Eishockey
Transfer-Beben beim EV Zug: Captain Raphael Diaz schlägt Vertragsangebot aus und geht von Bord

Identifikationsfigur und Aushängeschild Raphael Diaz wird in der nächsten Saison nicht mehr im EVZ-Dress auflaufen. Laut Sportchef Reto Kläy habe man «ein bestmögliches Angebot gemacht».

Philipp Zurfluh
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Raphael Diaz wird seine Karriere nicht beim EV Zug beenden.

Raphael Diaz wird seine Karriere nicht beim EV Zug beenden.

Urs Lindt/ Freshfocus (Bern, 4. Dezember 2020

Dass Raphael Diaz noch einige Jahre im Konzert der Grossen mitspielen will, ist kein Geheimnis. «Gedankenspiele an einen Rücktritt sind noch weit weg», sagte der Verteidiger in jüngster Vergangenheit. Sein Körper würde noch keine Anzeichen auf Verschleisserscheinungen zeigen. Und er betonte, wie stark ihm sein Ausbildungsklub am Herzen liegt. Gegenüber unserer Zeitung liess sich der im nächsten Monat 35 Jahre alt werdende Zuger mit folgenden Worten zitieren. «Wenn ich mir ein Karriereende ausmalen könnte, dann wäre es natürlich hier in Zug, wo ich schon als 5-Jähriger auf dem Eis stand.» So weckte Diaz im Umfeld des EVZ grosse Hoffnungen, dass er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern würde.

Seine getätigte Aussage mag wohl bei den Zuger Fans als leere Worthülsen aufgefasst werden, denn Diaz wird ab Sommer nicht mehr im Zuger Dress auflaufen, sondern wie «Blick» laut Quellen aus der Westschweiz vermeldet, zu Ligakonkurrent Fribourg-Gottéron wechseln.

EVZ ging an seine finanzielle Schmerzgrenze

Der Captain der Schweizer Nationalmannschaft möchte zu seiner Zukunft keine Stellung nehmen. Der Klub verweist darauf, dass der Spieler zu einem gegebenen, späteren Zeitpunkt Auskunft geben wird. Reden tut aber Sportchef Reto Kläy, der dessen Abgang bestätigt:

Wir haben ihm einen Dreijahresvertrag unterbreitet, ein bestmögliches Angebot gemacht und haben alles ausgeschöpft.

Kläy hätte sich vorstellen können, dass Diaz über seine Karriere hinaus sich in irgendeiner Funktion in der EVZ-Organisation engagiert hätte. Er bedauert, dass Diaz ablehnte – sagt aber auch: «Wir haben eine wirtschaftliche Verantwortung zu tragen.»

Dass dieser Transfer derart hohe Wellen schlägt, hat mit der Vita von Diaz zu tun. Er ist ein Ur-Zuger. Beim EVZ hat er sämtliche Juniorenstufen durchlaufen. Wenige Gehminuten von der Bossard-Arena aufgewachsen, kennt er den Klub und das Umfeld wie seine Westentasche. Auch heute lebt er nur einen Steinwurf der Zuger Spielstätte entfernt, im Herti-Quartier, Namensgeber des altehrwürdigen Stadions.

Samuel Kreis wird als Nachfolger gehandelt

Mit 18 Jahren gibt der Verteidiger beim EV Zug sein Début und reift zu einem Leistungsträger heran. Nur ein Abstecher in die Glamour-Welt nach Nordamerika, wo er für vier verschiedene NHL-Organisationen 214 Spiele bestritt, unterbricht sein Engagement in der Zentralschweiz. Er ist der erste Schweizer Feldspieler, der in einem Stanley-Cup-Final steht. In Übersee entwickelt er sich zu einem kompletten Verteidiger mit internationalem Format. 2016 zurück bei seinem Jugendverein, wird er mit einem fürstlich dotierten Fünfjahresvertrag ausgestattet. Seit seiner Rückkehr ist er ein unumstrittener Teamleader. «Er überlässt nichts dem Zufall. Er ist Profi durch und durch», sagt Trainer Dan Tangnes über ihn. Bei den EVZ-Fans jedenfalls löst die Transfermeldung viel Unverständnis und Frust aus. Viele sind masslos enttäuscht.

Ein Ersatz für Diaz steht bereits in den Startlöchern. Vom EHC Biel soll Verteidiger Samuel Kreis zum EV Zug wechseln. Laut Sportchef ist der 26-Jährige «eine interessante Option».

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