Thomas Häberli kämpft um seinen Job beim FCL

Zum Abschluss der Vorrunde empfängt der angeschlagene FC Luzern morgen Sonntag (16.00, SRF 2) den wiedererstarkten FC Basel.

Daniel Wyrsch
Hören
Drucken
Teilen
Thomas Häberli versucht mit seiner Mannschaft, dem FC Basel Paroli zu bieten.

Thomas Häberli versucht mit seiner Mannschaft, dem FC Basel Paroli zu bieten.

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Luzern, 1. Dezember 2019)

Ein Erfolgserlebnis. Der FC Luzern und seine Anhänger dürsten danach. Kaum einmal in den vergangenen zehn Jahren wäre ein Sieg oder zumindest ein Unentschieden so willkommen gewesen wie jetzt. Sechs Niederlagen en suite wirken sich aufs Selbstvertrauen der Profis aus und drücken aufs Stimmungsbarometer in und um den FCL.

Ob die Gastmannschaft aus Basel morgen Sonntag bereit ist, dem angeschlagenen Gastgeber kurz vor Weihnachten ein Geschenk zu machen, muss bezweifelt werden. «Ich hoffe, dass die Luzerner so schnell wie möglich aus dieser Negativspirale herausfinden, aber natürlich nicht schon am Sonntag, dann würde ich nämlich gerne zu null spielen», sagte FCB-Goalie Jonas Omlin vor seiner Rückkehr an alte Wirkungsstätte. Die Basler agierten vor dem letzten Vorrundenmatch zielstrebig. Mit dem 2:0 vorgestern über Trabzon in der Europa League gewannen sie das dritte Pflichtspiel hintereinander ohne Gegentor.

Fehler abstellen, um gegen Basel eine Chance zu haben

«Basel ist abgeklärt», sagt FCL-Trainer Thomas Häberli. Für den 45-jährigen Ballwiler ist der FCB physisch weniger stark als YB, «dafür besitzen die Basler mehr fussballerische Qualität als die Berner». Während bei YB der Tank offensichtlich immer leerer und der Vergleich mit Lugano kaum ein Spaziergang wird, hofft Basel mit einem Sieg beim FCL als Tabellenerster in die Winterpause zu gehen.

Die Aussichten auf einen Heimerfolg sind daher nicht besonders gut. «Wir müssen die Fehler abstellen, die uns in den vorherigen Spielen unterlaufen sind. Nur dann können wir punkten», stellt Häberli fest.

In jüngster Vergangenheit ist viel zusammengekommen beim FCL. Beim Auswärtsspiel gegen den FC Zürich holte sich Blessing Eleke vor der Halbzeit mit einem völlig unnötigen Foul die rote Karte. Gegen St.Gallen handelte sich das Team ungestüm zwei Elfmeter ein. Neben dem Abschlusspech mit einem Latten- und Pfostenschuss in diesen beiden Spielen kam gegen YB gar ein Eigentor dazu. Kein Wunder, setzte es gegen den FCZ (0:3), St.Gallen (1:4) und YB (0:1) Pleiten ab.

Die Jungprofis sind Lichtblicke

Nichtsdestotrotz kämpft Thomas Häberli um seinen Job. Er macht auf die Umstände aufmerksam, mit denen er zusammen mit dem Team seit Wochen und Monaten ringt. «Seit dem 15. September haben wir auf fünf Positionen verletzte Spieler. Letztes Wochenende sind auch noch drei Gesperrte dazugekommen.» Er muss mit einem Rumpfteam arbeiten. Gegen YB standen am Schluss vier Spieler auf dem Rasen, die eigentlich noch in der U21 spielen sollten. Darian Males, David Mistrafovic, Marco Burch und Lorik Emini sind zwischen 18 und 20. «Man kann ihre Leistung unter diesen Umständen nicht genug wertschätzen», findet Häberli. Trotzdem hadert er: «Am Ende müssten wir uns belohnen.»

Gegen Basel kehren nach abgesessener Sperre Blessing Eleke, Idriz Voca und Silvan Sidler zurück. Neu muss Simon Grether gesperrt zuschauen. «Ich bin erneut am Basteln», sagt Häberli. Er wird wieder mit einer Fünferabwehr verteidigen lassen. Mit Grether fehlt aussen ein gelernter Abwehrmann. «Zu viele Defensivspezialisten fallen aus, wir haben strukturelle Probleme. Die sind sichtbar, will man hinschauen.» Häberli kämpft um den Job, macht darauf aufmerksam, dass das Team unter ihm noch nie auf dem Barrageplatz gestanden ist. Nichts mit der Barrage zu tun haben, lautete eines der Saisonziele. Zwei Punkte beträgt der Vorsprung noch auf Xamax und Platz 9.

Jungprofi Males mit klarem Statement pro Häberli

Ein anderes Saisonziel war, als Verein konstanter zu werden. Häberli: «Das haben wir nicht geschafft.» Richtig. Der selbstzerstörerische Kampf um die Besitzverhältnisse hat das Klima im Klub vergiftet. Seither hat der FCL nur noch verloren. Unnötig gegen den Trainer schoss aber auch Remo Meyer. Der Sportchef wird nach dem Basel-Spiel über die Zukunft von Häberli entscheiden. Kriens-Coach Bruno Berner gilt als Favorit auf die Nachfolge. Jungprofi Darian Males vertraut Häberli: «Wir stehen zu 100 Prozent zum Trainer.» Nur ein Erfolgserlebnis wäre wertvoller.