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TENNIS: Wawrinka in Wimbledon: Erst getaumelt, dann gestürzt

Stan Wawrinka scheitert in Wimbledon bereits in der ersten Runde am Russen Daniil Medwedew. Der Romand hinterlässt beim frühen Ausscheiden einen ratlosen Eindruck.
Jörg Allmeroth
Fliegt in Wimbledon erneut früh aus dem Turnier: Stan Wawrinka. (Bild: Kirsty Wigglesworth/Keystone (London, 3. Juli 2017))

Fliegt in Wimbledon erneut früh aus dem Turnier: Stan Wawrinka. (Bild: Kirsty Wigglesworth/Keystone (London, 3. Juli 2017))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Bis zum allerletzten Tag hatte er in Paris um den Titel gekämpft. Stundenlang rieb sich Stan Wa­wrinka unter dem Eiffelturm in den zähen Rutschpartien im Sand auf, bevor er schliesslich in Rafael Nadal im Finalmatch seinen Meister fand. Viel hatte sich Wawrinka auch für Wimbledon vorgenommen, für jenes Grand-Slam-Turnier, dessen Sieggeheimnisse er für sich noch nicht hatte auflösen können. Er hatte sogar mit dem Amerikaner Paul Annacone als Berater sein Team erweitert, er wollte sich nicht nachsagen lassen, nicht alles versucht zu haben.

Doch als nun am ersten Abend der Ausscheidungsspiele an der Church Road die grosse Bilanz gezogen wurde, da war Wawrinka der grosse Verlierer: Mit versteinertem Gesicht marschierte der Romand nach einer einerseits überraschenden, andererseits nicht völlig sensationellen 4:6, 6:3, 4:6, 1:6-Niederlage gegen den 21-jährigen Russen Daniil Medwedew vom Centre Court. Es war ein Moment, in dem es so aussah, als bliebe Wawrinkas sehnlicher Wunsch, auch einmal das berühmteste aller Tennisturniere zu gewinnen, für immer unerfüllt.

Schlechtes Zeugnis von McEnroe

Woran lag es, dass Wawrinka abermals unzeitig die Koffer packen musste? Am eigenen hohen Anspruch? Am Erwartungsdruck der Fans der Tennisszene, die von einem dreimaligen Grand-Slam-Sieger inzwischen stets bei den Topwettbewerben auch Topleistungen erwartet? Spielte auch Wawrinkas Knieverletzung eine gewisse Rolle, immerhin wurde der Weltranglistendritte auch während des Spiels deswegen mehrfach behandelt. Es war vermutlich, wie so oft im Sport, eine Mischung aus vielen Faktoren, eine Verkettung von schwierigen Umständen, die Wawrinka erst taumeln und dann stürzen liess. Und, nicht zu vergessen: Er traf auch auf einen Gegner, von dem man noch hören wird im Welttennis. Medwedew, in dieser Woche erstmals unter den Top 50 der Weltrangliste notiert, ist ein unorthodoxer Gegner, der auch anderen in Wimbledon Schwierigkeiten bereiten kann. «Ich spielte einfach drauflos. Ich dachte gar nicht über das nach, was passierte», sagte Medwedew später, nachdem er den Centre Court-Rasen im Siegesrausch noch mit einem Kuss bedacht hatte. Es war bemerkenswert genug, sein allererstes Spiel im Hauptfeld von Wimbledon – und auch den ersten Grand-Slam-Match auf einem Topcourt.

Alles hängt mit allem zusammen. Auch das liess sich an diesem Tag getrost feststellen. Denn noch im letzten Jahr war Medwedew in der Wimbledon-Qualifikation an einem gewissen Marcus Willis gescheitert, dem Sunnyboy mit einem Weltranglisten-Platz jenseits der 700, der später bei einem denkwürdigen Rendezvous mit Roger Federer auf dem Centre Court aufschlug. Nun stand Medwedew im Hauptfeld, und er besiegte den Mann, der eigentlich nur zu gerne in Wimbledon einmal, wenigstens einmal aus dem Schatten von Roger Federer herausgetreten wäre. Doch dafür reichten offenbar weder Wawrinkas psychische wie physische Kräfte aus, er wirkte eigentlich bei diesem Auftritt nie wie einer, der von sich und seiner Mission überzeugt war. «Man sieht ihm an, dass er am liebsten gar nicht auf diesem Platz stehen möchte», gab TV-Plaudertasche John McEnroe am Mikrofon der BBC zu Protokoll, «das ist nicht der wahre Stan. Nicht der Mann, der Grand-Slam-Turniere gewinnen will – und die er auch gewinnt ab und zu». Faktisch vorentscheidend für Wawrinkas Niederlage war das unkonzentrierte Aufschlagsspiel beim 4:5-Rückstand im dritten Satz. Wawrinka hatte schon Spielbälle zum 5:5, doch binnen kürzester Frist waren dann Break und Satzverlust perfekt. Der vierte Satz war dann eine meist einseitige Angelegenheit zu Gunsten Medwedews, der schon im bisherigen Verlauf der Rasensaison überzeugt hatte. Ganz anders als Wawrinka, der diesen Saisonabschnitt nun ohne einen einzigen Sieg beendete.

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