TRIATHLON: Das Juwel aus dem Urnerland

Die 22-jährige Jolanda Annen (22) aus Schattdorf schwimmt, radelt und läuft in der Kombination so gut, dass sie keck sagt: «Ich will an den Olympischen Sommerspielen 2016 in Brasilien dabei sein.»

Roland Bucher
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Am vorangegangenen Sonntag läuft Jolanda Annen beim Walliseller Triathlon als Siegerin ins Ziel. (Bild: PD)

Am vorangegangenen Sonntag läuft Jolanda Annen beim Walliseller Triathlon als Siegerin ins Ziel. (Bild: PD)

Roland Bucher

Reto Achermann, der Teammanager und grosse Impulsgeber des Tri Team Schattdorf, bewies vor sechs Jahren ein gutes Näschen, als er Jolanda Annen, die Wasserratte, darauf hinwies, dass sie allerbeste Voraussetzungen besitze, um im Triathlon Karriere zu machen. Das junge, damals 16-jährige Mädchen nickte artig, und spätestens als unter dem Weihnachtsbaum die Startkarte für einen Triathlon lag, hatte der Hafer Joli, wie sie namentlich liebkost wird, gestochen.

Das war 2009. Heute ist Jolanda Annen hinter Nicola Spirig, der absoluten Weltklasseathletin, die Nummer 2 in der Schweizer Frauen-Triathlon-Szene. 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad rasen, 10 Kilometer rennen (so die olympische Version): dieses Mammutprogramm spult die Urnerin inzwischen in derart souveräner Manier herunter, dass sie in der Schweiz – mit Ausnahme von Spirig – kaum mehr Konkurrenz zu fürchten braucht.

Krankheit überwunden

Also, Aufbruch in die Internationalität. Ein erstes absolutes Spitzenresultat gelang ihr 2014 mit dem 7. Weltcup-Rang in Tongeyong (Südkorea), und in diesem Jahr verriet sie mit Rang 18 beim WTS-Rennen in Auckland erneut ansprechende Frühform. «Doch», sagt sie, «es läuft gut, ich bin zufrieden.» Ganz ohne Kerben verlief ihre Karriere indes nicht: Im Frühjahr 2014 erkrankte die Modellathletin an Pfeifferschem Drüsenfieber, und dieser gesundheitliche Rückschlag liess sie vorsichtshalber die mittelfristigen Ziele revidieren: Rio de Janeiro, wo im nächsten Sommer die Olympischen Sommerspiele 2016 stattfinden, schien geplatzt, der Fokus auf Tokio (2020) gelegt. «Glücklicherweise habe ich mich aber schnell und solid erholt», und im Herbst beschlossen Jolanda Annen und ihr Staff spontan: «Wir nehmen Rio ins Visier!»

Die Sache mit dem Ehrgeiz

Wer mit Joli, dieser jungen sympathischen Frau aus dem Urnerland, «wo ich verwurzelt bin und wo ich immer bleiben will», wer mit ihr parliert, der spürt schnell: Da ist nicht nur ein sportliches Schwergewicht, sondern auch eine willensstarke und auf ihre verheissungsvolle Laufbahn höchst konzentrierte Sportlerin am Werk. Es sei so eine Sache, das mit dem Ehrgeiz; forciere man diese Eigenschaft zu arg, käme das manchmal streberisch rüber, aber: «Soll ich mich mit Halbheiten begnügen, wenn ich doch so viel für meinen geliebten Triathlon arbeite?»

Recht hat sie, Jolanda Annen, und ihr vokabularischer Zusatz bringts exakt auf den Punkt: «Schreiben Sie ‹gesunder Ehrgeiz›. Dazu kann ich voll und ganz stehen.»

Je deutlicher sich abzeichnete, dass da im Urnerland ein Triathlon-Juwel erster Güteklasse heranwächst, umso schmackhafter machte ihr Reto Achermann auch den entscheidenden Schritt, zumindest für die nächsten Jahre (fast) alles in den Sport zu investieren. Zu drei Vierteln sei sie inzwischen Profi, «anders geht das gar nicht, wenn man sich der Weltspitze nähern will». Kehrt sie, wie kürzlich, von einem langen Triathlon-Auslandabenteuer in die Schweiz zurück, dann giert sie indes nach Abwechslung, die «mir nichts als gut tut». Hobbymässig stöckelt sie dann höchst gerne und mit spielerischer Leichtigkeit ab Schattdorf und mit Tourenski in Richtung Haldi: «Auf 1500 Metern spürst du, wie schön du es in deiner Heimat hast. Das ist jedes Mal ein wunderbares Erlebnis.» Doch auch die Kopflastigkeit kommt in diesen triathlonsportlichen Pausensequenzen nicht zu kurz: die aus- und weitergebildete Hochbauzeichnerin bleibt als Teilzeitangestellte im Architekturbüro Heinz Meier AG in Altdorf auch haupt-, oder ist es nun nebenberuflich, auf Kurs. «Ich brauche das unbedingt als Ablenkung.»

Ablenkung? Nein, auf dem Weg zu Grosstaten in ihrem sportlichen Metier lässt sich Jolanda Annen in keinster Art und Weise ablenken. Die nächste grosse Herausforderung wartet Mitte Juli in Genf, wo sie sich an der EM durchaus zutraut, in die Top 10 zu schwimmen, zu radeln und zu laufen. Und dann eben Rio de Janeiro: «Dort will ich hin, und ich wäre, ganz ehrlich gesagt, ein bisschen enttäuscht, wenn ich diese Vorgabe verfehlen würde.» So blutjung, wie Jolanda Annen für eine Triathletin ist, darf sie den Faden indes weiterspinnen: «2020 in Tokio, da will ich ein Spitzenresultat.»

Der brodelnde «gesunde Ehrgeiz» bietet beste Grundlage dafür.