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TENNIS: Federer wird von Goffin entzaubert

Roger Federer verliert den Halbfinal bei der ATP-WM in London gegen David Goffin mit 6:2, 3:6, 4:6. Ausgerechnet sein Lieblingsgegner verwehrt dem Schweizer den Einzug in den Final von heute.
Jörg Allmeroth
Gerät gegen David Goffin im zweiten und im dritten Satz immer wieder in Schieflage: Roger Federer. (Bild: Neil Hall/EPA (London, 18. November 2017))

Gerät gegen David Goffin im zweiten und im dritten Satz immer wieder in Schieflage: Roger Federer. (Bild: Neil Hall/EPA (London, 18. November 2017))

Jörg Allmeroth

Worauf soll man sich überhaupt noch verlassen im Welttennis? Nun jedenfalls, nach den Halb­finals bei der ATP-Weltmeisterschaft in London, auch nicht mehr auf Roger Federer (36). Als haushoher Favorit war der Baselbieter in sein Vorrundenspiel gegen den Belgier David Goffin gegangen, nicht zuletzt wegen einer bisher makellosen 6:0-Siegbilanz im direkten Vergleich – doch dann währte Federers Pracht und Herrlichkeit gegen seinen vermeintlichen Lieblingsgegner nur einen Satz lang in der ausverkauften 02-Arena.

Als ganz und gar abgerechnet war in diesem ersten Halbfinal, hatte sich nichts weiter als die nächste grosse Sensation in dieser Saison ereignet, allerdings erstmals sehr zum Schaden des Schweizer Maestros. Und nicht, wie so oft im erstaunlichen Jahr 2017, zu seinem Ruhm und Nutzen. Nach eindreiviertel Stunden klatschte ein Aufschlagreturn Federers an die Netzkante, besiegelt war damit der 2:6, 6:3, 6:4-Sieg des 26-jährigen Wallonen, der in den ersten Sekunden nach seinem grössten Triumph völlig entgeistert in Richtung seines Betreuerteams blickte. «Das ist ein ganz spezieller Moment in meiner Laufbahn. Das kommt wirklich unerwartet, ist total überwältigend», sagte Goffin.

Schönheitsfehler einer herausragenden Saison

Federer hätte seinen siebten WM-Titel gewinnen können, dazu den achten Titel in dieser Spielzeit eines fabelhaften Comebacks nach seiner Verletzung. Doch ausgerechnet der Meister der Big Points, der Mann mit der zupackenden Energie in den wichtigen Situationen, liess viel zu viele Chancen gegen Goffin liegen – es verwunderte umso mehr, da Federer die Rolle des Frontrunners liebt, also genau jene Position, die er nach dem souverän gewonnenen ersten Satz einnahm. Aber die Statistik wies später klar und schonungslos auf, woran es bei Federer krankte. Elf Breakchancen hatte er gegen den schmächtigen, nur 68 Kilogramm leichten Belgier, aber verwandeln konnte er nur zwei davon. Immer und immer wieder entwischte Goffin wie ein Entfesselungskünstler aus der Bedrängnis, hatte die passenden Antworten, wenn er sie am dringendsten brauchte. «Ich habe mich nicht so richtig wohl gefühlt auf diesem sehr schnellen Platz», sagte Federer hinterher, «aber das nimmt nichts von Davids Sieg.» Goffin trifft im Endspiel auf den Bulgaren Grigor Dimitrov, den bisher überragenden Spieler bei dieser WM.

Federer war nach seiner Rückkehr auf die Centre Courts zu Saisonbeginn der Mann für die regelmässig herausragenden Schlagzeilen, niemand, nicht einmal er selbst, hätte sich träumen lassen, dass er dieses Jahr 2017 mit sieben Titeln, darunter zwei Grand-Slam-Triumphen, beenden würde. Deshalb war die Halbfinalniederlage nur ein Schönheitsfehler für den 36-jährigen Altmeister, eine Niederlage, an der auch er nichts auszusetzen hatte: «David hat so gut gespielt heute, dass er den Finaleinzug absolut verdient hat. Das habe ich ihm auch gesagt», so Federer, «er ist ein netter Typ, der sich nun einen grossen Traum erfüllen kann.» Genau genommen: einen ersten grossen Traum. Denn Goffin ist auch noch einer der Hauptbeteiligten beim Davis-Cup-Final, bei dem Belgien am nächsten Wochenende im französischen Lille gastiert. Auch Goffin ist ein Comeback-Phänomen in dieser Saison, nach einem unglücklichen Sturz in seinem Drittrundenmatch bei den French Open hatte er zwei Monate pausieren und auch auf einen Start in Wimbledon verzichten müssen. Gleichwohl sicherte er sich in dieser Tenniswelt der Grossen und Starken wieder, wie im Vorjahr, einen Platz im WM-Teilnehmerfeld – gerade der Schlussspurt des Belgiers etwa mit den Siegen in Shenzhen und Tokio war beeindruckend.

ATP Finals

London. ATP World Tour Finals (8 Mio. Dollar/Halle). Halbfinals: Goffin (BEL/7) s. Federer (SUI/2) 2:6, 6:3, 6:4. Dimitrov (BUL/6) – Sock (USA/8) 4:6, 6:0, 6:3.

Final (heute, 19 Uhr, SRF zwei): Goffin (7) – Dimitrov (6).

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