TENNIS: Roger Federer: «Stecke Niederlagen schneller weg»

Nach einer Pause von fünf Wochen bestreitet Roger Federer das Turnier in Cincinnati. Die Vorbereitung verlief unter strenger Geheimhaltung.

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Peilt in Cincinnati seinen siebten Titelgewinn an: Der 17-fache Grand-Slam-Champion Roger Federer. (Bild: AP/John Minchillo)

Peilt in Cincinnati seinen siebten Titelgewinn an: Der 17-fache Grand-Slam-Champion Roger Federer. (Bild: AP/John Minchillo)

Jörg Allmeroth, Cincinnati

Mehr als fünf Wochen hat es nach dem Saisonhöhepunkt in Wimbledon gedauert, bis sich die grosse Tennis-karawane wieder mit allen Stars und Sternchen der geneigten Kundschaft im amerikanischen Cincinnati präsentiert. Zu guter Letzt ist nun auch der ausdauerndste Sommerfrischler zu der Wandertruppe hinzugestossen – Roger Federer, Finalteilnehmer im All England Club, inzwischen 34 Jahre alt und seit dieser Woche die Nummer 3 der Tenniswelt. «Es war nötig, durchzuatmen, neue Kraft und Energie zu tanken. Jetzt will ich wieder angreifen», sagt Federer vor dem Schlussspurt der Saison.

Anspruchsvolles Restprogramm

So lang wie in der Saison 2014 wird Federers Spielzeit nicht werden, damals stand ja noch der abschliessende Höhepunkt des Davis-Cup-Finals im französischen Lille an. Doch genügend Aufgaben und Reisetätigkeit stehen noch vor ihm, vor dem ältesten aller Elitespieler des Tourbetriebs: das US Open in New York, das letzte Major der Saison. Das Davis-Cup-Relegationsspiel in Genf gegen Holland. Und dann der heisse Herbst mit dem Qualifikationsrennen um die Plätze für die WM sowie der Heimauftritt in Basel. Und am Ende eben noch das World-Tour-Finale in London, das Championat der acht Topspieler, bei dem Federer und French-Open-Gewinner Stan Wawrinka am Start sein dürften. Wieder einmal in diesen bewegten Zeiten sind zwei Schweizer in diesem ausgewählten Profikreis.

Der Besuch in Afrika

Federer hat in diesem fortgeschrittenen Stadium seiner Karriere keine übergrosse Mühe mehr, Niederlagen wie auch jene im Wimbledon-Endspiel gegen Nummer-1-Mann Novak Djokovic hinter sich zu lassen. Meist sind Frust, Ärger und Enttäuschung schon am Tag danach verraucht: «Ich stecke Niederlagen schneller weg.» Es habe keinen Sinn, «sich noch lange mit etwas zu beschäftigen, was nicht mehr zu ändern ist», sagt Federer, «man muss halt nur bestimmte taktische und technische Dinge analysieren.» Nach dem Scheitern im letzten «Fall für zwei» auf dem ehrwürdigen Centre Court hatte Federer auch Zeit gefunden, um sich in Afrika über Stiftungsprojekte zu informieren und in Malawi eine Vorschule zu eröffnen. Wie stets hatte Federer bei seinem Abstecher auf den Heimatkontinent seiner Mutter (Südafrika) jeglichen grösseren Medienrummel vermieden.

Auch seine spätere Vorbereitung auf die anstehenden Herausforderungen im Spätsommer und Herbst verlief unter dem Aspekt strenger Diskretion, wenn nicht gar Geheimhaltung. Zwar tauchten hin und wieder Fotos in den sozialen Medien vom trainierenden Federer auf, speziell aus dem Umfeld des Grasshoppers-Clubs in Zürich, doch Federer legt traditionell Wert auf Verschwiegenheit an seinen Übungsdomizilen. Bekannt wurde freilich, dass Federer unter anderen den schwedischen Nachwuchsstar Elias Ymer für ein kleines dreitägiges Trainingslager nach Zürich eingeladen hatte – auf Vermittlung von Berater Stefan Edberg. «Wenn man so eine Chance bekommt, sagt man natürlich sofort Ja», liess sich Ymer in der schwedischen Presse vernehmen. Übrigens: In den letzten Jahren hatte Federer auch Übungseinheiten mit den aktuell heftig umstrittenen Australiern Nick Kyrgios und Thanasis Kokkinakis absolviert.

Federer braucht Spiele und Siege

Federer hatte ohne nähere Angabe von Gründen auf einen Start beim Masters in Montreal verzichtet, bei dem sich die restliche Weltelite bereits versammelt hatte – dort war auch Wimbledon-Sieger Djokovic wieder ins Turniergeschäft eingestiegen (siehe Kasten). Nun also Cincinnati als Schauplatz der Rückkehr – eines der Lieblingsturniere des Maestros, der hier bereits sechs Mal gewonnen hat und als Titelverteidiger an den Start geht. Vor zwölf Monaten hatte er das Endspiel gegen den Spanier David Ferrer gewonnen.

Jetzt trifft Federer in seinem Auftaktspiel entweder auf den Spanier Roberto Bautista-Agut oder auf den aus Uruguay stammenden Pablo Cuevas. Schon im Viertelfinal könnte es zu einem Duell mit Matador Rafael Nadal kommen, in der Vorschlussrunde eventuell zum Zweikampf mit dem neuen Weltranglisten-Zweiten Andy Murray. So weit denkt Federer aber nicht voraus. «Ich muss wieder den Rhythmus finden. Ich brauche Spiele und Siege», sagt er.