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Interview

Tommy Haas: «Der Nervenkitzel und die Nervosität werden Federer fehlen»

Tommy Haas (41) gehört zur gleichen Spielergeneration wie Roger Federer (37), heute verbindet die einstigen Gegner eine enge Freundschaft. Wie der Deutsche Federers Chancen auf den Wimbledon-Titel einschätzt und was er über ihn als Mensch denkt.
Simon Häring, Wimbledon
Aus Konkurrenten sind längst Freunde geworden: Roger Federer und Tommy Haas, der inzwischen Turnierdirektor in Indian Wells ist. (Bild: Keystone)

Aus Konkurrenten sind längst Freunde geworden: Roger Federer und Tommy Haas, der inzwischen Turnierdirektor in Indian Wells ist. (Bild: Keystone)

Tommy Haas, Sie sind einer von nur drei Spielern, die Roger Federer auf Rasen zwei Mal besiegt haben. Und 2017 in Stuttgart gewannen Sie gegen Federer ihr letztes Spiel als Profi. Was ist das für ein Gefühl?

Es ist ein schöner Zufall. Ich wäre ja auch sein erster Gegner gewesen, als er 1998 in Gstaad sein erstes ATP-Turnier spielte. Aber ich war am Tag vor dem Match erkrankt und musste mich die ganze Nacht übergeben. Rückblickend ist es schade, dass ich nicht antreten konnte. Dass ich dann fast zwanzig Jahre später meinen letzten Sieg gegen ihn feiern konnte, ist unglaublich. An diesem Tag passte nochmals alles zusammen. Einen Tag vorher kam meine Tochter an, die ich länger nicht mehr gesehen hatte. Diese Erinnerung kann mir keiner nehmen.

2017 in Stuttgart feiert Tommy Haas gegen Roger Federer seinen letzten Sieg auf der ATP-Tour. (Bild: Keystone)

2017 in Stuttgart feiert Tommy Haas gegen Roger Federer seinen letzten Sieg auf der ATP-Tour. (Bild: Keystone)

Inzwischen sind Sie und Federer Freunde geworden. Wie kam es dazu?

Wir lernten uns besser kennen, weil Rogers Manager Tony Godsick früher auch mein Manager gewesen ist. Dann haben sich unsere Frauen sehr gut verstanden und nun sind wir beide Familienväter. Die Kinder verstehen sich gut, wir unternehmen ab und zu etwas. Es gab immer mehr Gründe, sich zu treffen, die Freundschaft wurde enger.

Was schätzen Sie an Federer als Mensch?

Roger ist eigentlich immer gut drauf. Man erwischt ihn nie in einem Moment, in dem er schlecht gelaunt ist. Zudem ist er sehr ausgeglichen. Generell ist er einfach ein phänomenaler Typ. Da kann man nur den Hut ziehen. Viele könnten sich davon eine Scheibe abschneiden.

Sie kennen das aus eigener Erfahrung, wie es ist, dauernd im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Wie geht man damit um?

Bei Roger ist das noch einmal eine andere Dimension. Er ist ein Weltstar, einer der grössten Sportler, die es auf diesem Planeten gibt. Für ihn ist es nicht immer so einfach. Die Zeiten, in denen er einfach entspannt zum Nachtessen in die Stadt gehen konnte, sind vorbei. Dennoch ist er völlig normal geblieben. Ein Schweizer Junge, der das einfach so hinnimmt und keine Allüren hat. Wie er damit umgeht, ist schon bewundernswert.

Zur Person: Tommy Haas

Tommy Haas war 2002 die Weltnummer zwei. Er gewann 15 Titel, bei Grand-Slam-Turnieren erreichte er vier Mal die Halbfinals. 2000 gewann er bei den Olympischen Spielen in Sydney Silber im Einzel, nachdem er in den Halbfinals Roger Federer bezwungen hatte. 2017 trat er zurück. Haas lebt seit Jahren in Los Angeles und hat neben dem deutschen auch den amerikanischen Pass. Mit der Schauspielerin Sara Foster hat er zwei Töchter. Seit 2017 ist Haas Turnierdirektor von Indian Wells. In Wimbledon bestreitet der 41-Jährige das Einladungs-Doppel.

