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TENNIS: Wimbledon bleibt das grösste Ziel von Roger Federer

Mit dem 6:3, 6:4-Finalsieg in Miami gegen Rafael Nadal hat sich Roger Federer in dieser Saison einmal mehr selber überrascht. Trotzdem: Die Jagd auf die Nummer 1 zählt nicht zu seinen Prioritäten.
Jörg Allmeroth
Er könnte die ganze Welt umarmen: Roger Federer nach dem 91. Turniersieg in seiner einzigartigen Karriere. (Bild: Erik S. Lesser/EPA (Miami, 2. April 2017))

Er könnte die ganze Welt umarmen: Roger Federer nach dem 91. Turniersieg in seiner einzigartigen Karriere. (Bild: Erik S. Lesser/EPA (Miami, 2. April 2017))

Jörg Allmeroth

sport@luzernerzeitung.ch

Als Roger Federer sich im Winter-Trainingslager in Dubai mit seinen engsten Vertrauten zusammensetzte, war die Marschroute für 2017 schnell abgesteckt. In den ersten vier, fünf Monaten sollte er sich bei seinem Comeback langsam, aber beharrlich an die Weltspitze zurücktasten, Selbstbewusstsein und Schlag­sicherheit finden und vielleicht auch einmal in die Nähe eines Turniersieges kommen. Seine Saison, das war der naheliegende Plan, würde «erst so richtig nach den French Open» beginnen, in der Vorbereitung auf Wimbledon, auf die Hartplatzmonate – die Zeit also, die traditionell die Federer-Zeit im Tennis ist. Die Zeit, in der er fast immer seine grössten Erfolge feierte.

Federer ist einer der grössten Realisten in seinem Sport. Er weiss, was möglich ist für ihn – und was nicht. Er ist der schärfste Analytiker, der klarsichtigste Beobachter, wenn es um ihn selber geht. Und deshalb könnte es in diesen wundersamen Tagen auch keinen geben, der über Federer mehr erstaunt wäre als Federer selber. Am Sonntagabend stemmte der 35-Jährige schon zum dritten Mal in dieser Saison einen mächtigen und wichtigen Pokal in die Höhe, beim Millionenspektakel in Miami.

Harakiri-Tennis gibt Federer Recht

Wie zuvor in Melbourne, bei den Australian Open, und in Indian Wells löste sich das grosse Fragespiel um den Turniergewinner ebenso verblüffend wie denkwürdig im Namen Federer auf: «Es ist das Verrückteste, was mir in meiner Karriere passiert ist», sagte der Maestro nach dem 6:3, 6:4-Sieg über Rafael Nadal, nach dem 91. Erfolg in seiner Ausnahmekarriere. Noch immer gelte für ihn, so Federer: «Der eigentliche Start ins Jahr kommt nach Paris. Wimbledon ist weiter das grösste Ziel für mich.»

Federer hat Unmögliches aber schon sofort erledigt, Wunder können nun etwas später folgen. Sein Comeback ist – bei aller Vorsicht vor Superlativen – das Eigenartigste und Unglaublichste im Welttennis überhaupt, eine Rückkehr zu höchsten Höhen quasi aus dem Nichts. Aus den Zweifeln und auch Ängsten heraus, was eigentlich werden würde nach den sechs Monaten quälender Verletzungspause seit Juli 2016 – und nach einer rundum verkorksten Spielserie. «Du hast für nichts eine Garantie. Ich war auch darauf eingestellt, dass es eine ganz zähe, komplizierte Angelegenheit wird», sagt Federer, «deshalb habe ich zunächst gar nichts erwartet. Keine Finals, keine Siege. Nichts.»

Federer hat sich in seiner Karriere immer wieder neu erfunden, verändert und neu aufgestellt als Einmannunternehmen auf dem Centre Court. Die Zwänge des fortgeschrittenen Alters hat er nun in eine spielerische Frische und Freiheit uminterpretiert, die einem den Atem raubt. Was noch in der gemeinsamen Zeit mit Berater Stefan Edberg begann, eine grössere Offensivkraft und zunehmende Netzattacken, hat Federer nun – unter dem Eindruck körperlicher Grenzen – konsequent weitergedacht: Er spielt nach seinem Comeback jedenfalls so riskant, so vorwärtsgewandt wie nie zuvor, oft ist es regelrechtes Harakiri-Tennis. Aber die Erfolge geben ihm Recht, Erfolge, die er nicht einmal zu träumen gewagt hatte. «Wenn du gewinnst, ist schnell das Selbstbewusstsein da. Und dieses Selbstbewusstsein trägt dich immer weiter», sagt Federer. Schon ist er auch in der Hackordnung der Profis wieder auf Platz 4 gestiegen, begonnen hatte seine unsichere Rückkehrmission auf Platz 16.

Die wichtigste Erkenntnis für Federer, der mutmachende Lerneffekt für seine späten Jahre in der Tretmühle der Tingeltour ist aber dies: Er kann sich nicht nur kürzere und mittellange Pausen leisten, um wieder zu Kräften zu kommen. Er kann sogar lange Auszeiten nehmen, ohne wirklich an Boden zu verlieren. Mindestens bis zu den French Open will er pausieren, ob er dann wirklich im Stadion Roland Garros aufschlägt, ist auch noch keineswegs ausgemachte Sache. «Ich bin nicht mehr 24. Ich muss mich auf das konzentrieren, was für mich aussichtsreich ist», sagt Federer, «und was gut für meine Gesundheit ist. Ausserdem braucht mich meine Familie auch.»

Der Champion wird zum Teilzeitarbeiter

Damit ist Federers Weg nicht nur für 2017, sondern für die letzten Jahre seines Berufslebens vorgezeichnet. Der Champion wird zum möglichst effizienten Teilzeitarbeiter – rar und rarer werden seine Auftritte sein. Immer mit der Prämisse, dann fit zu sein, wenn es zählt für ihn. Ob nun in Wimbledon, New York oder bei der WM in London. «Es geht gar nicht anders, als Prioritäten zu setzen», sagt Federer. Die Hetzjagd um Platz 1, sie zählt auch nicht mehr zu diesen Prioritäten. Darum können sich nach Federers Willen andere kümmern.

Weltrangliste

1. (1.) Murray (GBR) 11 960 (12 005). 2. (2.) Djokovic (SRB) 7915 (8915). 3. (3.) Wawrinka (SUI) 5785 (5705). 4. (6.) Federer 5305 (4305). 5. (7.) Nadal (ESP) 4735 (4145). 6. (5.) Raonic (CAN) 4345. 7. (4.) Nishikori (JPN) 4310. 8. (9.) Cilic (CRO) 3385. 9. (8.) Thiem (AUT) 3385. 10. (10.) Tsonga (FRA) 3265.

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