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Tenniskalender ist zu vollgestopft

Kommentar
Jörg Allmeroth, Tennisreporter
Jörg Allmeroth

Jörg Allmeroth

Als Boris Becker noch Cheftrainer bei Novak Djokovic war, da wurde er einmal gefragt, was nötig sei, um die grossen Erfolge aufs immer Neue wiederholen zu können. Becker sagte, es sei ganz entscheidend, eine echte, wirkliche Pause zu nehmen, sich Ruhe, Entspannung und eine Auszeit von der Tour zu gönnen. Dann fügte er noch hinzu, was wohl am allerwichtigsten sei: sich zu freuen über das, was man geschafft habe – weit weg vom Alltagsstress und der Hetzjagd von Turnier zu Turnier.

Beckers Erfahrungen als Spieler und Coach, dass richtig genommene Pausen sogar zum Trainingsprogramm, zur Unternehmerstrategie im Profitennis gehören, kann Roger Federer neuerdings nur bestätigen. Schon länger hat sich der Maes­tro aus den gewöhnlichen Dauerstrapazen des Wanderzirkus verabschiedet, er spielte Jahr für Jahr immer weniger Turniere. Doch die aussergewöhnliche Frische und Spielfreude, die ihn im Wunderjahr 2017 auszeichnet, hat er ausgerechnet dem Verletzungspech der Vorsaison zu verdanken. Ein Zwangsabschied als Segen, zumindest für den 35-jährigen Meister gilt diese scheinbar paradoxe Wahrheit.

Natürlich lassen sich Federers Centre-Court-Sensationen nicht so einfach von anderen Kollegen auf der Tennistour wiederholen, es wäre vermessen und utopisch, diese Mission als Symbol zu begreifen. Plausibel aber ist, dass die meisten Profis grundsätzlich von mehr Auszeiten und damit besserer Fitness bei ausgesuchten Turnieren profitieren würden.

Federers Siege werfen auch ein Schlaglicht auf den zu vollgestopften Jahreskalender, in dem es weiter-, immer weitergeht, ohne Rast durch Zeitzonen und über Kontinente hinweg. Man braucht nicht lange zu suchen, um die Auswirkungen dieser Pausenlos-Kultur zu erkennen: viele Verletzungsaufgaben bei den Turnieren, oft schon früh in der Saison. Und viele mental matte Tennisgladiatoren. In Miami, nicht zu vergessen, fehlten auch die Nummer 1 und Nummer 2 der Branche mit körperlichen Blessuren, Andy Murray und Novak Djokovic.

Federer kann es sich auf seine alten Tage, auch wegen seiner erworbenen Privilegien, leisten, nun eine weitere Langzeit-Pause einzulegen, mindestens bis zu den French Open. Die Tennisfunktionäre aber müssen mehr dafür tun, um auch anderen Spielern die nötigen Freiheiten zu geben. Die Freiheit, sich vorübergehend und öfters einmal aus der beruflichen Tretmühle zu verabschieden – um danach wieder besseres, attraktiveres Tennis für den zahlenden Kunden zu bieten.

Jörg Allmeroth, Tennisreporter

sport@luzernerzeitung.ch

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