TENNIS: Federer: «Das war unbegreiflich»

In seiner zweiten Heimat Dubai scheitert Roger Federer bereits im Achtelfinal am Russen Jewgeni Donskoi. Der Maestro hadert wegen «tausend Möglichkeiten» zum Sieg, die er nicht nutzen konnte.

Jörg Allmeroth, Dubai
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Roger Federer erlebt in Dubai einen Dämpfer. (Bild: Kamran Jebreili/AP (Dubai, 1. März 2017))

Roger Federer erlebt in Dubai einen Dämpfer. (Bild: Kamran Jebreili/AP (Dubai, 1. März 2017))

Jörg Allmeroth, Dubai

Roger Federer wollte gerade ins Auto steigen, um vom mondänen Luftfahrtklub in sein Apartment nahe der Dubai Marina zu fahren. Doch dann musste der Maestro am Turnierschauplatz noch einmal loswerden, wie er die Geschehnisse eines denkwürdigen Tennisabends am Golf bewertete: «Das war unbegreiflich, einfach verrückt», sagte Federer, und das waren dann auch die endgültig letzten Worte des ausgeschiedenen Rekordchampions der ATP-Wettkämpfe fürs Jubiläumsjahr 2017.

Federers Knock-out im 25. Jahr des Turniers in dem Wüstenemirat war in gewisser Weise die Fortsetzung schwer erklärbarer Centre-Court-Momente mit ihm, einen guten Monat nach seiner sensationellen Aus­tralian-Open-Sternstunde direkt aus dem Verletzungscomeback heraus. Drei Matchbälle vergab Federer genau so wie serienweise komfortable Vorsprünge in einem Achtelfinal-Krimi gegen den russischen Qualifikanten Jewgeni Donskoi, im Tiebreak des dritten und letzten Satzes führte der 35-jährige Grossmeister bereits mit 5:1, ehe ihm kein einziger Punktgewinn mehr bis zur 5:7-Schlappe gelang – Gesamtergebnis somit 6:3, 6:7 (7:9) und 6:7 (5:7). «Tausend Möglichkeiten» habe es gegeben, dieses Spiel zu gewinnen, gestand Federer frustriert ein, «ich habe mir das Leben selbst schwer gemacht.»

Donskoi hackt auf dem Boden herum

Federer hatte nach den Australian Open mit Leistenproblemen herumlaboriert, daheim in der Schweiz hatte er nur eingeschränkte Trainingsarbeit leisten können. Doch für das Turnier in seiner zweiten Heimat Dubai war er rechtzeitig fit geworden, auch zum Match gegen den krassen Aussenseiter Donskoi fühlte er sich «perfekt präpariert»: «Gesundheitlich war alles okay. Ich war nur etwas müde den ganzen Tag über, etwas schlapp.» Den frühen Abschied aus einem seiner Lieblingsturniere hätte er sich trotz allem mit Leichtigkeit sparen können, schon im zweiten Satz war bei einer 6:4-Führung Federers im Tiebreak eigentlich der Schlusspunkt erreicht. Aber bei den Big Points, bei insgesamt drei Matchbällen zeigte sich Federer zögerlich, zaudernd, wenig zupackend. «Ich habe das Buch nicht zuklappen können. Es war frustrierend», sagte Federer später, als er völlig abgekämpft im Interviewraum der «Duty Free Championships» sass.

Statt daheim in der Wohnung den frühen Dienstschluss geniessen zu können, ging es für den Maestro in eine turbulente Achterbahnfahrt im dritten Satz – und in eine der bemerkenswertesten Schlussphasen seiner Tenniskarriere. 5:2 führte er im Schlussakt, verlor dann aber zwei Mal seinen Aufschlag, zum 5:4 und zum 5:6. Er schien geschlagen, holte sich dann aber das Rebreak zum 6:6 zu Null.

Im Tiebreak dominierte er früh, als beide Spieler erstmals die Seiten wechselten, stand es 5:1 für Federer. Donskoi hackte verärgert mit seinem Schläger auf dem Centre-Court-Boden herum, er sah wie der Verlierer des Dramas aus. Niemand konnte voraussehen, was dann passierte: Federer bekam die finale Nervenflatter, Donskoi spielte völlig fehlerfrei. Und in vier Minuten war dann der grosse Umschwung inszeniert, ein chaotischer Regieeinfall mit vertauschten Rollen. Der Vorhang senkte sich, Federer trat von der Bühne ab, mit hängenden Schultern marschierte er aus dem Stadion.

Erst der Anfang des Comebacks

Anschliessend bemühte sich Federer, den verkorksten Arbeitstag mit der dumm gelaufenen Spätvorstellung zu relativieren: «Ich bin immer noch dabei, mich an das normale Turniertennis zu gewöhnen», sagte er, «dies ist erst der Anfang meines Comebacks, das darf man nicht vergessen.» Er könne und werde sicher «nicht jede Woche» ein Wunder à la Melbourne produzieren, so Federer, «das geht einfach nicht. Jetzt muss ich erst mal herausfinden, wie mein Körper die nächsten Turniere verkraftet und wie ich in den Tourrhythmus finde.» Federer wird in den kommenden Wochen in Indian Wells und dann auch in Miami aufschlagen, beides Turniere der höchsten ATP-Kategorie. «Danach werde ich schlauer sein, wie es für mich läuft», sagte Federer.

Hinweis

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