TENNIS: Sandkönig überfordert Wawrinka

Ein überragender Rafael Nadal lässt dem Schweizer Stan Wawrinka im Final der French Open keine Chance und gewinnt mit 6:2, 6:3 und 6:1. Für Nadal ist es in Paris schon der zehnte Triumph.

Jörg Allmeroth, Paris
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Ein ratloser Verlierer gestern in Paris: Stan Wawrinka. (Bild: Yoan Valat/EPA)

Ein ratloser Verlierer gestern in Paris: Stan Wawrinka. (Bild: Yoan Valat/EPA)

Jörg Allmeroth, Paris

sport@luzernerzeitung.ch

Es ist sein Platz, sein Revier, sein rotes Paradies. Auf der Höhe seiner Kunst kann ihn dort, auf der grossen Grand-Slam-Bühne von Paris, nichts und niemand stoppen. Ihn, Rafael Nadal, den besten Sandplatzspieler aller Zeiten.

Als am Sonntagnachmittag abgerechnet war bei den French Open des Jahres 2017, da hatte er seine Turniermission mit dem magischen zehnten Titel abgeschlossen: «La Decima», dieser letzte, neueste Karriere-Meilenstein, war zugleich auch eine der hochwertigsten persönlichen Leistungen im Weltsport dieser Tage. «Ich bin überglücklich. Mir fehlen die Worte. Das ist der grösste und wichtigste Sieg meiner Karriere», sagte Nadal nach seinem ungefährdeten 6:2, 6:3, 6:1-Sieg gegen den Schweizer Stan Wawrinka. Auch jener Wawrinka konnte Nadals Sturmlauf zum Sieg nicht im Mindesten aufhalten. Ihm hatte man als Einzigem wirklich Chancen eingeräumt, er wirkte aber genau wie alle anderen überfordert.

Wieder Tränen für Nadal in Paris

Vor einem Jahr noch sass Nadal tief frustriert im Presseraum des Stadions Roland-Garros. Es war am ersten Turniersamstag, als er seinen bitteren Verletzungsrückzug verkünden musste – mit Tränen in den Augen. Gerührt und angefasst war Nadal auch gestern, doch aus schönem Grund. La Decima war der End- und Höhepunkt einer zähen Comebackanstrengung Nadals. Immer wieder war der 31-Jährige in den letzten Jahren von Rückschlägen gebeutelt worden. Dass er überhaupt jemals wieder in der Weltspitze würde mitspielen können, war nicht klar. «Es gab Zweifel, aber meine Leidenschaft, wieder stark zurückzukommen, war noch stärker», sagte Nadal.

Der unglaubliche zehnte Sieg Nadals war schon der zweite Renaissance-Moment eines Tennis-Titanen in dieser Saison. Begonnen hatte das Jahr mit Federers atemraubender Rückkehr in Melbourne, er schlug damals im Final Nadal und gewann auch die Masters-Turniere in Indian Wells und Miami. Federer prophezeite Nadal einen Erfolgsmarsch im Sand, und er sollte Recht behalten. Die French Open wurden zu einem Solo für den Spanier. Zu bestaunen war ein formvollendeter Alleingang, zum dritten Mal nach 2008 und 2010 gewann Nadal das Turnier ohne Satzverlust.

Nadal rückt Federer wieder näher

Seinem ewigen Weggefährten und Freund Federer ist Nadal mit dem jüngsten Grand-Slam-Coup etwas näher gerückt. Er hat jetzt 15 Major-Titel eingesammelt, damit liegt er auf Platz 2 der ewigen Bestenliste – nur noch drei Siege hinter Federer. Vielleicht sind es wieder Federer und Nadal, die sich auch demnächst in Wimbledon um den Pokal streiten. Ausgeschlossen ist das nicht – bei dem Selbstbewusstsein, das Nadal mitnehmen wird.

Selbst Wawrinka fertigte er im letzten Spiel von Paris mit einer Dominanz ab, die Ungläubigkeit hinterliess. Wawrinka befand sich von Anfang an in der Rolle des Gehetzten und konnte sich kaum einmal auf Augenhöhe mit Nadal etablieren. Es war der Ausdruck seiner Ratlosigkeit, als er gegen Ende des zweiten Satzes sein Racket zertrümmerte. Stan, the Man, in der Opferrolle. Gegen den Mann, den sie in Paris auch den «Kannibalen» nennen. Weil er so siegversessen ist im Stade Roland-Garros. «Er war einfach nicht zu stoppen. Rafa ist unglaublich», sagte Wawrinka bei der Siegeszeremonie, «ich kann ihm nur gratulieren.»

Wawrinka fehlte auch die Kraft

Wawrinka kam auch mit einem Malus in dieses vierte Grand-Slam-Endspiel seiner Karriere. Auf dem Weg zum Final hatte er zu viel Kraft gelassen, besonders im Viereinhalb-Stunden-Klassiker im Halbfinal gegen Andy Murray. Auf der anderen Seite des Netzes stand ein beinahe ausgeruhter frischer Nadal. Der Spanier hatte satte fünf Stunden weniger Matchzeit bis zum Final verbraucht. Wawrinka fielen die Schritte schwer. Nadal war und blieb der Diktator dieses siebten seiner Matches, ganze sechs Spiele gab er im Final ab. Es scheint, als spielte Nadal in Paris in einem eigenen Tennis-Universum. La Decima, der zehnte Titel, bedeutet deshalb auch nicht den French-Open-Schlusspunkt. Sondern allenfalls eine Zwischenstation.

French Open

Paris. Grand-Slam-Turnier (35,981 Mio. Euro/Sand). Männer. Einzel. Final: Nadal (ESP/4) s. Wawrinka (SUI/3) 6:2, 6:3, 6:1.

Frauen Doppel. Final: Mattek-Sands/Safarova (USA/CZE/1) s. Barty/Dellacqua (AUS) 6:2, 6:1.