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TENNIS: New York hat ihn ins Herz geschlossen

Roger Federer startet heute am US Open zirka 20.30 gegen Leonardo Mayer. Gegen den Argentinier hat er das bisher einzige Duell in Schanghai nach fünf abgewehrten Matchbällen gewonnen.
Drei New Yorker Titelkandidaten neben Roger Federer (von links): Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka. (Bild: Keystone/Tannen Maury/Nick Wass)

Drei New Yorker Titelkandidaten neben Roger Federer (von links): Novak Djokovic, Andy Murray und Stan Wawrinka. (Bild: Keystone/Tannen Maury/Nick Wass)

Jörg Allmeroth, New York

Roger Federer hatte den Masters-Sieg in Cincinnati schon mit seiner Frau Mirka und seinen Zwillingstöchtern gefeiert, da sprach der Grandseigneur des Welttennis bei der offiziellen Cham­pionszeremonie grosse Worte gelassen aus: «Ich werde nächstes Jahr wiederkommen, um diesen Titel zu verteidigen.» Dies gab der Maestro unter stürmischem Jubel des Publikums zu Protokoll und legte noch einen drauf: «Ich werde sogar noch viele weitere Jahre hier spielen.» Dann liess der siebenmalige Gewinner des Traditionswettbewerbs das Blitzlichtgewitter der Fotografen mit strahlender Geniessermiene über sich ergehen. Grosse Kulisse in Cincinnati – aber auch die New Yorker lieben ihn inzwischen.

Besondere Qualität und Stilnote

Federer ist und bleibt halt ein Phänomen. Auf seine älteren Tage ist er sogar phänomenaler denn je. Mehr als in den Jahren seiner Blüte- und Glanzzeit, in der er die Konkurrenz mit der Schönheit und Dynamik seines Spiels eisern beherrschte. Mehr als in jener Epoche, in der er sich noch mit dem spanischen Matador Rafael Nadal den Tenniskosmos aufteilte. Doch wie er nun mit stolzen 34 Jahren die Fachwelt und die Konkurrenz als komplett furchtloser Vorwärtsstratege verblüfft, hat schon eine ganz besondere Qualität und Stilnote. Nichts scheint unmöglich für den vierfachen Familienvater in diesen bewegten Spätsommertagen: weder ein Titelcoup bei den US Open noch ein goldener Herbst und eine aussergewöhnlich erfolgreiche WM-Teilnahme im November in der Londoner 02-Arena.

Edbergs Einfluss ist wichtig

Im Frühjahr hatte Federer die oft und gern gestellte Frage nach einer Rückkehr an die Spitze der Weltrangliste von sich gewiesen, «weil das unrealistisch ist und weil Djokovic so weit weg ist», doch inzwischen ist selbst diese Ambition auf den «Gipfel-Platz» keineswegs utopisch. «Ich traue Roger alles zu», sagt US-Superstar John McEnroe, der bei den Gran-Slam-Festspielen im Big Apple als Kommentator bei gleich mehreren TV-Netzwerken im Einsatz ist. Jedenfalls ist der Schweizer Ästhet neben Djokovic und dem Schotten Andy Murray der hohe Wettfavorit bei den Buchmachern.

Federers späte Karrierejahre erinnern, wenn auch nicht in Form und Ausdruck, an den legendären Amerikaner Andre Agassi. Zufall ist das auch nicht, denn Federer sagt selbst, die grösste Inspiration für einen langen Karrierehorizont sei Agassi gewesen – der Mann, mit dem er sich oft genug duellierte, auch und besonders in New York. «Ich sah, wie konzentriert und methodisch Andre an sich arbeitete, wie er sein Spiel immer wieder anpasste», sagt der 17-malige Grand-Slam-Sieger, «das war schon vorbildhaft.»

Heute folgt Federer den Spuren des Elder Statesman Agassi, natürlich mit einer persönlich zugeschnittenen Strategie – und vor allem einem an Wichtigkeit nicht zu unterschätzenden schwedischen Berater Stefan Edberg, der die souveräne und kontinuierliche Arbeit von Coach Severin Lüthi perfekt ergänzt.

Mit der Lust am Wagnis

Stefan Edberg hat zweifellos den entscheidenden Auslösungsimpuls dafür gegeben, dass Roger Federer heute mit so viel Sturm und Drang spielt. Und dass er keineswegs mit zunehmendem Alter konservativer, vorsichtiger, gemessener spielt. Sondern mit immer mehr Lust am Wagnis, am Abenteuer.

