TENNIS: Mit grossen Schritten an die Tennis-Spitze

Sie hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich: Jessica Crivelletto aus Sursee. Schritt für Schritt kämpft sie sich an die Spitze, nimmt auch Jetlags und Heimweh in Kauf.

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Jungprofi Jessica Crivelletto holt sich an den Schweizer Meisterschaften den Titel in der Königsklasse und möchte einmal auf der WTA-Tour spielen. (Bild: Pius Amrein)

Jungprofi Jessica Crivelletto holt sich an den Schweizer Meisterschaften den Titel in der Königsklasse und möchte einmal auf der WTA-Tour spielen. (Bild: Pius Amrein)

Theres Bühlmann

Jung, ehrgeizig und erfolgreich. Die 16-jährige Jessica Crivelletto (N3.33) ist zusammen mit Medina Sahinagic (Seewen, N3.31) die beste Zentralschweizer Juniorin ihrer Altersklasse, was sie mit ihrem Sieg am Wochenende an den Schweizer Juniorenmeisterschaften unterstrich. Die U-18-Spielerin verblüffte im letzten Jahr mit einem grossen Sprung im ITF-Ranking (International Tennis Federation): Vor einem Jahr noch auf Position 1003, findet sie sich nun bereits auf Rang 220, das Ergebnis einer kontinuierlichen und konsequenten Arbeit, die vielfach auch Härte abverlangt. Seit zwei Jahren ist Jessica Crivelletto im Profistatus – und tourt rund um die Welt, mit Destinationen, bei denen «Normalsterbliche» ins Schwärmen geraten: Kenia, Guatemala, Costa Rica, Brasilien, Zypern und Japan, um nur einige zu nennen. Mit Siegen und Halbfinalqualifikationen an hochwertigen Turnieren holte sie sich wertvolle Punkte. In 30 Turnieren trat sie im letzten Jahr an (Doppel und Einzel), mehr lässt das Reglement für Spielerinnen ihres Alters nicht zu. Mit dem Jetlag scheint sie kaum Probleme zu haben, und wenn, hat sie ein probates Mittel: Kaffee trinken und viel schlafen.

Der Schliff in London

Ihre grossen Fortschritte im letzten Jahr verdankt sie unter anderem auch ihrem London-Aufenthalt 2013. In der Sutton Tennis Academy perfektionierte sie während eineinhalb Jahren unter ihrem Trainer Miles Sheldon, der dort einen Job annahm, ihr Spiel. «Manchmal», sagt sie, «hatte ich schon ein wenig Heimweh.» Vor allem dann, wenn sie nach einem Heimaturlaub wieder zurückfliegen musste: Als «schrecklich» beschreibt sie diese Momente in der Rückblende. Ein Nebeneffekt: Dieser Aufenthalt an der Themse kam auch ihrem Englisch zugute, «ich konnte meine Sprachkenntnisse deutlich verbessern». Etwas wehmütig war ihrer Familie aber schon zu Mute, als Jessica in jungen Jahren diesen Aufenthalt in London antrat. «Wir kannten aber die Familie, bei der sie dort wohnte, und dieser Aufenthalt gehört halt zu ihrer Ausbildung», sagt Vater Roberto.

Die ersten Schritte in Sursee

Die ersten Gehversuche machte Jessica Crivelletto im Alter von fünf Jahren beim Kids-Tennis des TC Sursee. Zu diesem Sport ist sie durch ihre Schwester Pamela gekommen, «die zum Tennis ging», Jessica begleitete sie das eine oder andere Mal und blieb hängen. «Eigentlich», sagt Vater Roberto, «war es mein Schwiegervater, der uns zu dieser Sportart brachte mit den Worten: ‹Geht doch in den Tennisclub, da lernt man nette Leute kennen.›» Mit acht Jahren spielte sie die ersten nationalen Turniere, mit zwölf Jahren wechselte sie an die nationale Elite-Sportschule NET in Kreuzlingen und später an die Tennisschule Aarau West zu Freddy Blatter.

Die Begegnung mit Federer

Die N3.33-klassierte Spielerin bevorzugt Sandplätze, lieber Einzel- als Doppelspiele und pflegt ein Ritual, nämlich immer zur gleichen Zeit ihr Essen einzunehmen. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie gerne einmal, wen wunderts, mit Roger Federer Mixed spielen. Den Maestro lernte sie übrigens einmal kennen, als Siebenjährige bei einem Kids-Day in Biel. Weil Jessica Crivelletto die meisten Gruppenspiele gewann, durfte sie mit ihm eine Trainingslektion absolvieren. «Ich habe damals nicht realisiert, um welche Persönlichkeit es sich handelt», sagt sie.

Das sportliche Ziel

Sportlich will sie als nächsten Schritt unter die Top 80 der ITF kommen, das würde sie berechtigen, Grand-Slam-Turniere zu spielen, bei einer Top-50-Position bekäme sie eine Wild Card für WTA-Turniere, wo es in der ersten Runde auch Preisgeld gibt. Und dorthin will sie einmal, auf die WTA-Tour, dort, wo die ganz Grossen spielen. Sie peilt einen Platz in den Top 50 an. Um ihre Ziele zu verwirklichen, trainiert sie mindestens sechs Stunden täglich, und weil sich bei Sportlern viel im Kopf abspielt, legt sie auch auf das Mentaltraining grossen Wert. Vorläufig wird ihre Karriere noch durch die Eltern finanziert, zusammen mit Sponsoren und einem Beitrag des Kantons. Beruflich bildet sie sich auch weiter, nicht zuletzt, um einen «Plan B» zu haben. Sie absolviert im Fernstudium die US-Highschool notabene in Englisch.

Nun packt sie wieder ihre Koffer, es stehen Turniere in Tunesien und Marokko auf dem Plan. Weitere Destinationen, um im Ranking weiter voranzukommen.