Einzel. Achtelfinals: Nishikori (Jap/2) s. Brown (De) 7:5, 6:1. Seppi (It) s. Robredo (Sp/5) 6:2, 6:7 (6:8), 6:3. Monfils (Fr/4) s. Kukuschkin (Kas) 7:6 (7:1), 6:4.

Queens, London. ATP-Turnier (1 696 645 Euro/Rasen). Einzel. Achtelfinals: Murray (Gb/1) s. Verdasco (Sp) 7:5, 6:4. Troicki (Ser) s. Cilic (Kro/4) 6:7 (8:10), 6:2, 6:3. Muller (Lux) s. Dimitrov (Bul/6) 6:4, 7:6 (7:5). Isner (USA) s. Lopez (Sp/8) 7:6 (7:5), 6:7 (9:11), 7:6 (7:4).

Birmingham (Gb). WTA-Turnier (665 900 Dollar/Rasen). Einzel. Achtelfinals: Halep (Rum/1) s. Koukalova (Tsch) 6:1, 6:3. Suarez Navarro (Sp/3) s. Kusnezowa (Russ/13) 6:3, 6:4. Kerber (De/4) s. Jankovic (Ser/15) 6:4, 6:2. Pliskova (Tsch/6) s. Diyas (Kas) 6:2, 6:2. Lisicki (De/8) s. Rybarikova (Slk) 7:6 (9:7), 6:4.

Interview Jörg Allmeroth

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