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Tränen und Langeweile bei Langläuferin Nathalie von Siebenthal

Nathalie von Siebenthal startet meist schlecht in die Saison und steigert sich dann. Doch in diesem Winter ist keine Aufwärtstendenz erkennbar. Das drückt auf die Stimmung der Berner Oberländerin.
Rainer Sommerhalder, Val di Fiemme
Nathalie von Siebenthal rackert derzeit ohne Erfolg. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Tschierv, 1. Januar 2019))

Nathalie von Siebenthal rackert derzeit ohne Erfolg. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (Tschierv, 1. Januar 2019))

Nathalie von Siebenthal ist derzeit keine einfache Gesprächspartnerin. Die beste Schweizer Langläuferin gibt sich kurz angebunden. Fragen zu ihrem Formstand beantwortet sie mit sichtlicher Unlust. Der 20. Zwischenrang an der Tour de Ski stinkt der Berner Oberländerin mächtig. Nach zuletzt zwei achten Plätzen im Gesamtklassement und angesichts der Abwesenheit von Szene-Dominatorin Therese Johaug und deren Herausforderin Charlotte Kalla hatte man sich von der Schweizerin ein persönliches Bestresultat erhofft.

Die Realität sieht anders aus. «Die Top 10 sind angesichts des Rückstands kaum mehr möglich – ausser es steigen weitere Athletinnen aus der Tour aus», sagt von Siebenthal. Verloren hat sie den Spitzenplatz in den zwei Tagen in Oberstdorf. Vor allem in der 4. Etappe im klassischen Stil, wo die Schweizerin bei Schneeregen mit der Wahl zum Klister-Ski falsch lag. Der 40. Platz bei 47 Teilnehmenden zerstörte sämtliche Ambitionen. Aus der erhofften Aufholjagd im anschliessenden Verfolgungsrennen wurde ebenfalls nichts. Nathalie von Siebenthal, die wegen des Rückstands von über fünf Minuten gemeinsam mit einer grösseren Gruppe im sogenannten Wellenstart ins Rennen geschickt wurde, konnte dieses Feld trotz steter Führungsarbeit nicht sprengen und entsprechend kaum Plätze gutmachen. «Das war ein langweiliges Rennen», lautete der eigenwillige Kommentar. Die aus ihrer Sicht zu wenig selektive Strecke führte zum Status quo in der Gesamtwertung. Ihr Fazit zum Abschiffer von Oberstdorf: «Das war kein Problem meiner Form.»

Der Alpsommer ist ihr heilig

Langeweile und Klister-Fiasko reihen sich ein in weiteren Nebenschauplätzen in von Siebenthals bisheriger Saison, die zu diskutieren gaben. Der schlechte Saisonstart im hohen Norden gehört bei der Berner Oberländerin zwar zum Programm. Doch ihr zeitlicher Rückstand auf die Ranglistenspitze war so gross wie schon lange nicht mehr. «Viel zu gross», sagt von Siebenthal, «dabei hatte ich mir erhofft, endlich einmal besser in die Saison steigen zu können.» In Davos kamen ihr beim Zielinterview nach dem 14. Rang sogar die Tränen, und man befürchtete, es stimme etwas Grundsätzliches nicht. «Nein, nein, ich war ganz einfach nicht zufrieden mit meinem Resultat», gibt sie Entwarnung. «In den eineinhalb Wochen über Weihnachten zu Hause in Saanen konnte ich dann so richtig den Kopf durchlüften.» Und immerhin in der zweiten Tour-Etappe in Toblach das erste Top-10-Resultat der Saison realisieren. Im letzten Winter waren es deren neun.

Immer wieder wird der Sommer auf der Alp als Begründung herangezogen, wieso Nathalie von Siebenthal so lange braucht, um im Winter in Fahrt zu kommen. Die zweimalige Sechste der Olympischen Spiele von Pyeongchang lässt sich diese Freiheit aber unter keinen Umständen nehmen: «Jeder Athlet macht im Sommer das, was er für richtig hält. Für mich ist das Leben auf der Alp richtig. Ich könnte mich nicht das ganze Jahr lang nur mit Langlauf beschäftigen.» Die 25-Jährige sagt, der Sport sei für sie zu wenig wichtig, um 365 Tage im Jahr nur ihn im Kopf zu haben. Trotzdem verspricht sie für die WM von Mitte Februar in Seefeld: «Ich bin auf dem richtigen Weg. Es gibt keinen Grund, meine Ziele anzupassen.»

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