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TENNIS: Roger Federer: «Ich muss meinen Körper schonen»

Die Auftaktniederlage von Roger Federer in Key Biscayne ist für die Turnierveranstalter ein Schock. Für den 36-jährigen Schweizer Superstar hat das vorzeitige Aus ebenfalls Konsequenzen.
Jörg Allmeroth
Kam gegen den australischen Qualifikanten Thanasi Kokkinakis nie auf Touren: Roger Federer. (Bild: Al Bello/Getty (Key Biscayne, 24. März 2018))

Kam gegen den australischen Qualifikanten Thanasi Kokkinakis nie auf Touren: Roger Federer. (Bild: Al Bello/Getty (Key Biscayne, 24. März 2018))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Es ist noch nicht lange her, da galt das Masters-Turnier in Miami in der Tennisbranche mal als der «fünfte Grand Slam». Es war das grösste, wichtigste, prestigereichste Turnier neben den vier Grand Slams und der Profi-Weltmeisterschaft. Aber der Ruhm und die Bedeutung haben sich verbraucht über die Jahre, andere Wettbewerbe sind längst mit mächtigem Geldeinsatz vorbeigezogen. Zum Beispiel Indian Wells, das Turnier in der kalifornischen Wüste, ein Spielzeug des Software-Milliardärs Larry Ellison. 2018 ist auch eine Abschiedsvorstellung in Miami, es ist der finale Showdown auf dem Eiland Key Biscayne, nächstes Jahr gastiert das Masters dann auf dem Festland, im und um das Hardrock-Stadion der Miami Dolphins.

In der idealen Welt hätten sie sich ein letztes grosses Ausrufezeichen gewünscht, unter den Palmen von Key Biscayne. Grosse Namen, grosse Sieger an dieser Wegscheide des Turniers, in diesem historischen Moment. Am besten Serena Williams und Roger Federer, die beiden beherrschenden Spieler dieser Ära. Aber was dann passierte, das passte irgendwie eher zu der ­Tristesse der letzten Jahre, dem schleichenden Ansehensverlust, dem Absturz in der Hierarchie des Wanderzirkus. Serena Williams, sicher kein Wunder, verlor gleich zum Auftakt gegen die ­junge, stürmische Aufsteigerin Naomi Osaka aus Japan, Williams tastet sich schliesslich nach ihrer Babypause erst mühsam wieder an alte Klasse heran. Doch der Samstagabend war ein Schockmoment für dieses Turnier, für das letzte Hurra in Key Biscayne, für diesen traditionsreichen Standort.

Sandplatzsaison ist gestrichen

Es war der Moment, an dem sich, kurz gesagt, dies ereignete. Roger Federer, der Held der ganzen Tenniswelt, kam, sah und ging. Er verlor, einerseits nicht restlos überraschend, nach dem strapaziösen 2018er-Saisonauftakt mit 6:3, 3:6 und 6:7 (4:7) gegen den Australier Thanasi Kokkinakis. Und doch war es, andererseits, eine Verblüffung, weil sich diese Niederlage gegen einen 21-jährigen Youngster abspielte, der sich bei einem zähen Comeback nach ewigen Verletzungsproblemen immer noch schwer tut – in ­Miami hatte sich Kokkinakis, die Nummer 175 der Weltrangliste, durch die Qualifikation ins Hauptfeld durchschlagen müssen. Dass er nach der Startpleite nun seine Nummer-1-Platzierung in den Charts wieder an den verletzt abwesenden Rafael Nadal verliert, quittierte Federer in glasklarer Kürze hinterher so: «Nach diesem Match verdiene ich das auch.»

Genauso konsequent war auch Federers Verdikt, jetzt erst einmal einen Schlussstrich unter seine Dienstreisen und Turniergastspiele zu setzen. Wie im vergangenen Jahr wird sich der 36-jährige Veteran nicht an den ermüdenden Rutschübungen im roten Sand beteiligen, schon vor der Niederlage in Miami habe er nach «sehr kurzer Aussprache mit dem Trainerteam» die Entscheidung gefällt, die komplette Aschenplatzserie auszulassen, einschliesslich der French Open in Paris. Nach jetzigem Stand der Dinge, der offiziellen Vertrags­situation, würde Federer erst wieder zu den Gerry Weber Open ab dem 18. Juni in Halle zurückkehren, dort will Federer zum ersten Mal in seiner Karriere einen Titel zum zehnten Mal gewinnen. Bisher gibt es noch keine Abmachung mit dem vorher stattfindenden Stuttgarter ATP-Turnier (ab 11. Juni), es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass der vierfache Familienvater auch dort aufschlagen wird.

Der letzte Biss fehlte zuletzt

Federers Entscheidung gilt manchen in der Szene als Wagnis, als Risiko, er setze zu sehr alles auf die Karte einer wieder erfolgreichen Rückkehr auf Rasen. Dabei ist diese Entscheidung in Wahrheit vor allem eins: alternativlos. Denn Federer muss sich seine inzwischen begrenzten Ressourcen gut einteilen, schon in Indian Wells spürte er zuletzt die Folgen seines neuerlichen Husarenritts zum Saisonstart. In Miami fehlte ihm nun der letzte Biss, die letzte Konsequenz im Spiel. Er kam, wie er selbst sagte, «nie richtig auf Touren». Jetzt gehe es darum, «sich zu erholen, den Körper zu schonen und dann einen grossen Trainingsblock einzulegen, um für den Rest der Saison gerüstet zu sein». Also vor allem für die Rasensaison mit Wimbledon und dann noch einmal für die Hartplatzserie mit den US Open. Die Weniger-ist-mehr-Strategie folgt auch einem übergeordneten Ziel des Maestro, das er so formulierte: «Ich will so lange wie möglich weitermachen mit dem Tennis. Deshalb muss man das alles sehr überlegt planen.»

Federer hätte auch auf die eigentlich prekäre Lage in der Weltspitze verweisen können, auf die Verletzungsmisere, die andere Topcracks plagt und plagt. Rafael Nadal, Andy Murray und Stan Wawrinka zollen den Anstrengungen in der Tretmühle der Tour bitteren Tribut, wann und wie lange sie zurückkehren können, ist ungewiss. Hinzu kommen die Rätsel um Come­backer Novak Djokovic, der in Miami bei seinem ersten Match scheiterte, wie zuvor auch schon in Indian Wells. So wird sich das Turnier nun von seinem alten Schauplatz mit einem bemerkenswerten Eintrag verabschieden müssen – mit der Tatsache, dass erstmals seit knapp zwölf Jahren (Hamburg 2006) keiner der Big Four (Federer, Nadal, Murray, Djokovic) auch nur die dritte Masters-Runde erreichte.

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