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TENNIS: Warten auf neue Magier

Der Zauber von Roger Federer zieht das Publikum in Basel von Jahr zu Jahr stärker in den Bann. Für einen magischen Moment, der vieles über das Welttennis aussagt, war 2017 aber auch ein anderer Spieler besorgt.
Ralf Streule, Basel
Auch gestern: zufriedene Federer-Fans in der ausverkauften St.-Jakobs-Halle. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2017) (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2017))

Auch gestern: zufriedene Federer-Fans in der ausverkauften St.-Jakobs-Halle. Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2017) (Bild: Alexandra Wey/Keystone (Basel, 28. Oktober 2017))

Ralf Streule, Basel

Auch wenn man es kaum mehr hören mag: Sie ist riesig, die Roger-Federer-Manie an den Swiss Indoors in Basel. Das lässt sich, erstens, rein statistisch ablesen. Wenn der 36-jährige Superstar spielt, ist der Tennistag für die Veranstalter gerettet. Anstatt 8000 verkaufter Tagestickets sind es an Federertagen 9200. Ausverkauft. Zweitens ist die Manie und Magie zu hören: in Form von Begeisterungsstürmen wie gestern Nachmittag im Halbfinal. Und eindrücklicher fast noch in der stillen Erwartung vor Federers Spielen, im Raunen und Flüstern im Publikum bei seinen Auftritten.

Drittens ist der Zauber förmlich zu spüren: wenn vor den Spielen die Schritte der Zuschauer und der Helfer in den Gängen des Stadions hektischer werden und danach, wenn auf ihren Gesichtern ein entrücktes Lächeln steht. Eine ganz spezielle Magie aber strahlt Federer aus, wenn er nach gewonnenem Spiel in den Presseraum tritt, sich in den tiefen Sessel sinken lässt und minutenlang unangestrengt Unterhaltung auf hohem Niveau bietet.

Federer im Element

So kommt es, dass er nach seinem Sieg am Freitag gegen Adrian Mannarino kurz vor Mitternacht einen Schlag – vielleicht seinen Schlag des Turniers – in drei Sprachen auf mehrmaliges Nachhaken von Journalisten analysiert. Im dritten Satz hatte er zwei Breakchancen des Franzosen abwehren müssen, den ersten bravourös, in der Rückwärtsbewegung mit einem Halbvolley auf die Linie. Was dachte er vor, was während des Schlags, und wie lange kam ihm die Sekunde vor, in der der Ball die Linie anpeilte? «O Gott, ich treffe ihn. O Gott, er hat die richtige Länge und Richtung! O Gott, er landet auf der Linie. Und der Gegner kommt nicht mehr ran!» Federer spricht über Glück und Pech. Die mentale Wirkung dieses Schlages auf Mannarino. Die Psychologie des Tennis, Federer im Element, die Journalisten aus aller Welt amüsiert, gebannt. Ein magischer Moment.

Es gab aber jene andere Situation an den diesjährigen Swiss Indoors, in welcher – in Abwesenheit Federers – ebenfalls ein Zauber steckte. Marin Cilic hatte sich am Freitagabend gerade für den Halbfinal qualifiziert. Der Verlierer, der Ungar Marton Fucsovics, die Weltnummer 100, machte sich mit Sack und Pack auf den Weg zum Spielertunnel. Und blieb zögerlich stehen, als er merkte, dass der grosse Beifall der gut 9000 Zuschauer nicht dem Sieger galt. Sondern ihm, der den Kroaten mit präzisem kraftvollem Spiel bis aufs Letzte über drei Sätze und drei Stunden lang gefordert ­hatte. Ein fast scheues Winken hier und dort – und weg war er.

Die Situation zeigte, was sich das Publikum neben der Federer-Mania offenbar ebenso ersehnt: neue Köpfe, die das Welttennis dereinst aufmischen könnten. Überraschungen, Entdeckungen, das Unbekannte.

Wunder brauchen etwas länger

Es ist der Moment, in dem man sich fragt: Wer bringt in weiterer Zukunft die magischen Momente? Nun wird es kaum Fucsovics beschieden sein, die Weltelite aufzumischen. Der 25-jährige ehemalige Junioren-Wimbledonsieger war an den Swiss Indoors zwar eine Entdeckung, hat auf der ATP-Tour zuvor aber noch kaum grössere Stricke zerrissen. Die Hoffnungen ruhen auf anderen. Nachdem die «verlorene Generation» um Milos Raonic, Kei Nishikori oder Grigor Dimitrov die Phalanx der Grossen um Rafael Nadal, Novak Djokovic, Federer und Co. nie durchbrechen konnte, zum Beispiel auf dem 20-jährigen Deutschen Alexander Zverev, der in Wien am Freitag im Viertelfinal scheiterte. Aber auch auf dem 18-jährigen Kanadier Denis Shapovalov, der in Basel als der grosse Newcomer angekündigt war. Er scheiterte im Achtelfinal an Mannarino. Wunder brauchen eben etwas länger.

So blieb es in Basel einmal mehr beim Status quo: In den gestrigen Halbfinals landeten die vier Gesetzten des Turniers. Federer und Juan Martin Del Potro, die zwei meist genannten Favoriten, stehen im heutigen Final. Es ist ein Status quo, der in Basel aber gerne ertragen wird, solange Federer mit von der Partie ist. Die Veranstalter um Roger Brennwald wissen, was sie am Maestro haben, der an den Swiss Indoors noch mindestens bis 2019 zu sehen sein soll. Gleichzeitig sind sie aber überzeugt: Das Turnier wird dereinst auch ohne den Schweizer Weltstar erfolgreich sein – wie es dies schliesslich schon vor der goldenen Schweizer Ära war. Irgendjemand wird in die grosse Lücke treten – auch wenn jener Mister X sie wohl nie gänzlich ausfüllen wird.

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