TENNIS: «Nur Nadal hat das Zeug, Stan zu schlagen»

Stan Wawrinka deklassiert den Kroaten Marin Cilic und bleibt ohne Satzverlust an den French Open. Im Halbfinal trifft der 32-Jährige am Freitag auf den Weltranglistenersten Andy Murray – und darf sich die grösseren Siegchancen ausrechnen.

Jörg Allmeroth, Paris
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Meisterlicher Auftritt: Im Viertelfinal gegen Marin Cilic geriet Stan Wawrinka nie in ernsthafte Bedrängnis. (Bild: Ian Langsdon/EPA (Paris, 7. Juni 2017))

Meisterlicher Auftritt: Im Viertelfinal gegen Marin Cilic geriet Stan Wawrinka nie in ernsthafte Bedrängnis. (Bild: Ian Langsdon/EPA (Paris, 7. Juni 2017))

Jörg Allmeroth, Paris

sport@luzernerzeitung.ch

Wer hätte es noch vor ein paar Jahren gedacht: Roger Federer macht eine lange Tennispause. Er verzichtet entspannt auf die French Open, den Höhepunkt der Sandplatzsaison. Und trotzdem bestaunen die Schweizer Tennisfreunde wahre Festspiele unterm Eiffelturm. 24 Stunden nach dem starken Auftritt von Timea Bacsinszky und ihrem bemerkenswerten Halbfinaleinzug liess sich gestern im Wechselspiel der Schweizer Stars dann auch Stan Wawrinka nicht lange bitten und veredelte seinen bisher bravourösen Turnierauftritt im Stade Roland Garros mit einem meisterlichen 6:3, 6:3, 6:1-Viertelfinalsieg über den Kroaten Marin Cilic.

Auch er, Stan, the Man, wirkt wie Landsfrau Bacsinzky regelrecht berauscht von der ganz eigenen Pariser Turnieratmosphäre, es scheint so, als könne ihn im Moment nur noch Rekordchampion Rafael Nadal vom zweiten Pokalcoup nach 2015 abbringen. «Es läuft richtig gut hier für mich. Aber ich darf jetzt nicht nachlassen. Das Schwerste kommt erst noch», sagte Wawrinka, der 17 seiner letzten 18 Grand-Slam-Partien in Paris gewonnen hat und zum dritten Mal hintereinander in der Runde der letzten vier steht. Bisher hat er noch keinen Satz verloren, war in fast jeder Phase in jedem Spiel der Dominator.

Pat Cash sieht Wawrinka im Vorteil

Am Freitag trifft Wawrinka nun in einer Neuauflage des letztjährigen Halbfinals auf den Weltranglistenersten Andy Murray, der den Japaner Kei Nishikori mit 2:6, 6:1, 7:6 (7:0) und 6:1 auf die Heimreise schickte. Nur auf dem Papier, als Frontmann der Szene, kann Murray als Favorit für die Partie gegen Wawrinka gelten – aber nach dem Turnierverlauf und Wawrinkas bisherigen Bühnengastspielen ist der Schweizer der Mann, der sich die grösseren Siegchancen ausrechnen darf. «Ich sehe ihn im Vorteil», sagte etwa Australiens Ex-Weltklassemann Pat Cash, «für mich hat nur einer das Zeug, Stan zu schlagen. Und das ist Nadal.»

Cilic war mit einer 2:11- Bilanz, aber mit mächtig Selbstbewusstsein in das French-Open-Rendezvous mit Wawrinka gegangen. Er sei in der «besten Form überhaupt» auf Sand, erklärte der Kroate sogar noch in einem Vorschauinterview gut gelaunt. Doch der Spass sollte ihm rasch vergehen. Denn vom Start weg übernahm Wawrinka das Kommando auf dem Turnierplatz Suzanne Lenglen. Gegen die Kraft und Genauigkeit Wawrinkas, gegen dessen Selbstbewusstsein und innere Überzeugung hatte Cilic nichts auszurichten.

Murray hat sich in Schwung gespielt

Nie geriet Wawrinka in ernsthafte Bedrängnis, konzentriert spielte er die beiden ersten Sätze in rund eineinviertel Stunden nach Hause. Im dritten Akt geriet die Partie zur Deklassierung für Cilic, der entnervt die Bälle weit ins Aus oder serienweise ins Netz schlug. Wer es nicht wusste, nämlich, dass hier die Nummer 3 gegen die Nummer 7 der Setzliste antrat, hätte es niemals erahnen können – so krass war der Leistungsunterschied zwischen den beiden Stars.

Murray war bei der vorigen French-Open-Turnierauflage der Spielverderber für Wawrinka gewesen. Überraschend deutlich hatte er sich 6:4, 6:2, 4:6 und 6:2 im Halbfinal-Showdown durchgesetzt. «Es war ein fast perfektes Spiel von ihm», erinnerte sich Wawrinka, «ihm gelang viel, mir wenig.» Am Freitag dürften sie sich wohl eher auf Augenhöhe begegnen. Wawrinka, der konstant starke Kämpfer. Und Murray, der sich nach einem Steigerungslauf in Schwung gebracht hat für das Duell. «Ich bin bereit für einen richtigen Fight. Ich gehe mit Respekt, aber auch mit Rückenwind in dieses Match», sagte Murray.

French Open

Paris. Grand-Slam-Turnier (35,981 Mio. Euro/Sand). Männer. Viertelfinals: Wawrinka (SUI/3) s. Cilic (CRO/7) 6:3, 6:3, 6:1. Murray (GBR/1) s. Nishikori (JPN/8) 2:6, 6:1, 7:6 (7:0), 6:1. Thiem (AUT/6) s. Djokovic (SRB/2) 7:6 (7:5), 6:3, 6:0. Nadal (ESP/4) s. Carreño Busta (ESP/20) 6:2, 2:0 Aufgabe (Bauchmuskelverletzung). – Halbfinal-Tableau: Murray (1) – Wawrinka (3), Nadal (4) – Thiem (6).

Frauen. Einzel. Viertelfinals: Pliskova (CZE/2) s. Garcia (FRA/28) 7:6 (7:3), 6:4. Halep (ROU/3) s. Switolina (UKR/5) 3:6, 7:6 (8:6), 6:0. – Halbfinal-Tableau: Ostapenko – Bacsinszky (30), Halep (3) – Pliskova (2).

Doppel. Viertelfinal: Hingis/Chan (SUI/TPE/3) s. Olaru/Sawtschuk (ROU/UKR) 6:2, 6:1. – Hingis/Chan im Halbfinal gegen Mattek-Sands/Safarova (USA/CZE/1),

Juniorinnen. Einzel. Achtelfinal: Swiatek (POL/5) s. In-Albon (SUI/Q) 6:0, 6:0.