Schalke-Skandal: Tönnies setzt das Strafmass gleich selber fest

Clemens Tönnies wird vom Ehrenrat des Fussballclubs Schalke 04 nicht sanktioniert.

Ralph Durry und Jürgen Zelustek aus Gelsenkrichen (SID)
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Höchst umstritten: Clemens Tönnies. Bild: Guido Kirchner/Keystone

Höchst umstritten: Clemens Tönnies. Bild: Guido Kirchner/Keystone

Eine knappe Stunde vor Mitternacht brauste Clemens Tönnies in seinem silbergrauen Mercedes mit Fahrer davon. Der mächtige Aufsichtsratschef des Bundesligisten Schalke 04 kam bei der viereinhalbstündigen Sitzung des Ehrenrates mehr als glimpflich davon: Keine rote Karte für den Klub-Patron, kein Vereinsausschluss, nur eine selbst gewählte, mehr symbolische Sanktion.

Rassismus-Vorwurf für Ehrenrat unbegründet

Der Rassismus-Vorwurf gegen Tönnies sei unbegründet, verkündete der Ehrenrat. Der 63-jährige Clemens Tönnies formulierte selbst das Ausmass seiner «Bestrafung»: Er lässt seinen Posten drei Monate ruhen. Danach soll alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen auf Schalke 04 sein, obwohl der milliardenschwere Fleisch-Grossfabrikant mit seinen rassistischen Aussagen für einen riesigen Sturm der Entrüstung durch Politik, Ex-Profis und Medien gesorgt hatte.

Der Schalke-Boss hatte die Finanzierung von Kraftwerken in Afrika empfohlen und wortwörtlich gesagt: «Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.»

Dunkelhäutige Ex-Profis wie Gerald Asamoah, Hans Sarpei oder Cacau hatten Tönnies in den vergangenen Tagen verbal harsch kritisiert. Dass der Klub-Chef mit seinem Statement gegen das am 3. Juni 2012 verabschiedeten Leitbild der Königsblauen aus Gelsenkirchen verstiess, war nach Ansicht des Ehrenrates nicht ausreichend, um eine eigene Sanktion auszusprechen.

Fan-Vorstand Franke: «Nicht mehr tragbar»

Im Leitbild heisst es: «Von uns Schalkern geht keine Diskriminierung oder Gewalt aus. Wir zeigen Rassismus die rote Karte und setzen uns aktiv für Toleranz und Fairness ein.» Susanne Franke, Vorstand der Schalker Fan-Initiative, sagte vor der Sitzung des Ehrenrates: «Ich halte Tönnies in seiner Rolle für den Verein, in seiner sehr sichtbaren, grossen, tragenden Rolle, nicht mehr für tragbar.» SPD-Politikerin Dagmar Freitag kritisierte die Schalker Vorgehensweise und forderte den Deutschen Fussballbund (DFB) zum Handeln auf. «Solche Entgleisungen sind ein Tabubruch ohne Skrupel.»

Ethikkommission kann keine Sanktion aussprechen

Dass Tönnies Ungemach von Seiten der unabhängigen DFB-Ethikkommission, die am 15. August das Thema Tönnies diskutieren wird, droht, erscheint unwahrscheinlich. Die Ethikkommission kann keine Sanktionen aussprechen. Sie kann nur Untersuchungen einleiten und bei hinreichendem Tatverdacht Anklage bei der Ethik-Kammer des Sportgerichts erheben.