FCL-Unruhen nun auch im Sport: Trainer Häberli steht vor dem Aus

Der FC Luzern steckt nach drei Meisterschaftsniederlagen in Folge auch sportlich in der Krise. Thomas Häberlis Zukunft ist sehr unsicher. Sportchef Remo Meyer spart in einem Interview nicht mit Kritik.

Daniel Wyrsch
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Wie lange Thomas Häberli seine Mannschaft noch trainieren wird, ist fraglich. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 17. Juli 2019)

Wie lange Thomas Häberli seine Mannschaft noch trainieren wird, ist fraglich. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 17. Juli 2019)

Beim FC Luzern herrscht eisige Kälte. Nicht nur im Aktionariat, wo sich Bernhard Alpstaeg mit Marco Sieber, Hans Schmid und Samih Sawiris einen schmutzigen öffentlichen Streit um die Besitzverhältnisse des Traditionsvereins liefern. Vom miesen Klima in der Führung ist nun auch der sportliche Bereich angesteckt worden. Nach einem sukzessiven Aufwärtstrend bis Oktober, hat Trainer Thomas Häberli in den vergangenen drei Meisterschaftsspielen mit Niederlagen in Neuenburg gegen Abstiegsanwärter Xamax plus zwei Heimpleiten nacheinander gegen Lugano und Aufsteiger Servette viel Kredit verspielt.

Man muss gar feststellen, dass der Coach offenbar zu viel Kredit verspielt hat. In einem Interview spricht Sportchef Remo Meyer Dinge unverblümt aus, die mehr als nur aufhorchen lassen. Er sagt deutlich, dass er sich in der Entwicklung der Mannschaft mehr erhofft habe. «Mit den Leistungen sind wir nicht zufrieden. Wir haben noch in keinem Match über 90 Minuten überzeugt, und das zieht sich durch die ganze Saison.»

Häberli ohne Job-Garantie über die Nati-Pause hinaus

Am Montag sagte Meyer, dass er zu 100 Prozent zu den Worten im Interview mit «Zentralplus» stehe. Ein Interview mit unserer Zeitung lehnte er ab, «weil es nichts Neues zu sagen gibt». Und bekanntlich gebe er nur selten Interviews. Häberli konfrontierten wir mit dem Artikel. Er wollte sich zu den Aussagen von Sportchef Meyer nicht äussern.

Auf die Frage, ob Häberli nach der Länderspielpause in 14 Tagen im Spiel beim FC Zürich noch FCL-Trainer sei, antwortet Meyer: «Es ist in meiner Verantwortung, die aktuelle Situation zu analysieren. Man kann versichert sein, dass wir uns nicht erst seit heute Gedanken machen, die Gründe zu suchen, die zu dieser Situation geführt haben.»

Ein Alibi wegen des unerbittlichen Streits unter den vier zurückgetretenen Verwaltungsräten Alpstaeg, Sieber, Schmid und Sawiris erhält Häberli nicht. Meyer findet: «Durch die Geschichte im Verwaltungsrat wurden die sportlichen Aspekte für gut zwei Wochen in den Hintergrund gerückt. Und diese Geschichte hat uns nicht negativ beeinflusst, denn auch schon vor Bekanntwerden des Zwistes im Verwaltungsrat waren die Leistungen nicht befriedigend.» Und: 

«Das Potenzial der Mannschaft wurde bisher nicht ausgeschöpft.»

Der Sportchef hat den Trainer nicht nur angezählt, er hat sich zudem schon abgesichert, dass er die Entlassung von Thomas Häberli auch beantragen und finalisieren lassen könnte. Selbst mit nur noch zwei verbliebenen Verwaltungsräten, Präsident Philipp Studhalter und Josef Bieri, wäre es gemäss Remo Meyer «absolut kein Problem».

Vier Trainer in 2,5 Jahren unter Sportchef Meyer

Er mache sich wegen des wahrscheinlich bevorstehenden zweiten Trainer-Rauswurfes innerhalb von neun Monaten keine persönlichen Sorgen über seine Zukunft beim FCL – Mitte Februar musste er seinen Wunschcoach René Weiler (jetzt Al-Ahly Kairo) nach nur acht Monaten trotz eines lukrativen Dreijahresvertrags vorzeitig vom Hof jagen. Meyer betont jetzt: «Ich muss an das sportliche Wohl des Vereins und damit an die Leistungen der 1. Mannschaft denken – meine Situation ist dabei zweitrangig.» Er fügt dann aber gleichwohl an, dass unter ihm schon Markus Babbel und Gerardo Seoane arbeiteten. «Babbel ging praktisch von sich aus.» Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass der Deutsche sich derart über das «Rumeiern» beim FCL geärgert hatte, er trotz auslaufenden Vertrages Ende Saison keinen klaren Bescheid von Meyer bekam, dass er Anfang 2018 hinschmiss mit einer provokativen Aussage («Ist mir doch Wurst, im Sommer bleibe ich eh in München»).

Meyer lobt Seoane wie noch nie: «Gerry machte einen überragenden Job mit einer Mannschaft, deren Potenzial klar tiefer anzusiedeln ist als danach und bis zum heutigen Zeitpunkt.» Seoane ging nach 17 Spielen und 34 Punkten zu YB.

Meyer glaubt jetzt offenbar nicht mehr daran, dass Häberli den Erfolgs-Button findet: «Fakt ist, dass es vom Sommer bis jetzt unbefriedigend lief. Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Und sie gibt bisher kein gutes Bild ab.» Das Restprogramm bis zur Winterpause wird für Häberli oder jeden anderen Coach delikat: FCZ, St.Gallen, YB und Basel.