Federer wird im August 38 Jahre alt. Hätten Sie es für möglich gehalten, dass er in diesem Alter noch auf diesem Niveau spielt?

Wenn Sie mich das vor zehn Jahren gefragt hätten, wahrscheinlich nicht. Aber wenn man ihn die letzten Jahre verfolgt hat, überrascht es mich nicht. Roger macht alles richtig. Der Körper hält, er ist mental in guter Verfassung. Er liebt dieses Leben, die Reisen und diese Momente. Das ist schon sehr bewundernswert. Roger ist ein Phänomen.

Sie selber hatten oft mit Verletzungen zu kämpfen, mussten sich neun Mal operieren lassen. Kommt da nie Neid auf?

Ich bin kein Neider. Es bringt nichts, zu viel darüber nachzudenken, was hätte sein können. Klar, hätte ich die eine oder andere Verletzung weniger gehabt, hätte ich die Chance gehabt, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, davon träumt man als Bub. Aber es hat nicht gereicht, und damit kann ich gut leben. Ich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden.

Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic kamen problemlos in die Viertelfinals. Überrascht Sie das?

Überhaupt nicht. Es sieht ganz danach aus, als dass wir wieder einen schönen Halbfinal zwischen Roger und Rafa erleben. Das will die Tennis-Welt, das will die Sport-Welt sehen. Und ich denke auch, dass Djokovic dann im Final auf einen der beiden wartet. Es spricht nichts dagegen.

Für Tommy Haas ist Titelverteidiger Novak Djokovic der Favorit auf den Wimbledon-Sieg. (Bild: Keystone)

Für Tommy Haas ist Titelverteidiger Novak Djokovic der Favorit auf den Wimbledon-Sieg. (Bild: Keystone)

Auf wen würden Sie hier in Wimbledon ihr Geld setzen?

Das ist verdammt schwer, zu sagen. Ich würde es Roger natürlich von Herzen gönnen, wenn er hier noch einmal die Trophäe hochhalten könnte. Für mich ist aber Novak Djokovic so etwas wie der Favorit. Auch Rafa spielt im Moment wieder sehr, sehr gutes Tennis. Gerade hier mit den Konditionen mit dem Rasen, wie die Bälle abspringen. Er hat da eine gute Chance. Im Halbfinal würde ich allerdings Roger favorisieren.

Denken Sie, Federer wird die Emotionen, die er auf dem Platz erlebt, einmal vermissen, wenn er einmal zurücktritt?

Dieser Nervenkitzel, diese Nervosität, die Höhen und Tiefen, die man auf dem Platz durchmacht, dann aber auch das Gefühl des Gewinnens. Das fehlt jedem Sportler nach der Karriere und ist für jeden schwierig. Bei Roger wird das sicher nicht anders sein. Aber er hat auch neben dem Platz vieles, das ihm wichtig ist – wie seine Stiftung und zwei mal Zwillinge. Er wird das Leben auch nach dem Tennis geniessen.

Roger Federer, Rafael Nadal, oder Novak Djokovic: Wer hat Ende der Karriere die meisten Grand-Slam-Titel?

Djokovic ist erst 32 und körperlich sehr, sehr fit. Nadal hatte hie und da mit Verletzungen zu kämpfen, hat bei den French Open aber immer eine Chance. Und wer weiss, was bei den US Open passiert, wenn er hier gewinnt. Diese drei sind alle sehr ehrgeizig und tief im Innern wollen sie am Ende der Karriere sagen können: Ich habe die meisten Grand-Slam-Titel gewonnen. Gerade für Roger ist es sehr wichtig, er wird 38 und hat nicht mehr so viele Chancen. Es ist schon phänomenal, auf welchem Level er noch spielt. Die anderen sind aber erheblich jünger und haben noch drei, vier gute Jahre und damit jede Menge Zeit, noch ein Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Es steht viel auf dem Spiel.

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