Titel in Sicht: Kann Klopp Liverpool von seinem «ewigen» Meisterfluch erlösen?

Jürgen Klopp ist «fast sprachlos», denn dem FC Liverpool winkt der «Heilige Gral». Feiern will der Cheftrainer aber noch nicht.

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Liverpools Chef-Trainer Jürgen Klopp hat noch keine Feier geplant. (Bild: Keystone)

Liverpools Chef-Trainer Jürgen Klopp hat noch keine Feier geplant. (Bild: Keystone)

(SID) Jürgen Klopp wollte von einer möglichen Titelsause auf der heimischen Couch nichts wissen. «Ich werde es mir anschauen», sagte der Teammanager des designierten englischen Meisters FC Liverpool über das Spiel von Rivale Manchester City beim FC Chelsea am Donnerstagabend (21.15 Uhr/Sky), «aber nicht, um eine Feier vorzubereiten.» Auch mit etwaigen Partyplänen seiner Spieler habe er «überhaupt nichts zu tun» - dabei darf Klopp den Meistersekt jetzt endlich kaltstellen.

Nach dem 23. Heimsieg hintereinander beim beeindruckenden 4:0 (2:0) gegen Crystal Palace «kommt die 30-jährige Wartezeit auf den Heiligen Gral zu ihrem Ende» (Liverpool Echo). Sollte City nicht bei Chelsea gewinnen, wäre die erste Liverpooler Meisterschaft seit 1990 perfekt. «Ich muss mir das Spiel anschauen», sagte Klopp. Nicht wegen der möglichen Entscheidung im Titelkampf, sondern «weil wir in einer Woche gegen sie spielen. Da geht es um Professionalität, das ist mein Job.»

Und der machte ihm beim 28. Saisonsieg am Mittwochabend, einem Rekord in Europas Top-Ligen, mehr Spaß denn je. «Ich habe das richtig genossen», sagte der 53-Jährige, «wie wir sie gejagt haben, immer vier Rote gegen einen Weißen, die Tore - es war das perfekte Fußballspiel für uns.» Es habe Momente in der Partie gegeben, «da konnte ich es gar nicht glauben», schwärmte Klopp, «ich bin fast sprachlos, ich könnte nicht glücklicher sein».

Mit Ausdauer und Brillanz zum Erfolg

Tatsächlich demonstrierte Liverpool auf dem Weg zum 19. Titel seine ganze Klasse - und Klopp-Fußball in Perfektion mit traumhaften Toren. Ein Freistoßtreffer von Trent Alexander-Arnold (23.), das 17. Saisontor von Mohamed Salah (44.) sowie Fabinho (55.) und Sadio Mane (69.) vergrößerten Liverpools Vorsprung auf unfassbare 23 Punkte.

«Ich bin nicht sicher, ob es der beste Fußball war», sagte Klopp, «aber es war mit Sicherheit der beste Konterfußball hinter verschlossenen Türen, den es je gegeben hat. Unsere Haltung und die Leidenschaft waren außergewöhnlich.» Selbst in der Schlussphase hätten seine Jungs dem Ball hinterhergejagt, «als wäre es der letzte auf dem Planeten».

Als erste Mannschaft seit Datenerfassung (2008) gestattete Liverpool dem Gegner nicht eine einzige Ballberührung im eigenen Strafraum. Palace-Trainer Roy Hodgson, einst selbst auf der Reds-Bank, war tief beeindruckt. «Sie waren exzellent», sagte er, «ihre Einstellung ist eines Champions würdig».

Begeisterte Kritiker

Die BBC konstatierte: «Die Reds sind unerreicht in ihrer Brillanz.» Der Guardian staunte: «Es war kein Fiebertraum. Ja, sie sind wirklich so gut.» Die Sun kommentierte, Liverpool habe Palace «geplündert und tyrannisiert», das Hausblatt Liverpool Echo meinte: «Das war der Stoff, aus dem Meister gemacht sind.»

Auch TV-Zuschauer David Wagner war begeistert. «Das war Wahnsinns-Fußball», sagte der Schalke-Coach und Klopp-Trauzeuge, «das sucht seinesgleichen.» Der große Vorsprung auf City sei «schier unglaublich, das sind ja alles andere als Graupen». Klopp habe im Vergleich zu seiner Dortmunder Zeit, wo er zwei Mal Meister war (2011 und 2012), «noch einmal eine Schippe draufgelegt».

Torschütze Salah wollte am Donnerstagabend trotzdem lieber «mit meiner Tochter spielen». Doch auch der Ägypter wusste, dass die Titelparty naht. «Seit ich hier bin, sage ich, dass wir Meister werden wollen. Die Stadt wartet schon so lange drauf», sagte er, «aber jetzt sind wir dran! Und das ist so großartig!»