Der FC Aarau galt als Transfersieger in der Challenge League - jetzt ist er Letzter

Aarau hat den schlechtesten Saisonstart der Klubgeschichte hinter sich. Dennoch steht Trainer Patrick Rahmen nicht zur Diskussion.

Sebastian Wendel
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Krise auf dem Brügglifeld: Stefan Maierhofer (Mitte) und Goran Karanovic (rechts). (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Aarau, 7. Oktober 2018))

Krise auf dem Brügglifeld: Stefan Maierhofer (Mitte) und Goran Karanovic (rechts). (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Aarau, 7. Oktober 2018))

«Wie früher bei Aufstiegen oder beim Meistertitel 1993» habe sich das angefühlt, erzählt ein langjähriger Brügglifeld-Besucher. Der 2:0-Sieg gegen Tabellenführer Wil vor einer Woche lässt die Dämme brechen. Spieler, Trainerteam, Klubführung, Zuschauer – alle liegen sich nach dem Schlusspfiff freudetrunken in den Armen. Verständlich: Je seltener die Feste, desto ausgelassener muss man sie feiern.

Am nächsten Morgen verrät der nüchterne Blick auf die Tabelle dies: Zwölf Spiele, davon neun Niederlagen und vier Zähler Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz. Der Heimsieg gegen Wil ändert nichts an der katastrophalen Zwischenbilanz. Hinter dem FCA liegt der schlechteste Saisonstart der Geschichte. Sportlich so tief gesunken ist der Verein seit dem Aufstieg in die Nationalliga A 1981 nicht mehr. Doch der Trainer ist der Gleiche wie zu Saisonbeginn: der in Luzern bestens bekannte Patrick Rahmen. Die Zyniker rund ums Brügglifeld sagen: «Beim FC Sion wäre Rahmen schon drei Mal entlassen worden.»

Nun – der FC Aarau ist kein Trainerfresser à la Christian Constantin. Doch der Verschleiss in den vergangenen Jahren ist auch so beachtlich. Seit dem letzten Erfolgstrainer René Weiler, der den Klub 2013 in die Super League zurückführte und ein Jahr später wegen mangelnder Perspektiven verliess, geht es bergab mit den ehemals «Unabsteigbaren». Die unterschiedlichsten Typen gaben sich die Türklinke in die Hand: Sven Christ, Raimondo Ponte, Livio Bordoli, Marco Schällibaum und der Innerschweizer Marinko Jurendic. Ihnen gemeinsam ist das Scheitern.

Patrick Rahmen, Trainer Nummer 6 seit den Weiler-Festspielen, hat die noch miesere Bilanz als seine Vorgänger. Die Frage drängt sich geradezu auf: Wieso sitzt der 49-Jährige noch auf dem Aarauer Cheftrainer-Stuhl? Die Antwort liefert der «Rahmen-Bonus».

Captain Zverotic stellt sich hinter Rahmen

Dazu muss man kurz zurückblicken in die vergangene Saison, als sich Marinko Jurendic beim FC Aarau versuchte: Er hatte zwar mehr Punkte als sein Nachfolger, aber die Kabine verloren. Heisst: Die Spieler glaubten nicht mehr daran, mit Jurendic Erfolg zu haben. Das ist bei Rahmen anders. Nach dem Tiefpunkt, dem 1:2 im Brügglifeld am 5. Spieltag gegen Chiasso, zog der Basler die Reissleine. «Das hatte mit Fussball nichts mehr zu tun», fand er deutliche Worte. Fortan nahm er die Spieler an die kurze Leine und kam seinerseits ab vom offensiven Hurrafussball. Die eingeleiteten Massnahmen zeigten insofern Wirkung, dass man wieder auf Augenhöhe mit den Gegnern agiert. Resultatmässig lässt der Ertrag auf sich warten, das 2:0 gegen Wil war ein Anfang. Doch alle im Klub glauben an die Trendwende. «Wir kommen mit Patrick Rahmen da raus. Es wäre ein grosser Fehler gewesen, ihn zu entlassen», sagt Captain Elsad Zverotic.

Der frühere FCL-Profi, dessen Weg einst bis in die Premier League zum FC Fulham führte, war einer der prominenten Neuzugänge, wegen denen Experten und Medien den FC Aarau zum «Transfersieger» und «heissesten Aufstiegsfavoriten neben Servette und Lausanne» ausriefen. Die Idee des jungen Sportchefs Sandro Burki (33) lautete: Eine routinierte Mittelachse, rundherum hungrige Jungprofis, darunter Leihspieler von YB, Basel und GC, die sich in der rauen Challenge League die Sporen abverdienen sollen.

In der Vorbereitung glänzte der FC Aarau, gewann Testspiele gegen GC, Thun und den FC Basel. Doch als dann die ersten zwei Pflichtspiele gegen Servette und Winterthur trotz spielerischer Dominanz und Chancenplus verloren gingen, wackelte das Kartenhaus, ehe es nach der nächsten Niederlage gegen Aufsteiger Kriens in sich zusammenfiel.

Gegen Wil waren aber Solidarität und Leidenschaft endlich spürbar. Wenn die Mannschaft am Sonntag im kapitalen Abstiegskracher gegen Chiasso so weitermacht, wird der Aufwärtstrend weitergehen. Denn: Talent, jeden Gegner in der ausgeglichenen Challenge League zu besiegen, ist genug da. Wenn die FCA-Profis nach dem Sieg gegen Wil wieder in den «Chügeli-Modus» verfallen, ist die nächste Niederlage programmiert. Und dann wäre wohl auch der «Rahmen-Bonus» aufgebraucht.