Wie nie zuvor sorgt der Tennis-Zauberer für den verrückten Kniff, einen ungewohnten Trick – in Cincinnati wusste plötzlich gar keiner seiner Gegenspieler mehr, woran er mit Federer ist. Federer war so etwas wie die personifizierte «Abteilung Attacke,» sinnbildlich dargestellt durch sein weites Aufrücken beim zweiten Aufschlag des Konkurrenten. Selbst gegen Finalgegner Djokovic spielte er den Servicereturn wie ein Kamikazekämpfer, kaum hatte der Ball den Boden verlassen, war Federer schon mit dem Schläger da, bugsierte die Kugel übers Netz. Und zwang Djokovic wie alle anderen Kollegen zu einem hastigen Risikoschlag. «Aus Spass» habe er das im Training probiert, auch solche Schläge beim virtuellen Tennis erlebt, sagt Federer, «aber dann dachte ich mir: Warum nicht? Das könnte spannend sein. Und herausfordernd für den Gegner.» Was dann auch stimmte: Denn Federer servierte nicht nur selbst bärenstark, sondern erarbeitete sich auch regelmässig Breakchancen, irritierte das Teilnehmerfeld mit einem Angriffsdruck von beispielloser Wucht.

Der König von New York

Federer, mit dem die Amerikaner in seinen frühen Jahren «fremdelten», ist inzwischen der König von New York. Der Mann, den die Amerikaner adoptierten und in ihr Herz schlossen. Sechsmal hintereinander hat der Schweizer im Ashe-Stadion gewonnen, von 2004 bis 2008. 2015 ist das Jahr seines 16. Gastspiels. Gewänne er nun, wäre es der grösste Sieg von allen. Für Federer, den Spieler, der sich immer wieder neu erfunden hat.

Weltranglisten

ATP-Weltrangliste per 31. August 2015: 1. (Vorwoche: 1.) Djokovic (Ser) 14 865. 2. (2.) Federer (Sz) 9065. 3. (3.) Murray (Gb) 8840. 4. (4.) Nishikori (Jap) 6205. 5. (5.) Wawrinka (Sz) 5710. 6. (6.) Berdych (Tsch) 5230. 7. (7.) Ferrer (Sp) 3695. 8. (8.) Nadal (Sp) 3680. 9. (9.) Cilic (Kro) 3550. 10. (10.) Raonic (Ka) 2880.

11. (11.) Simon (Fr) 2730. 12. (12.) Gasquet (Fr) 2240. 13. (13.) Isner (USA) 2235. 14. (15.) Anderson (SA) 2160. 15. (14.) Goffin (Be) 2130. 16. (16.) Monfils (Fr) 1850. 17. (17.) Dimitrov (Bul) 1735. 18. (19.) Tsonga (Fr) 1675. 19. (18.) Lopez (Sp) 1665. 20. (20.) Thiem (Ö) 1645.

Ferner: 272. (269.) Bossel (Sz) 179. 316. (311.) Chiudinelli (Sz) 145. 343. (335.) Laaksonen (Sz) 134. 365. (356.) Marti (Sz) 128.

WTA-Weltrangliste per 31. August 2015: 1. (1.) Serena Williams (USA) 12 721. 2. (2.) Halep (Rum) 6130. 3. (3.) Scharapowa (Russ) 6035. 4. (5.) Kvitova (Tsch) 4995. 5. (4.) Wozniacki (Dä) 4740. 6. (6.) Safarova (Tsch) 3800. 7. (7.) Ivanovic (Ser) 3500. 8. (8.) Pliskova (Tsch) 3335. 9. (9.) Muguruza (Sp) 3245. 10. (10.) Suarez Navarro (Sp) 3190.

11. (11.) Kerber (De) 3150. 12. (12.) Bencic (Sz) 3035. 13. (13.) Makarowa (Russ) 2920. 14. (14.) Bacsinszky (Sz) 2896. 15. (15.) Radwanska (Pol) 2760. 16. (16.) Errani (It) 2610. 17. (17.) Switolina (Ukr) 2530. 18. (18.) Petkovic (De) 2450. 19. (19.) Keys (USA) 2275. 20. (20.) Asarenka (WRuss) 2271.

Ferner: 127. (127.) Oprandi (Sz) 447. 136. (135.) Vögele (Sz) 405. 163. (163.) Vogt (Lie) 320. 235. (234.) Golubic (Sz) 192. 288. (284.) Perrin (Sz) 149. 297. (293.) Knoll (Sz) 141. 368. (365.) Sabino (Sz) 96. 393. (389.) von Deichmann (Lie) 84. 494. (491.) Sadikovic (Sz) 54.

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