Trennung mit Nebengeräuschen beim FC Schötz

Trainer André Grüter verlässt den FC Schötz. Das sorgt beim 1.-Ligisten für Unstimmigkeiten.

Stephan Santschi
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Der Ball ruht. Ob die Fussball-Saison zu Ende gespielt wird, ist wegen des Coronavirus ungewiss. Trotzdem laufen in den Klubs die Planungen für die nächste Spielzeit, so auch beim FC Schötz. Der 1.-Ligist kommunizierte vor kurzem, dass man sich vom Trainerduo André Grüter/Zenun Selimi trennen und künftig auf die aktuell noch in Willisau engagierten Roger Felber und Reto Purtschert setzen werde. Grüter war während fast 20 Jahren Spieler der 1. Mannschaft, Sportchef, Assistenztrainer und ist seit September 2018 Cheftrainer. Er wird als Vereinslegende bezeichnet.

André Grüter wird beim FC Schötz nicht mehr an der Seitenlinie stehen.

André Grüter wird beim FC Schötz nicht mehr an der Seitenlinie stehen.

Bild: Dominik Wunderli (Schötz, 10. August 2019)

Weshalb kommt es nun zur Trennung? Grüter selber zeigt sich überrascht, noch im Februar habe der FC Schötz die Zusammenarbeit mit ihm verlängern wollen. «Ich selber sagte, dass ich zunächst vier Spiele abwarten möchte», verrät der 41-Jährige und erklärt: «Unser Ziel war es, vorne mitzuspielen. Dass wir dies in der Vorrunde nicht schafften, war ein Kopfproblem, denn die fussballerische Qualität stimmt. Ich wollte einen guten Start in die Rückrunde und beweisen, dass ich die Spieler charakterlich zu einem Spitzenteam formen kann.» Im Winter lag Schötz nur auf Rang neun.

Grüter hätte vor einem Monat verlängern können

Der Spielbetrieb konnte aufgrund des Coronavirus bisher aber nicht fortgesetzt werden und dann vernahm Grüter vor zwei Wochen, dass er an der Seitenlinie ersetzt werden soll.

«In Schötz ist das etwas speziell. Der Vorstand entscheidet, ist aber nicht nahe an der 1. Mannschaft dran»,

sagt Grüter. Er glaubt, dass negative Voten einzelner Ersatzspieler mit guten Verbindungen zum Vorstand zu seiner Absetzung geführt haben. «Davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt und das ist traurig.»

Ivo Frey, der Präsident, widerspricht dieser These indes vehement: «Wir haben im Vorfeld die Spieler weder gefragt noch informiert, keiner ist darin involviert. Den Entscheid des Trainerwechsels hat der Vorstand als Ganzes getroffen.» Auch sportliche Gründe gebe es keine, die gegen André Grüter sprechen würden. Vor einem Monat habe er tatsächlich noch mit ihm verlängern wollen. «Und eigentlich bin ich kein Mensch, der in seiner Meinung umschwenkt», so Frey. Doch dann hätten sie vom Interesse des Willisauer-Trainerduos an einer Veränderung erfahren.

«Und als wir dessen Präsentation hörten, war klar: Mit ihnen wollen wir den neuen Weg begehen. Für Andi tut mir das persönlich sehr leid.»

Analysetool und Netzwerk sprechen für Felber

Der neue Weg, den die Schötzer gehen wollen, beinhaltet eine Budgetreduktion bis 2022 und einen verstärkten Fokus auf regionale Spieler. «Wir werden in Zukunft nicht mehr 14 gestandene 1.-Liga-Akteure im Kader haben. Wir möchten uns vermehrt in unteren Ligen umschauen», erläutert Frey und hält fest: «Roger Felber hat dafür das richtige Netzwerk, während Grüter in der 1. Liga super vernetzt war.» Auch Felber spielte jahrelang für Schötz, zuweilen an der Seite von Grüter und er war später Chefcoach der 2. Mannschaft. Zudem verfügt er privat über Analysetools, um die Leistungswerte der Spieler zu messen. «Felber und Purtschert sind fussballverrückt – während 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche. Für uns bieten sie als Gesamtpaket eine einmalige Chance», betont Frey.

Dass das Vorgehen bei vielen Spielern für Unverständnis sorgte, hat er im Mannschafts-Chat mitbekommen. André Grüter gilt als Trainer, der seinen Spielern nahe steht. «Doch die Strategie gibt der Vorstand vor», sagt Frey und diese wirkt sich auch auf die Zusammenstellung des Teams aus. «Es wird einen Schnitt geben», kündet der Präsident an. Einen Abstieg in die 2. Liga inter würde man im Rahmen der Neuausrichtung zwar in Kauf nehmen. «Unser Anspruch aber ist, dass wir auch künftig in der 1. Liga spielen.»