TENNIS: French Open: Chancenlos gegen den König von Paris

Redaktor Jürg Ackermann zur Finalniederlage von Stan Wawrinka gegen Rafael Nadal.

Jürg Ackermann, Sportredaktor
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Jürg Ackermann Redaktion Tagblatt (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Jürg Ackermann Redaktion Tagblatt (Bild: Urs Bucher (Urs Bucher))

Schon damals vor zwölf Jahren waren alle Blicke auf ihn gerichtet. Mit Dreiviertelhosen, einem ärmellosen T-Shirt und langer Mähne trat Rafael Nadal bei seiner Premiere in Paris wie ein Stierkämpfer auf. Von der Grundlinie aus trieb der 19-Jährige aus Mallorca seine Gegner in die Enge. Nie zuvor in der Geschichte der French Open war ein Neuling so hoch gehandelt wie damals. Zu Recht, denn Nadal gewann 2005 in Paris zum ersten Mal.

Und gestern hat sich gezeigt, dass die Vorschusslorbeeren noch zu vorsichtig formuliert waren. Der spanische König Juan Carlos gehörte, wie vor zwölf Jahren, zu den ersten Gratulanten. Nun ist Nadal nach zehn Siegen bei den French Open selber König – von Paris. Es ist nach einer dreijährigen Durststrecke ohne grossen Titel der wichtigste für Nadal.

Für Stan Wawrinka ist es ein schwacher Trost, dass es Roger Federer in vier Paris-Finals gegen Nadal ähnlich erging. Aber dass Wawrinka gegen den wohl besten Sandspieler der Geschichte verlor, dürfte ihm helfen, über die erste Niederlage in einem Grand-Slam-Final hinwegzukommen. Auf Rasen in Wimbledon gehört Wawrinka nicht zum engsten Favoritenkreis, aber schon bei den US Open ist ihm als Titelverteidiger wieder Grosses zuzutrauen. Wawrinka hat bis zum Final gezeigt, in welch blendender Verfassung er sich befindet. Er, der Spätberufene, hat viel mehr erreicht, als ihm die Experten jemals zugetraut hatten.

Gut möglich, dass weitere grosse Siege hinzukommen. Aber nicht in Paris, wenn der Gegner Nadal heisst und so spielt wie gestern.

Jürg Ackermann, Sportredaktor

sport@luzernerzeitung.ch