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TENNIS: Im internationalen Schaufenster

Der Fedcup in Luzern verursacht für Swiss Tennis mehr Kosten, als er Einnahmen generiert. Für Luzern ist er trotzdem ein Segen.
Maurizio Minetti
Luzern ist für den Fedcup-Halbfinal bereit: Gestern wurden in der Messe die letzten Detailarbeiten erledigt. (Bild Manuela Jans-Koch)

Luzern ist für den Fedcup-Halbfinal bereit: Gestern wurden in der Messe die letzten Detailarbeiten erledigt. (Bild Manuela Jans-Koch)

Wenn am 16. und 17. April in der Messe Luzern das Schweizer Fedcup-Team um Belinda Bencic, Timea Bacsinszky und Martina Hingis den Halbfinal gegen Tschechien bestreitet, wird das für das Schweizer Frauen-Tennis zweifelsohne ein spezielles Ereignis sein. Pro Tag werden rund 5000 Besucher erwartet. Für die Messe Luzern und den Schweizer Tennisverband ist der Frauen-Halbfinal in Luzern aber kein grosses Geschäft – im Gegenteil. Jonas Maag, der bei Swiss Tennis für die Projektleitung von Davis-Cup- und Fedcup-Heimspielen zuständig ist, sagt: «Der Anlass ist für uns ein Verlustgeschäft.» Silvan Auf der Maur, Leiter Gastveranstaltungen der Messe Luzern, ergänzt: «Könnten wir in dieser Zeit herkömmliche Messen durchführen, bliebe am Schluss mehr in der Kasse.»

Der Aufbau ist teuer

Teuer ist vor allem die Infrastruktur. Alles musste in den letzten Tagen aufgebaut werden: ein temporäres Stadion mit vier Tribünen, VIP-Räume, die Catering-Halle und die technischen Anlagen. Der Auf- und Abbau in den zwei Hallen dauert insgesamt drei Wochen. Nicht eben günstig ist auch der Hartbelag, obschon ein anderer Belag, etwa Sand, noch teurer gewesen wäre.

Swiss Tennis operiert mit einem Budget von rund 1,4 Millionen Franken, wobei die Kosten höher sind als die Einnahmen. Um wenigstens den grössten Teil der Ausgaben zu decken, wurden diverse Sponsoren angeworben. Ausserdem ist der günstigste Ticketpreis für zwei Tage mit rund 260 Franken ziemlich hoch.

Die öffentliche Hand gibt und nimmt

Immerhin unterstützt die öffentliche Hand den Frauen-Halbfinal finanziell: Der Luzerner Stadtrat hat 50 000 Franken gesprochen. «Für diese Art von Sportanlass gibt es keinen Markt, der dafür sorgt, dass landesweit gleiche Veranstaltungen stattfinden. Einmalige Sportevents sollen in Luzern möglich sein, damit auch das Luzerner Publikum gelegentlich die Möglichkeit hat, Spitzensport live zu erleben», sagt Judith Christen, stellvertretende Chefin Kultur und Sport bei der Stadt Luzern. Der diesjährige Fedcup-Halbfinal stelle einen solchen einmaligen Event dar.

Doch die öffentliche Hand bringt nicht nur Segen. In Luzern müssen Veranstalter nämlich eine Billettsteuer bezahlen. Die Billettsteuer wird in der Stadt Luzern auf sämtliche sportlichen und kulturellen Veranstaltungen erhoben und errechnet sich aufgrund der Ticketeinnahmen. Immerhin fliesst dieses Geld in einen Fonds, aus dem wiederum Sport- und Kulturanlässe finanziert werden.

Unterstützung gibt es zudem vom Kanton. Das Gesundheits- und Sozialdepartement zahlt aus den Lotterie­erträgen 40 000 Franken fix an die Organisation des Fedcups. «Nach Vorliegen des Rechenschaftsberichts der Organisatoren besteht die Option, weitere 15 000 Franken nachzureichen», sagt Markus Kälin, Leiter Sportförderung beim Kanton Luzern. Die Unterstützung beziehe sich vor allem auf Aktionen im Rahmenprogramm für Kinder und Jugendliche (Kids Tennis Day), einem öffentlichen Training für die Bevölkerung (Mittwoch, 13. April) sowie Tickets, die mit einem Rabatt von 20 Prozent an Familien abgegeben werden (siehe Ausgabe von gestern Freitag).

Grosse mediale Beachtung

Obwohl der Halbfinal kein grosses Business ist, betonen sowohl Jonas Maag von Swiss Tennis als auch Silvan Auf der Maur von der Messe Luzern, dass es bei diesem Anlass eigentlich nicht um das Geld, sondern eher ums Prestige gehe. «Eine hohe Wertschöpfung ist bei Sport- und Kulturanlässen ohnehin eine Seltenheit», sagt Auf der Maur. Die Veranstalter werten es als Erfolg, dass sich Luzern gegen andere Interessenten wie Genf und St. Gallen durchsetzen ­konnte.

Und schliesslich dürften auch Hotellerie und Gastronomie vom Anlass profitieren. Prognosen wagen die Verantwortlichen allerdings nicht. Gemäss den Erfahrungszahlen aus bisherigen Fedcup-Partien in anderen Städten werden durch Zuschauer jeweils 2000 bis 3000 Übernachtungen generiert. Die Organisatoren selber buchen jeweils 200 bis 300 Nächte. Sibylle Gerardi, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Luzern Tourismus, verweist schliesslich auf die grosse mediale Beachtung, zumal der Halbfinal vom Schweizer Fernsehen live übertragen wird. «Das Publikum stammt aus 70 Ländern. Für Luzern bietet sich also auch eine Chance, das Image nach aussen zu pflegen.»

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