Trendsport
Olympische Ambitionen und «schwarze Schafe»: Crossfit erfreut sich grosser Beliebtheit

Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordination, Balance und Beweglichkeit: Das ist Crossfit – eine Trainingsart, die dem Körper alles abverlangt.

Philipp Zurfluh
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Alexander Schenk

Alexander Schenk

Bild: PD

Das hochintensive Ganzkörpertraining erfreut sich hierzulande grosser Beliebtheit. Es entstehen immer mehr Boxen, das «crossfitterische» Wort für Fitnessstudio. Aber auch zahlreiche klassische Fitnesszentren nehmen vermehrt funktionelles Training in ihr Angebot auf. «Der Trend ist ungebrochen. Das Interesse ist riesig», meint Ale­xander Schenk, Leiter des Verbands Swiss Functional Fitness, der 2018 gegründet wurde. Ihm gehören 27 Crossfit-Boxen und Functional-Fitness-Anbieter an, Tendenz steigend.

Dass gerade Crossfit die Leidenschaft von Massen weckt, kommt für Schenk wenig überraschend. «Sich in einer Gruppe mit Gleichgesinnten eine Stunde lang auspowern, das begeistert. Junge treffen auf ältere Menschen, Einsteiger auf erfahrene Athleten.» Die Gruppendynamik sowie das gegenseitige Anfeuern bauen Hemmungen ab.

Crossfit ist ein ganzheitliches Training, das nicht nur auf den Muskelaufbau gerichtet ist. Die Vielfalt an Übungen macht den Reiz aus. Es wird nicht nur Kraft und Ausdauer trainiert, sondern parallel dazu auch Schnelligkeit, Koordination, Balance und Beweglichkeit. Die Trainingsmethode wurde schon in den 1980er-Jahren in den USA entwickelt. Heute ist Crossfit eine geschützte Marke und ein milliardenschweres Unternehmen. In Amerika halten sich Angehörige von Feuerwehr, Polizei und Armee mit Trainingsmethoden solcher Art fit. In der Schweiz suchen vor allem Hobbysportler in den Boxen nach dem Kick. Die durchschnittlich 2000 Franken für ein Jahresabo tun dem regen Zulauf laut Schenk keinen Abbruch.

Wenn Hobbysportlerihr Potenzial überschätzen

Doch die Szene steht auch oft in der Kritik. Über die Trendsportart gibt es Vorurteile und kontroverse Diskussionen. Gruppentrainer würden ihre Funktion zu wenig wahrnehmen, so ein häufiger Vorwurf. Das bekommt auch der Verbandsleiter von Swiss Functional Fitness manchmal zu hören. «In jeder Branche gibt es ‹schwarze Schafe›», sagt Schenk. «Trainer müssen individuell auf ihre Athleten eingehen und falsche Bewegungsmuster erkennen können. Übungen können bei falscher Ausführung und zu viel Gewicht für den Körper gefährlich sein. Es gibt immer wieder Hobbysportler, die ihr Potenzial überschätzen.» Einsteiger sollten mit einer geringen Intensität und weniger Gewicht beginnen, so können Überbelastung und Verletzungen vermieden werden. «Crossfit respektive Functional Fitness ist gesund und gesundheitsfördernd, wenn die Übungen korrekt ausgeführt werden», betont Schenk. Der Verband setze sich für Nachhaltigkeit in der Szene ein.

«Wir sind daran, eine Ausbildung zum Functional-Fitness-Trainer aufzubauen.»

Alexander Schenk hofft, dass der Verband als Mitglied bei Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports, aufgenommen wird. «Im Idealfall könnte Functional Fitness Teil der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles sein. Das ist zumindest unser Ziel.»