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TENNIS: Viele Rätsel um Roger Federer

Roger Federer übersteht auch die zweite Runde der US Open nur mit viel Mühe. Trotzdem erstaunt er mit seinem Statement: «Ich fühle mich physisch extrem gut.»
Roger Federer spielte am Donnerstag in einem neuen Outfit. (Bild: Jason Szenes/EPA (New York, 31. August 2017))

Roger Federer spielte am Donnerstag in einem neuen Outfit. (Bild: Jason Szenes/EPA (New York, 31. August 2017))

Jörg Allmeroth, New York

Vor ein paar Wochen, in seinem grünen Tennis-Paradies in Wimbledon, war alles in fein säuberlicher Ordnung. Da trat Roger Federer jeden zweiten Tag zu seinen Matches an, gewann jedes Spiel mit souveräner Leichtigkeit in drei Sätzen – und selbst im Final gegen den Kroaten Marin Cilic kam niemals Spannung und Thrill auf. Federers geglückte Rekordjagd zum achten Titel war ein sporthistorischer Moment, aber es herrschte auch gepflegte Langeweile im Theater der Tennisträume.

Über Spannungsarmut können sich Fans und die Medienmeute nun aber nicht beklagen, beim Abschluss der Grand-Slam-Saison in New York – so verrückt, geheimnisvoll und mysteriös wie bei diesen US Open des Jahres 2017 ging es selten zu mit Maestro Federer. Wo in Wimbledon noch alles berechenbar und irgendwie vernünftig lief beim 36-jährigen Grossmeister, sorgen Federers Gastspiele im Arthur-Ashe-Stadion schon in den Startrunden für massive Aufregung und Tennis-Thrill.

Nachdem sich der 19-malige Majorgewinner bereits in der Startrunde mit letzter Kraft und Mühe durchs Ziel gehangelt hatte, gegen den zupackend auftretenden 19-jährigen Amerikaner Francis Tiafoe, lieferte Federer am Donnerstagnachmittag selbst gegen seinen Lieblingsgegner im Wanderzirkus, den 35-jährigen Russen Michail Juschni, eine erstaunliche Zitternummer: 1:2 lag der Schweizer sogar zurück auf dem Hauptplatz, ehe er sich noch aus der Bedrängnis entfesseln konnte und nach drei Stunden und sieben Minuten mit 6:1, 4:6, 6:7, 6:4 und 6:3 siegte. 16 Mal hatte Federer in den letzten 17 Jahren zuvor gegen Juschni gespielt, die Bilanz lautete 16:0-Siege und 31:4-Sätze – und nun dieser nervöse, oft fahrige Auftritt, bei dem Federer trotz 68 einfachen Fehlern noch als Erster durchs Ziel ging. Auch begünstigt durch körperliche Probleme bei Juschni, der ab Mitte des vierten Satzes von schweren Krämpfen geplagt wurde.

Wie steht es um seinen Rücken?

Wie es um Federers Physis und Fitness steht, weiss keiner in der grossen Grand-Slam-Karawane so genau. Seit dem Masters-Turnier in Toronto leidet der Mittdreissiger wieder unter Rückenschmerzen, damals wirkte er im Final gegen den jungen Alexander Zverev massiv beeinträchtigt. Anschliessend sagte er für den Wettbewerb in Cincinnati ab, wollte noch einmal Kraft tanken und sich regenerieren. Er fühle sich «physisch extrem gut», sagte Federer dann nach der harten Erstrundenplackerei in New York gegen Tiafoe, nur passten die Bilder dieser Partie nicht zu den Worten des Tennis-Genius. Von seiner gewohnten Geschmeidigkeit und Eleganz war da nichts zu sehen, er schien seinem Körper nie so recht und vollständig zu trauen.

Bevor er sich in das Zweitrundenabenteuer gegen den alten Weggefährten Juschni stürzte, verblüffte Federer auch im Trainingsbetrieb. Um Zeit zu sparen und die Nerven zu schonen, verzichtete er am Mittwoch auf den stressigen Shuttle aus den Wolkenkratzer-Schluchten Manhattans hinüber nach Flushing Meadow, dort, wo es bei den Übungseinheiten stets brechend voll ist. Auf den Plätzen und daneben, auf den Zuschauertribünen. So tauchte der erfolgreichste Tennisspieler dieser Epoche auf einmal auf einem der öffentlichen Plätze im Central Park auf, ein Novum in seiner Karriere, aber kein Novum in der Turniergeschichte: Auch Björn Borg und Jimmy Connors hatten vor einigen Jahrzehnten schon in der grünen Lunge New Yorks an ihren Schlägen gefeilt.

Ein Novum in seiner Karriere

Zehn Sätze und fast sechs Stunden lang hat Federer nun schon bei diesen aussergewöhnlichen US Open gespielt, niemals musste er in seiner Ausnahmekarriere in den beiden Auftaktrunden schon über die volle Distanz gehen. «Auf jeden Fall bin ich jetzt gut aufgewärmt», sagte er nach der Partie gegen Juschni scherzend, wehrte dann alle Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ab: «Es war mehr das Timing heute, das mir fehlte oft. Ich habe den Ball nicht gut gespürt.» Eins zeigt Federer in jedem Fall, neben seinem Improvisationstalent – den Biss und den Mumm eines Mannes, der gelernt hat, mit Schwierigkeiten und Widrigkeiten umzugehen. Der selbst nach 323 Grand-Slam-Matches nicht müde wird, um jeden Punkt zu kämpfen. «Jeder junge Spieler sollte genau hinsehen bei Federer, bei seinem Durchhaltewillen und seiner grossartigen Moral», sagte der ehemalige amerikanische Davis Cup-Captain Patrick McEnroe.

Der nächste Härtetest für Federer kommt am Samstag, gegen den Spanier Feliciano Lopez. Es ist ein erneutes Ü30-Duell, gegen einen Rivalen, gegen den er ebenfalls noch nie verloren hat in zwölf zurückliegenden Matches. Die Federer-Show geht in die Fortsetzung, Ausgang herrlich ungewiss.

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